Der neue Tschernobyl-Sarkophag wird später fertig

Große Baustelle. Halbfertige Kuppel aus Stahl in Bildmitte

Der neue Tschernobyl-Sarkophag wird später fertig

Von Tobias Jobke

  • Fertige neue Stahlhülle muss noch verankert werden
  • Strahlenbelastung an der Baustelle höher als erwartet
  • Mensch und Roboter dürfen nicht zu lange arbeiten

Noch im Jahr 1986, unmittelbar nach der Katastrophe, begannen Arbeiter damit, eine Schutzhülle aus Beton um den havarierten Reaktor zu bauen. Innerhalb von 200 Tagen wurde sie fertiggestellt – doch heute ist sie rissig und brüchig. Ein neuer „Sarkophag“ musste her. Die Stahlkonstruktion wurde nach fünf Jahren Bauzeit im Jahr 2016 fertiggestellt und auf Schienen Stück für Stück über die alte Hülle geschoben.

Austritt von Radioaktivität soll mit Unterdruck verhindert werden

Der alte Sarkophag ist schon seit Jahren nicht mehr sicher

Der alte Sarkophag ist schon seit Jahren nicht mehr sicher

Ende vergangenen Jahres sollte die Hülle in Betrieb genommen werden und fortan durch Unterdruck verhindern, dass Radioaktivität aus dem havarierten Reaktor in die Umwelt gelangt. Doch dazu werden auch Lüftungssysteme und Stromleitungen benötigt. Und diese Technik wurde bisher nicht wie geplant fertiggestellt. Der Grund: Die Strahlenbelastung auf der Baustelle ist höher als erwartet.

Strahlung belastet Mensch und Technik

Das hat zur Folge, dass mehr Arbeiter benötigt werden, damit jeder einzelne der 1.500 Menschen auf der Anlage nicht über den erlaubten Grenzwert hinaus mit Radioaktivität belastet wird. Der Grenzwert liegt in der Ukraine bei 14 Millisievert pro Jahr und ist damit sogar strenger als die erlaubten 20 Millisievert jährlich in Deutschland. Aber auch Roboter, die im Inneren des Sarkophags arbeiten, sind nicht vor der Strahlung gefeit. Werden sie zu lange am Stück eingesetzt, schadet das ihrer Elektronik.

Neue Hülle schirmt nicht vollständig gegen Strahlung ab

Die geplante Inbetriebnahme des Sarkophags in Tschernobyl wurde zunächst auf Mai dieses Jahr verschoben, inzwischen sogar auf Dezember. Es ist jedoch gut möglich, dass es noch länger dauert.

Die neue Schutzhülle von Tschernobyl

Ein Kran im Inneren der Hülle soll ferngesteuert den alten Sarkophag demontieren

Allerdings wird auch auch die neue Hülle die Strahlung nicht völlig im Innern halten können. Das ist mit keinem Material möglich, selbst Stahl und Beton können nur einen Teil der Wellen aufhalten. Immerhin könnte die Stahlhülle verhindern, dass sich der radioaktive Staub weiter verteilt.

Ein positiveres Image für den Katastrophenort

In der Sperrzone von Tschernobyl werden zurzeit noch mehr Lager für radioaktiven Müll auch aus anderen ukrainischen Atomkraftwerken gebaut. Außerdem ist in der Nähe des Reaktors ein Solarkraftwerk einer privaten Initiative entstanden. Dahinter steckt wohl der Versuch, dem Katastrophenort ein zukunftsorientiertes, positives Image zu geben.

Stand: 26.04.2018, 14:10