Wie schlimm sind Kaffeekapseln wirklich?

Wie schlimm sind Kaffeekapseln wirklich?

Von Vanessa Reske

  • Kapseln können nur schlecht recycelt werden
  • Die Herstellung ist umweltschädlich
  • Der Kaffee in der Kapsel ist aber noch problematischer

Immer wieder prangern Umweltverbände den riesigen Müllberg an, der durch die kleinen, kaffeegefüllten Kapseln aus Aluminium entsteht. 8.000 Tonnen Verpackungsmaterial fallen dadurch in Deutschland jedes Jahr an. Alles halb so schlimm, sagen Kapselhersteller und der "Grüne Punkt", Deutschlands größter Mülltrennsystem-Betreiber. Schließlich ließen sich die Kapseln doch prima wiederverwerten.   

Kapsel-Recycling: Gut gedacht, schlecht gemacht

Auf den ersten Blick stimmt es sogar, was Nespresso und Co. behaupten: Aluminium-Kapseln können prinzipiell gut recycelt werden. Sie liessen sich zuverlässig aus dem Verpackungsmüll herausfiltern und recyceln, sagt Norbert Völl, Sprecher der Gesellschaft "Grüner Punkt". Und im Gegensatz zu den allermeisten Kunststoffverpackungen hat Aluminium eine hohe Recyclingquote von etwa 75 Prozent.

Das Problem: Die meisten Menschen werfen die Kapseln nicht in die gelbe Tonne oder den gelben Sack, wo Verpackungen hingehören. "Sie werden zu einem großen Teil im Restabfall entsorgt und dann verbrannt", erklärt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelt Hilfe (DUH).

Aus alten Kapseln werden keine neuen

Das zweite Problem: Selbst wenn alte Kaffeekapseln eingeschmolzen werden, lassen sich daraus nur noch eher minderwertigere Aluminium-Gussprodukte herstellen, bemängelt Fischer. Das Alt-Aluminium eigne sich für die Herstellung neuer Kapseln gar nicht.

Es würde sich bei den hohen Temperaturen beim Brühprozess in der Kaffeemaschine verformen. Wenn also Verbraucher richtig entsorgen würden, gäbe es zwar keinen riesigen Müllberg mehr, aber einen geschlossenen Recyclingkreislauf auch nicht wirklich.

Herstellung der Kapseln ist umweltschädlich

Bauxitabbau zur Herstellung von Aluminium

Bauxitabbau zur Herstellung von Aluminium

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 3,1 Milliarden Kaffee-Kapseln verbraucht, 8.000 Tonnen Verpackungsmaterial. Um eine solche Menge Alu-Kapseln herzustellen, müssen etwa 31.000 Tonnen Neu-Aluminium aus dem Erz Bauxit abgebaut werden.

Insgesamt komme man etwa auf 44 kWh Energieverbrauch pro Kilogramm Aluminium, klagt Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt. Für die Herstellung aller Alu-Kapseln, die 2016 in Deutschland verbraucht wurden, entstanden rund 25.000 Tonnen CO2. Dazu giftiger Rotschlamm, der die umliegenden Gewässer verseucht.

Stand: 13.09.2018, 15:53