Sex und Evolution

Modell von Hirsch beim Sex wird vorbereitet

Leo 2 Go - Glanzlicht

Sex und Evolution

Von Michael Lange und Martin Winkelheide

Jeder Jäger kennt Präparate von Rothirschen, die aussehen wie lebendig. Aber das Modell, das ab Herbst 2013 im LWL-Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt werden soll, ist etwas Besonderes. Denn in der Ausstellung geht es um Sex und Evolution. Rudolf Loheide und Jacqueline Winkler präparieren deshalb zwei Rothirsche beim Geschlechtsverkehr. Die Leo 2 Go-Reporter Michael Lange und Martin Winkelheide sind mit dabei.

Rothirsche beim Sex

In etwa einem Jahr soll es in Münster um Sex und Evolution gehen. So plant der Dermoplastiker Rudolf Loheide ein Modell zweier Rothirsche beim Geschlechtsverkehr. Als die Leo 2 Go-Reporter in seiner Werkstatt vorbeischauen, entdecken sie allerdings zunächst nur eine Kunststoffwanne mit Hirschhäuten und einen Sack voll Salz.

Ausstellung "Sex und Evolution"

Jeder Jäger kennt Präparate von Rothirschen, die aussehen wie lebendig. Aber das Modell, das ab Herbst 2013 im LWL-Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt werden soll, ist etwas Besonderes. Denn in der Ausstellung geht es um Sex und Evolution. Rudolf Loheide und Jacqueline Winkler präparieren deshalb zwei Rothirsche beim Geschlechtsverkehr. Nachdem die Hirschhäute entwässert und gegerbt wurden, müssen die beiden nun die Häute vernähen, und zwar so, dass sie exakt auf ein Modell aus PU-Schaum passen.

(v.l.n.r) Rudolf Loheide und Jacqueline Winkler präsentieren die Haut des Hirsches

Geschossen wurden die beiden Rothirsche bereits im Herbst 2012. Die abgezogene Haut des männlichen Hirschs riecht streng. "Der Gestank ist typisch für die Brunftzeit", erklärt der Präparator Rudolf Loheide. Gemeinsam mit der Volontärin Jacqueline Winkler bereitet er die Hirschhaut zum Gerben vor.

Geschossen wurden die beiden Rothirsche bereits im Herbst 2012. Die abgezogene Haut des männlichen Hirschs riecht streng. "Der Gestank ist typisch für die Brunftzeit", erklärt der Präparator Rudolf Loheide. Gemeinsam mit der Volontärin Jacqueline Winkler bereitet er die Hirschhaut zum Gerben vor.

Kochsalz hilft nicht nur gegen Rotwein im Teppich. Den gleichen Diffussionsprozess nutzen die Präparatoren, um Blut und Wasser aus der Hirschhaut zu treiben. Dazu massieren sie mehrfach Salz in die Hirschhaut ein. Nach ein paar Tagen und viel Salz ist die Haut bereit zum Gerben.

Nach knapp zwei Monaten kommen die beiden Hirschhäute vom Gerber zurück. Durch die Behandlung mit verschiedenen wässrigen Lösungen sind sie haltbar gemacht worden und riechen auch nicht mehr nach Hirsch. Die Präparatoren Rudolf Loheide und Jacqueline Winkler müssen die Häute nun vernähen, damit sie auf das vorgefertigte Modell aus PU-Schaum passt.

Wie ein Schneider mit Nadel und Faden näht Rudolf Loheide die Haut so zusammen, dass sie auf das Modell passt. Die einzelnen Stiche müssen dicht an dicht sitzen, so dass die Naht nicht aufreißt und die Nähte für die Besucher unsichtbar sind.

Zwei Wochen später ist die Hirschhaut beider Tiere vollständig auf dem Modell vernäht. Um das 8-Kilogeweih auf dem Hirschkopf zu befestigen, müssen die Präparatoren auf Leitern steigen.

Auf dem Scheitel des Hirschkopfmodells befindet sich eine Holzplatte, eingeschäumt in den PU-Schaum. Darin kann das acht Kilo schwere Geweih mit einem Akkuschrauber befestigt werden.

Schließlich befestigen die Präparatoren die Hirschhaut auf dem Modell. Das gelingt mit handelsüblichem Fliesenkleber. Während der Kleber trocknet, wird die Haut zurechtgezupft und zugenäht, so dass auch der Kopf natürlich aussieht.

Das Modell ist nun fast fertig für die Ausstellung. Noch steht es auf einer provisorischen Sperrholzplatte. Obwohl die beiden Präparatoren immer noch Feinheiten verändern, macht das Hirschmodell bereits einen lebensechten Eindruck.

Ganz zum Schluss setzt Rudolf Loheide noch das braune Kunsstoffauge in den Hirschkopf ein. Nur wenn der Blick stimmt, wirkt das Modell wie ein lebender Hirsch.

Nur wenn jede Einzelheit dem natürlichen Vorbild entspricht, lassen sich Besucher einer Ausstellung in die Natur entführen. Wie gut das den Präparatoren aus Münster gelungen ist, verrät der Blick ins Auge des Rothirschs.

"Sex und Evolution" lautet der Titel der Ausstellung, die im Herbst 2013 am LWL-Museum für Naturkunde in Münster beginnen soll. Das Hirschmodell ist bereit zur Präsentation. Dabei sollen die Zuschauer, wenn sie sich etwas bücken, auch die Details erkennen. Rudolf Loheide erklärt dem ersten Betrachter Martin Winkelheide (Leo2Go), was in der Jägersprache mit Brunftrute und Feuchtblatt gemeint ist.

Hirschhaut - gegerbt und zugenäht

Nachdem die Hirschhäute entwässert und gegerbt wurden, müssen die beiden nun die Häute vernähen, und zwar so, dass sie exakt auf ein Modell aus PU-Schaum passen.

Vom Geweih bis zur Brunftrute lebensecht

Das Hirschmodell ist fast fertig. Es fehlen allerdings noch das mächtige Geweih und die braunen Augen für den männlichen Rothirsch.

Sexausstellung mit Fußnote

Rothirsche, Igel, Kaninchen, Füchse und Delphine beim Sex präsentiert das LWL-Museum für Naturkunde in Münster in seiner Ausstellung "Sex und Evolution". Was noch fehlt ist der Mensch.

Füße beim Sex

Von Michael Lange

Das Museum für Naturkunde in Münster präsentiert ab Herbst 2013 die Sonderausstellung "Sex und Evolution". Es soll auch ein menschliches Präparat gezeigt werden. Ein Präparator modelliert dafür weibliche und männliche Füße.

Füße beim Sex

So soll das Ausstellungsstück einmal aussehen. Ein Foto dient als Vorlage für die Ausstellung.   

So soll das Ausstellungsstück einmal aussehen. Ein Foto dient als Vorlage für die Ausstellung.   

Präparator Werner Beckmann muss zunächst zwei zähe Flüssigkeiten zusammenrühren. Die Komponenten in Rosa und Blau verbinden sich zu einem leuchtenden Violett. Die fertige Paste härtet innerhalb von fünf Minuten und wird zu einem gummiartigen Silikon.

Der Job als Fuß-Model ist gar nicht so leicht. Das Model darf sich länger als eine Stunde nur wenig bewegen, während Werner Beckmann seinen Fuß zunächst mit Fett und dann mit Silikonpaste einschmiert.

In dünnen Schichten wird immer wieder neue Silikonpaste auf den Fuß und den Unterschenkel aufgetragen, so lange bis die Schicht etwa einen halben Zentimeter dick ist und alle Teile des Fußes bedeckt. Auch die Fußunterseite und die Zwischenräume zwischen den Zehen müssen mit Silikon abgeformt werden.

Um den Silikonabguss zu überprüfen, stellt Werner Beckmann zunächst Positivformen aus Gips her. Die Form der Gipsabdrücke entspricht bereits dem Aussehen lebendiger Füße.

Die Füße, die in der Ausstellung in Münster gezeigt werden sollen, bestehen dann wieder aus Silikon. Dazu wird der violette Silikonstrumpf außen durch Gips fixiert und innen mit einem anderen Silikon bestrichen. Damit die Füße lebensecht aussehen, erhält dieses Silikon eine spezielle Hautfarbe.  

Der Silikonfuß für die Ausstellung sieht lebensecht aus und hat sogar Haare. Sie stammen von Tieren, in diesem Fall von Schwarzbären, die Werner Beckmann implantiert. Im Innern besteht der Silikonfuß aus gehärtetem Schaum. Stabilität erhält er durch eine Dachlatte, die das Schienbein ersetzt.

Stand: 05.03.2013, 16:05