Katharina Bock streichelt ein dunkelbraunes Pferd

Freiheitsorientiertes Training: Die sanfte Revolution im Pferdetraining

Dortmund | Landwirtschaft

Stand: 23.03.2025, 15:34 Uhr

Katharina Bock aus Dortmund hilft ängstlichen Pferden mit einer besonderen Methode. "Freiheitsorientierten Training" nennt sich das besonders sanfte Konzept. Das Ziel: Dem Pferd möglichst viel Freiraum lassen. Doch funktioniert das auch?

Von Simon Ewerbeck

Mit einer geübten Handbewegung drückt Katharina Bock auf den Pferderücken. Nach ein paar Sekunden zuckt das Tier mit dem linken Ohr. Die 56-Jährige aus Dortmund geht auf Abstand und wartet kurz. Dann läuft sie wieder auf das Pferd zu und massiert eine andere Stelle. Kurz blinzelt das Pferd mit dem Auge. Wieder entfernt sich Bock von dem Tier. Die Trainerin reagiert auf jedes kleinste Körpersignal. "Freiheitsorientiertes Pferdetraining" nennt Bock das - und sich selbst eine Pferdeflüsterin.

Pferdetrainerin Katharina Bock reagiert auf jede Aktion des Pferdes

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Bocks Ziel ist der Aufbau einer engen Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Sie arbeitet viel mit Vertrauensübungen und will dem Pferd vermitteln, dass sie sein Freund ist. Wie stark sich diese Beziehung auf den Lernfortschritt des Tieres auswirkt, ist wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen. Klar ist allerdings, dass es dem Pferd währenddessen besser geht als bei dominanteren Trainings. Und darauf kommt es Bock an: pferdegerechter zu trainieren.

"Freiheitsorientiertes Training": Eine Pferdetrainerin will vermitteln

Danny DeVito heißt Bocks heutiger Patient auf einem Hof in Herne. Das Pferd ist sehr schreckhaft, fürchtet sich mal vor einem Trecker, mal vor einem Strohballen oder sogar dem eigenen Schatten. Besitzerin Ute Tietz glaubt, das liege vor allem an den Vorbesitzern. Sie seien kaum auf die Bedürfnisse des Tieres eingegangen. Jetzt sei Danny so ängstlich, dass er sich oft selbst im Weg steht.

Ohres eines schwarzen Pferdes

Pferd Danny kommuniziert seine Angst unter anderem mit seinen Ohren

Jeder Ausritt wird daher zur Strapaze für das Tier. Schon an der Grenze des Pferdehofes fürchtet sich Danny weiterzulaufen. Seine Angst macht ihn für Besitzerin Tietz unberechenbar. In solchen Momenten hat sie ein schlechtes Gefühl, auf dem Rücken des Pferdes zu sitzen. Mit dem Training soll sich das ändern.

In der Trainingshalle macht Bock mit sogenannten Führ-Übungen weiter. Das Pferd soll dabei möglichst selbstständig laufen, sagt sie. Mit ihrer Trainingsart orientiere sie sich an der Natur: "In der Herde folgen sich die Pferde gegenseitig. Das Pferd achtet nicht darauf, ob man am Strick zieht, sondern schaut auf die Füße." Während des "Freiheitsorientiertes Trainings" schlüpft Bock in die Rolle eines anderen Pferdes, bildet mit Danny eine Art Mini-Herde. Mit Druck ein bestimmtes Verhalten zu erzwingen, vermeidet sie dabei komplett: "Ich möchte mein Training so pferdegerecht wie möglich gestalten."

Funktioniert das Training bei Pferd Danny?

Anderthalb Monate später. Danny hat schon einige Trainingsstunden hinter sich. Heute soll es unter der Aufsicht von Trainerin Bock auf einen Ausritt gehen. Über die Grenze des Pferdehofes schafft es Danny diesmal problemlos. Ein kleiner Erfolg. Bock freut sich jedes Mal, wenn einer ihrer Patienten einen Ausritt macht.

Katharina Block reitet ein dunkelbraunes Pferd

Danny lässt sich inzwischen immer besser reiten

Plötzlich klingelt mitten auf einem Feldweg das Telefon von Tietz. Danny wird unruhig, die Situation verunsichert ihn. Mit abrupten Kopfbewegungen zieht das Pferd an den Zügel. In solchen Situationen sollte man als Reiter dem Pferd lieber ein bisschen Freiheit lassen und nicht den Zügel enger ziehen, auch wenn das oft der erste Reflex ist, sagt Bock.

Katharina Bock erklärt, warum es wichtig ist, die Zügel locker zu halten

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Sobald der Anruf beendet und die Zügel gelockert sind, wird auch das Pferd wieder ruhiger. Danny schüttelt seine Mähne und schnaubt kräftig. Auch Tietz kann oben auf dem Rücken des Tieres wieder durchatmen. Bei ängstlichen Pferden wie Danny brauche es einfach Zeit, sagt die Pferdetrainerin.

Ebenso wichtig wie das Training für das Pferd sei aber auch das Training für seinen Besitzer. Denn ein Pferd orientiert sich viel an dessen Verhalten, so Bock: "Wir Menschen müssen lernen, die Sprache der Tiere zu verstehen. Wir können nicht erwarten, dass sie unsere Sprache lernen."

Über dieses Thema berichten wir am 31.03.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit aus Dortmund, 19.30 Uhr.