Gelbe Tonne: Wo landet der Plastikmüll?

Gelbe Tonne: Wo landet der Plastikmüll?

  • Nur die Hälfte des Mülls der gelben Tonne wird recycelt
  • Neues Gesetz soll die Quote bis 2022 erhöhen
  • Probleme mit der Qualität des sortierten Mülls

Die Zahl klingt ernüchternd: Knapp die Hälfte des getrennt entsorgten Plastikmülls wird wieder aufbereitet. Die andere Hälfte landet in Müllverbrennungsanlagen. Das geht aus einem Bericht des Bundesumweltamts aus dem vergangenen Jahr hervor, der sich auf die Müllbilanz von 2015 bezieht.

Diese Quote soll mit dem neuen Verpackungsgesetz, das im Januar 2019 in Kraft tritt, erhöht werden. Bis zum Jahr 2022 sollen dadurch Kunststoffverpackungen zu 63 Prozent wiederverwertet werden.

Gutes Geschäft mit Plastikmüll

Dabei sind die Deutschen bereits Europameister im Mülltrennen. Dass die Müllabfuhr dafür gleich fünfmal vorfährt, liegt nicht etwa nur an einem besonders ausgeprägten Umweltbewusstsein der Unternehmen: Gerade mit Kunststoffabfällen lässt sich nämlich auf dem Weltmarkt theoretisch viel Geld verdienen. 

Müllverbrennungsanlagen müssen ausgelastet werden

Dafür, dass dennoch fast die Hälfte des Inhalts der gelben Tonne in Verbrennungsanlagen landet, gibt es mehrere Gründe. Zum einen liege das daran, dass in den 1980er und 90er Jahren an verschiedenen Standorten auch in NRW riesige solcher Müllverbrennungsanlagen gebaut wurden. Sind die nicht ausgelastet, kostet das die städtischen oder privaten Betreiber Geld. Kosten, die letztlich beim Bürger hängenbleiben.

"Gelber" Müll oft zu kleinteilig und zu verschmutzt

Müll auf einem Fließband in der Sortieranlage der Firma Trienekens in Krefeld

Müllsortierung oft schwierig

Zum anderen fehlt es dem Kunststoffmülls aus den gelben Tonnen an Qualität: In vielen Verpackungen sind Kunststoffe mit unbrauchbaren Materialien wie Pappe oder Papier verbunden. Sind die Teile überdies zu klein, können die Maschinen die verschiedenen Plastiksorten trotz ausgefeilter Technik nicht gezielt voneinander trennen.

Duales System verpflichtet Hersteller zur Entsorgung

Seit 1991 regelt die Verpackungsverordnung in Deutschland, dass Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche für die Rücknahme und Entsorgung ihrer Verpackungen verantwortlich sind. Gewährleisten soll das das so genannte Duale System.

Wiederverwertbarer Abfall wird in einer Müllsortieranlage der Firma Trienekens im Sortierwerk Krefeld mit einem Bagger umgeschichtet.

Heißbegehrter Plastikmüll

Wo und ob der Müll, der in Köln, Remscheid oder Wuppertal getrennt entsorgt in den Tonnen liegt, am Ende recycelt wird, entscheiden letztlich die Kommunen selbst, erklärt Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Die Entsorgung der Gelben Tonne werde in einem harten Preiswettbewerb unter den insgesamt zwölf Dualen Systemen in Deutschland ausgeschrieben. Dabei entstehe ein regelrechter "Mülltourismus" quer durch die Republik, kritisiert Wilts, denn das Geschäft mit den Abfällen ist ein heißumkämpfter Markt.

Wer wissen will, wo der Müll aus der eigenen Gelben Tonne schließlich landet, könne bei seiner Kommune anrufen. "Mit etwas Glück" würde es einem dort verraten, sagt Wilts, "wahrscheinlich aber eher nicht".

Tipps zum Recycling von Plastikmüll

  • In den gelben Sack gehört nur Verpackungsmüll. Fehlwürfe wie Restmüll, Windeln, alte Fußbälle oder Textilien sind nicht recycelbar und müssen aufwendig aussortiert und anschließend verbrannt werden.
  • PET-Schalen für Fleisch, Wurst und Käse können nicht recycelt werden. Sie bestehen aus mehreren fest verbundenen Folien. Da sie nur verbrannt werden können, sollten Sie die Waren am besten direkt an der Theke kaufen (am besten in mitgebrachten Dosen, s.u.).
  • Schwarze Verpackungen werden von der Sortieranlage gar nicht erst erkannt. Auch sie werden verbrannt. Kauf vermeiden!
  • Tetrapack-Getränkeverpackungen bestehen in der Regel aus Pappe, Plastik und reinem Aluminium und werden immer über den gelben Sack entsorgt. Allerdings wird ein Großteil der Verbundstoffe zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet, sprich verbrannt.
  • Das Ausspülen leerer Verpackungen ist im Übrigen nicht sinnvoll: Der Müll wird ohnehin in den Anlagen gereinigt, das eigenhändige Ausspülen belastet die Umwelt daher unnötig. Restmengen sollten allerdings entfernt werden.
  • Joghurtbecher sollten am besten in ihre Einzelteile zerlegt (Deckel ganz abziehen) und dann in den gelben Sack entsorgt werden.
  • Damit die Kreislaufwirtschaft und das Recycling überhaupt funktioniert, ist es wichtig, dass Müll fachgerecht sortiert und entsorgt wird. Also von Picknicks, Autofahrten und sonstigen Ausflügen den Müll immer mit zurück nach Hause nehmen

Stand: 23.01.2018, 16:26