Gesundheit ohne System

Gesundheit ohne System

Von Katharina Nickoleit und Christian Nusch

Bislang ging es beim Thema Gesundheit in Entwicklungsländern hauptsächlich um Impfkampagnen und die Bekämpfung von Krankheiten. Doch vielerorts fehlt selbst die Basis. Und oft leisten Ehrenamtliche die dringende gesundheitliche Grundversorgung.

Mann vor Anleitung zum Händewaschen.

Als der Kenianer Mriphe Chirumijo Mwabaya sah, wie viele Menschen in seinem Dorf an vermeidbaren Durchfallerkrankungen leiden, beschloss er, sich als freiwilliger Gesundheitshelfer zu melden und etwas daran zu ändern.

Als der Kenianer Mriphe Chirumijo Mwabaya sah, wie viele Menschen in seinem Dorf an vermeidbaren Durchfallerkrankungen leiden, beschloss er, sich als freiwilliger Gesundheitshelfer zu melden und etwas daran zu ändern.

Seit zwei Jahren kümmert sich Mriphe ehrenamtlich darum, dass es in seinem Dorf an den Latrinen die Möglichkeit zum Händewaschen gibt. Dadurch hat er entscheidend dazu beigetragen, die Zahl der Durchfallerkrankungen erheblich zu reduzieren.

Auch die Organisation von Impfkampagnen, das Überwachen der Einnahme von antiviralen Medikamenten von HIV-Patienten, das Wiegen von Kleinkindern und das Melden ansteckender Krankheiten gehören zu Mriphes Aufgaben. Er arbeitet täglich drei bis vier Stunden zum Wohle seines Dorfes.

Ehrenamtliche sind das Rückgrat des kenianischen Gesundheitssystems. Es gibt sie in fast jedem Dorf. Alicia Atalala Munjigwa ist Chefin von 120 Gesundheitshelfern. Sie kann ihnen oft nicht einmal Spesen wie Telefonkosten oder Busfahrten ersetzten. Und schon gar keinen Lohn zahlen.

Ein Gesundheitssystem, das einen großen Teil seiner Mitarbeiter nicht bezahlt, verliert früher oder später seine besten Helfer, denn die suchen sich irgendwann einen bezahlten Job. Auch Mriphe wird nicht ewig ehrenamtlich seinem Dorf dienen können. Dann muss jemand die Lücke füllen, der unerfahren ist.

Der Wöchnerinnensaal im Krankenhaus von Tanga ist hoffnungslos überfüllt. 51 Frauen teilen sich 39 Betten. Nur, wer einen Kaiserschnitt hatte, hat Anspruch auf ein Bett für sich. Sofern es keine Komplikationen gibt, werden alle anderen ohnehin noch am Tag der Geburt entlassen.

Afrikanische Gesundheitssysteme  sind chronisch unterfinanziert. Weil kein Geld für eine Großküche und Nahrungsmittel zur Verfügung steht, werden die Patienten von Verwandten verpflegt. Im Krankenhaus von Tanga in Tansania haben die Angehörigen stundenlang darauf gewartet, eingelassen zu werden um ihren nächsten Essen bringen zu können.

Die meisten Afrikaner haben keinerlei Krankenversicherung. In Tanga hat sich das dank eines Pilotprojektes der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zumindest für werdende Mütter geändert. Sie können sich jetzt während der Schwangerschaft versichern.

Seit das Krankenhaus aus der Versicherung Geld für seine Leistungen erhält, kann die Klinikleitung Medikamenten und Verbrauchsmaterialien wie Spritzen und Verbände vorrätig halten. Normalerweise ist es üblich, dass Patienten diese Sachen selbst kaufen.

Die Chefhebamme Mwahuma Bakari musste früher Kaiserschnitte so lange aufschieben, bis die Angehörigen das Geld für Narkosemittel und alle anderen notwendigen Materialien aufgetrieben und sie gekauft hatten. Die Verzögerungen führten oft zu Komplikationen und einer hohen Mütter- und Kindersterblichkeit.

An einem Tag kommen etwa 40 Babys im Krankenhaus von Tanga zur Welt. Es hat sich herumgesprochen, dass die Versorgung im Krankenhaus von Tanga besser ist als anderswo. Deshalb kommen werdende Mütter oft von weit her, um hier ihre Kinder zu bekommen.

Dieser frisch gebackenen Mutter ist die Enge im Wöchnerinnensaal völlig egal. Für sie zählt alleine, dass sie während der Geburt gut betreut wurde und sie sich sicher sein konnte, dass alle wichtigen Medikamente verfügbar waren.

Stand: 01.02.2018, 10:30 Uhr