DNA kann jeder einfach sichtbar machen

Küchenexperimente - Erbgut im Schnapsglas

DNA kann jeder einfach sichtbar machen

Von Sascha Ott

Was braucht man, um menschliche DNA sichtbar zu machen? Pipetten, Zentrifugen und Petri-Schalen? Viel einfacher: Einen ordentlichen Schnaps!

Als ich einer befreundeten Biologin von diesem Experiment berichtet habe, sagte diese, sie könne sich nicht vorstellen, dass das funktioniert. Aber es klappt tatsächlich. Man kann seine eigene DNA ohne jedwede Unterstützung durch Spezialchemikalien oder Laborausrüstung sichtbar machen.

DER VERSUCH

Mit diesem Experiment habe ich endlich eine Verwendung für eine Flasche höchstprozentigen Rums gefunden, der – als Mitbringsel eines Österreichurlaubers seit einem Jahr ein eher trauriges Dasein in einer der hinteren Ecken des Vorratsschranks fristete. Für die DNA-Isolation am Küchentisch benötigt man nämlich:

  • möglichst hochprozentigen Schnaps (z.B. eben 80-prozentigen Rum);
  • Spülmittel;
  • ein sauberes Glas;
  • etwas Salzwasser (ein halber Teelöffel Salz in einem halben Glas Wasser).

Vor dem Experiment sollte man etwa eine Stunde lang nichts gegessen oder getrunken haben und sich auch nicht die Zähne geputzt haben. Dann sollte man zunächst eine Minute lang beherzt auf den Innenseiten der Backentaschen herumkauen. Dabei nicht schlucken! Denn es geht darum, möglichst viele Zellen aus der Mundschleimhaut zu lösen. Dann spüle ich meinen Mund eine Minute lang gründlich mit dem Salzwasser und spucke das Ergebnis in das Glas. Dazu gebe ich einen kleinen Spritzer Spülmittel und schwenke das Glas ein bisschen, damit sich Salzspucke und Spüli gut vermischen. Und jetzt kommt der Schnaps: Den Rum habe ich einige Stunden eisgekühlt und lasse dann einige Esslöffel davon ins Glas laufen. Schön vorsichtig, das Glas schräg halten, den Rum am Rand entlang rinnen lassen, damit sich zwei getrennte Schichten bilden. Und dann heißt es: warten...

DAS ERGEBNIS

Nach gut fünf Minuten schwenke ich das Glas mit dem Rum-Spucke-Gemisch einmal durch. Und wenn ich genau hinschaue, dann sehe ich im Glas feine weiße Knäuel, nur ein bis zwei Millimeter groß, wie in sich verschlungene weiße Fädchen. Sie sind deutlich an ihrer Struktur eines zusammengeknäulten Fadens zu erkennen und sollten normalerweise nicht mit eher partikelhaften Proteinen verwechselt werden können. Diese kleinen Knäuel sind mein Molekül des Lebens, meine DNA.

DIE ERKLÄRUNG

Wenn ich meine Backentaschen ordentlich bekaut und dann den Mund gründlich ausgespült habe, landen wie gesagt einige Zellen meiner Mundschleimhaut mit der Spucke im Glas. Das Spülmittel bricht dann die äußere Hülle, die Membran, meiner Schleimhautzellen und ihrer Zellkerne auf. Die DNA ist somit aus dem Zellkern befreit. Sie ist aber noch von einer Hülle aus Wassermolekülen umgeben. Die Salzionen der Mundspülwassers lagern sich an der DNA an und verringern so ihre Löslichkeit. Der Alkohol entzieht der DNA diese Hülle. Die DNA-Moleküle lagern sich zusammen, flocken aus und werden als kleine weiße Knäuel sichtbar.

Natürlich ist die DNA-Ausbeute dieser experimentellen Anordnung bei weitem nicht vergleichbar mit einer DNA-Isolierung im Fachlabor. Die Rolle des Spülmittels übernimmt im Labor ein sogenannter Lysepuffer, z.B. eine Lösung aus Natriumlaurylsulfat. Anstatt eines hochprozentigen Rums würde man bei professioneller Vorgehensweise 96prozentiges Ethanol verwenden. Aber das Experiment zeigt mit simplen Zutaten, wie das Prinzip der DNA-Isolierung funktioniert. Dennoch kann es durchaus vorkommen, dass nicht bei jedem Durchlauf des Experiments auch tatsächlich DNA zu sehen ist. Da hilft nichts als: einige Zeit warten, damit sich die Mundschleimhaut "erholt" und noch einmal probieren.

FAZIT

Schnaps fördert mitunter erstaunliche Dinge zutage: Er löst die Zunge, aber auch die DNA. Das Ergebnis sind dann Weisheiten des Lebens und manchmal auch das Molekül des Lebens.

Redaktion:
Peter Ehmer

Stand: 10.10.2014, 16:05