Das passiert, wenn nur noch Elektroautos fahren

Diesel und Benziner werden durch Elektroautos ersetzt

Das passiert, wenn nur noch Elektroautos fahren

  • Der CO2-Ausstoß verbessert sich nur leicht
  • Auch E-Autos produzieren Feinstaub
  • Zusätzlicher Strombedarf nur mit Kohlekraft möglich

Über Deutschlands Straßen rollen derzeit 45,5 Millionen Pkws – die meisten davon als qualmende Benziner oder Diesel. Eine Maßnahme der Bundesregierung lautete deshalb: Mehr Elektroautos. Eine Million bis 2020, um genau zu sein. Die fahren schließlich abgasfrei.  

Mit aktuell 53.861 E-Autos sind wir von diesem Ziel weit entfernt, erreichen werden wir es kaum. Doch selbst, wenn alle Autos in Deutschland elektrisch führen, wäre das keine Lösung für das Umweltproblem – noch nicht.

Punkt 1: Schadstoffe

CO2: Von wegen emissionsfrei: Die Herstellung und Stromproduktion von E-Autos erzeugt eine nicht unwesentliche Menge an Emissionen. Denn ein Großteil der Energie dafür kommt aus Kohlekraft. Elektroautos erzielen so eine ähnliche Klima-Bilanz wie Diesel-Fahrzeuge – nur Benziner schneiden noch schlechter ab.

Würden wir jetzt alle Autos auf unseren Straßen durch E-Autos ersetzen, würde das also nur 12 Prozent Treibhausgase pro Jahr einsparen – mit dem aktuellen Strommix. Aber: Je mehr wir auf erneuerbare Energien setzen, desto besser wird auch die Klimabilanz von E-Autos. Bei 100 % Ökostrom im Netz läge die CO2-Ersparnis bei rund 60 Prozent.

Stickoxide: Die schädlichen Abgase kommen zum Großteil aus Verbrennungsmotoren, die größten Verpester: Diesel-Pkw. Da E-Autos nichts verbrennen, ginge die Stickoxid-Belastung in unseren Städten gen Null – und damit die gesundheitsschädliche Wirkung auf den Menschen. In puncto Stickoxid-Belastung wäre der Effekt einer reinen E-Auto-Quote also extrem gut.  

Feinstaub: Feinstaub entsteht primär durch Reifen- und Bremsabrieb – das gilt für Diesel, Benziner und E-Autos gleichermaßen. Elektroautos ändern deshalb wenig an der Feinstaubbelastung. Mit einer 100-Prozent-Quote würde sich der Ausstoß insgesamt sogar verdoppeln, da bei der Batterie-Herstellung in Fabriken viele der kleinen Partikel entstehen – aber eben nur rund um die Fabriken, wo wir kaum mit ihnen in Kontakt kommen. Die meisten von ihnen sind in Asien.

Punkt 2: Stromverbrauch

45,5 Millionen E-Autos benötigen etwa 125 Terrawattstunden Energie im Jahr – also 23 Prozent mehr, als Deutschland derzeit verbraucht. Dieser zusätzliche Bedarf an Strom ließe sich zwar problemlos decken, aber nur mit „dreckiger Energie“. Anders als Solar- und Windkraftanlagen können Kohle- und Gaskraftwerke ihre Kapazität flexibel anpassen und einfach mehr produzieren.

Ein Engpass entstünde eher bei der Verteilung des Stroms in die Ortsnetze: Wenn zu viele E-Autos gleichzeitig laden, kann es zu flächendeckenden Stromausfällen kommen. Für eine E-Auto-Quote von 100 Prozent berechnet die TU München über 650 Ausfallstunden. Das Problem ließe sich jedoch lösen: durch Netzausbau und intelligentes Laden – also dann, wenn Strom verfügbar ist.

Stand: 30.05.2018, 17:45