Wenn der Jupiter unser Nachbarplanet wäre

Das Bild zeigt den Südpol des Planeten Jupiter, darauf zahlreiche rotglühende Stürme

Wenn der Jupiter unser Nachbarplanet wäre

Von Vanessa Reske

  • Polarlichter für alle
  • Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche
  • Noch mehr Klimawandel

Jupiter hat zweieinhalb Mal so viel Masse wie alle anderen Planeten zusammen. "Wäre er nur 384.000 Kilometer entfernt, also so weit wie der Mond, würden wir seine Auswirkungen auf der Erde stark zu spüren bekommen", erklärt Dr. Frank Sohl vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR). Allein das Risiko für einen Meteoritenabsturz auf der Erde erhöht sich.

Wenn der Mond der Jupiter wäre

WDR 5 Leonardo Top Themen | 09.03.2018 | 05:45 Min.

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Planetencrash? Wenn zwei Magnetfelder korrelieren

Ist uns der Jupiter so nah, würde es öfter zu Wechselwirkungen zwischen den Magnetfeldern von Erde und Jupiter mit den Sonnenwinden kommen. Dabei entstehen stark elektrisch geladene Ströme, die beim Kontakt mit den Erdpolen Polarlichter auslösen können. "Die Reaktion wäre so stark, dass man die Lichter auf der ganzen Welt sehen könnte", erläutert Planetenforscher Sohl.

Weiß-grüne Polarlichter leuchten am kanadischen Nachthimmel.

Polarlichter haben ein anderes Farbspektrum als Sonnenlicht

Gezeitenkräfte: Die Erde unterliegt 

Auch die Gezeitenkräfte des Jupiters würden wir auf der Erde spüren. "Nicht nur Ebbe und Flut würden extremer, sondern womöglich würde sich auch die Erdoberfläche heben und senken, wie bei Io“, sagt Sohl. Der Jupitermond Io hat etwa denselben Abstand zum Jupiter, wie die Erde in unserem Beispiel. Bei ihm hebt und senkt sich die Oberfläche um mehrere Hundert Meter. Je nachdem, welche Gravitationskraft auf ihn einwirkt.

Montage: Jupiter übergroß über der Skyline Kölns

Montage: Jupiter als Mondersatz?

Neuste Forschungen mit der Raumsonde Juno haben gezeigt, dass die Gravitationskraft des Jupiters nicht überall gleich ist. Deshalb muss Io sich ständig anpassen.

Es rappelt, wackelt und bebt

Durch die Bewegungen der Erdoberflächen käme es zu heftigen Erdbeben. "Die Erdplatten wären durch den Einfluss des Jupiters wahrscheinlich ständig in Bewegung, würden rutschen, rappeln und beben", vermutet Sohl. Dadurch käme es zu häufigen Vulkanausbrüchen und Tsunamis. Und es könnte sogar passieren, dass sich die tektonischen Platten durch das Brodeln vollständig versetzen.

Erdkugel mit tektonischen Platten

Erdkugel mit tektonischen Platten

Turbo-Klimawandel

Auch klimatisch hätte der Jupiter Einfluss auf die Erde, denn er strahlt Wärme ab. Der so genannte Jupiterschein erwärmt auch seine umliegenden vier Monde. Zum einen, indem er einen großen Teil des Sonnenlichts reflektiert. Und zum anderen, weil er wärmende Infrarotstrahlung abgibt.

Nasa-Sonde Juno schickt erste Fotos vom Jupiter

Von Sarah Ziegler

Fünf Jahre lang war die Raumsonde Juno unterwegs, um ihr Ziel zu erreichen: den Jupiter. Der größte Planet unseres Sonnensystems birgt noch viele Geheimnisse. Juno soll sie lüften. Nun gibt es erste Fotos.

Jupiters großer Roter Fleck

Rund eine Woche nach der Ankunft am Jupiter hat die Sonde Juno erstmals Fotos geschickt. Das erste Bild sei am Sonntag (10.07.2016) empfangen worden, nachdem die Kamera an Bord der Sonde wieder angeschaltet worden war, und zeige den größten Planeten unseres Sonnensystems und drei seiner Monde, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa in der Nacht zum Mittwoch (13.07.2016) mit. "Diese Szene von der 'JunoCam' bedeutet, dass sie ihren ersten Flug durch die extreme Strahlung des Jupiter unbeschädigt überstanden hat und dass sie jetzt bereit ist, den Jupiter anzugehen", sagte Nasa-Manager Scott Bolton. Die ersten Bilder sind allerdings noch in relativ niedriger Auflösung. Hoch aufgelöste Fotos soll Juno erst wieder Ende August machen, wenn sie sehr nah an den Jupiter herankommt.

Rund eine Woche nach der Ankunft am Jupiter hat die Sonde Juno erstmals Fotos geschickt. Das erste Bild sei am Sonntag (10.07.2016) empfangen worden, nachdem die Kamera an Bord der Sonde wieder angeschaltet worden war, und zeige den größten Planeten unseres Sonnensystems und drei seiner Monde, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa in der Nacht zum Mittwoch (13.07.2016) mit. "Diese Szene von der 'JunoCam' bedeutet, dass sie ihren ersten Flug durch die extreme Strahlung des Jupiter unbeschädigt überstanden hat und dass sie jetzt bereit ist, den Jupiter anzugehen", sagte Nasa-Manager Scott Bolton. Die ersten Bilder sind allerdings noch in relativ niedriger Auflösung. Hoch aufgelöste Fotos soll Juno erst wieder Ende August machen, wenn sie sehr nah an den Jupiter herankommt.

Jede Menge Technik hat die Raumsonde Juno auf ihrer langen Reise zum Jupiter mit an Bord. Über zehn Jahre lang wurde sie designt und erbaut. Der kleine graue Kasten, der obenauf sitzt, enthält über 20 besonders sensible Instrumente. Die Wände des Kastens bestehen aus Titan. Das Metall schützt die Elektronik vor der intensiven Strahlung, die rund um den Jupiter herrscht.

Drei lange Solarpanele sind an Junos Kernelement befestigt. Ohne sie könnte die Sonde ihr Ziel nie erreichen. Darum wurden die Panele schon am Boden ausgiebig getestet. Da sie für den Abschuss ins All zusammengeklappt werden mussten, haben die Forscher genau geprüft, ob sich die Panele so wie auf dem Bild von alleine ausklappen können.

Zwar ist Juno unbemannt, aber ganz alleine musste sie doch nicht losreisen. Mit an Bord sind diese drei Legofiguren. Sie stellen den römischen Gott Jupiter und seine Frau Juno dar, nach der die Raumsonde benannt ist. Ganz rechts zu sehen ist die Spielzeugvariante von Galileo Galilei. Er beschrieb im 17. Jahrhundert als erster die vier größten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto.

Zusammenbauen und losfliegen? So einfach läuft das bei der US-Weltraumbehörde nicht. Bevor eine Raumsonde wie Juno ins All starten darf, hat sie schon viel durchgemacht. Dazu gehören Tests in einer Art Grube, in der die Bedingungen im All simuliert werden – vom Vakuum bis hin zu Extremtemperaturen. Juno hat bestanden.

Verhüllt wie bei Christo. Damit Juno unbeschadet auf ihre Trägerrakete gehievt werden konnte, wurde sie ordentlich verpackt. Schon vorher hatte Juno auf der Erde einiges an Strecke zurückgelegt. Gebaut wurde sie nämlich in Denver, Colorado – ihre eigentliche Mission begann aber in Florida.

Am 5. August 2011 war es dann endlich so weit. Mit Hilfe einer Atlas-Rakete wurde die Raumsonde von Cape Canaveral aus ins All geschossen. Es war der Beginn einer fast fünfjährigen Reise.

Kaum hatte sich Juno im Weltraum von ihrer Trägerrakete getrennt, musste sie ihre Solarpanele entfalten – so könnte das ausgesehen haben. Über Wochen hinweg testeten die NASA-Forscher auf der Erde die einzelnen Instrumente an Bord, um sicherzugehen, dass Juno für ihren langen Weg gerüstet war. An einem Solarpanel befindet sich noch ein Magnetometer, mit dem das Magnetfeld des Jupiter vermessen werden kann.

Im Oktober 2013 konnte man Juno von der Erde aus am Nachthimmel beobachten – in dieser Spezialaufnahme ist links ein schmaler Streifen zu sehen. Das ist Juno. Der Grund für die erneute Nähe: Eine Raumsonde kann nicht einfach querfeldein auf kürzestem Weg ihr Ziel erreichen. Ihr Weg verläuft in genau ausgetüftelten Bahnen. Und so kam es, dass Juno zwei Jahre nach Beginn ihrer Reise in Erdnähe zurückkehrte, um sich im Gravitationsfeld unseres Planeten noch einmal den richtigen Schwung zu holen.

Natürlich hat Juno auch eine Kamera an Bord, JunoCam. Forscher erhoffen sich spektakuläre Bilder vom Jupiter. Dieses Foto schoss die JunoCam am 21. Juni 2016, also keine zwei Wochen vor ihrer Ankunft. Trotzdem war sie da noch fast 11 Millionen Kilometer vom größten Planeten unseres Sonnensystems entfernt. Die leuchtenden Punkte sind die vier größten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto.

So soll es aussehen, wenn Juno sich in eine Umlaufbahn des Jupiters einfädelt. Bis Februar 2018 soll Juno den Gasplaneten und seine Atmosphäre erforschen. Wie viel Wasser gibt es? Wie hoch ist die Strahlung? Wie sieht der Kern des Planeten aus? Danach wird Juno sich in Richtung des Planeten hinabstürzen und verglühen.

Stand: 09.03.2018, 12:34