Infraschall - wenn es beim Nachbarn brummt

Montage: Ohr, Schallwellen, Frequenzen

Infraschall - wenn es beim Nachbarn brummt

Von Conny Crumbach

  • Tagung zur Lärmbelästigung durch Brummtöne
  • Beschwerden vor allem in Neubaugebieten
  • Gesundheitliche Folgen des tieffrequenten Schalls

Man fühlt sich unwohl, ist ständig müde, kann sich schlecht konzentrieren - und hat dabei ständig das Gefühl irgendwo brumme etwas. So kann es jemandem gehen, der regelmäßig tieffrequentem Schall oder Infraschall ausgesetzt ist.

Eigentlich kann man diese besonders tiefen Frequenzen gar nicht hören. Trotzdem bereiten sie immer mehr Menschen Probleme, so die Erkenntnisse des Umweltbundesamtes. Am Dienstag (14.03.2017) hat das Amt darum in Berlin die Tagung "Tieffrequenter Lärm in Wohngebieten" ausgerichtet und bereits mehrere Forschungsprojekte auf den Weg gebracht.

Brummton sorgt für Streit in Neubausiedlungen

"Vor allem in Neubaugebieten sorgen Brummtöne von Wärmepumpen immer häufiger für Streit zwischen Nachbarn", sagt Christian Fabris vom Umweltbundesamt. Fabris berichtet, dass sich die Beschwerden bei Landes- und Kommunalbehörden inzwischen häufen würden. Denn: Ist die Pumpe erstmal eingebaut, kann man an der Situation nicht mehr viel ändern, weil der unhörbare Lärm auch durch gut gedämmte Fenster ins Haus kommt.

Das Umweltbundesamt rät deshalb zu vorausschauender Planung und ruft Hersteller und Bauherren dazu auf, den Lärmaspekt schon im Vorfeld mit zu beachten. Die offiziellen Grenzwerte helfen bei der Planung allerdings nicht viel, denn die sind offenbar zu hoch angesetzt. "Selbst wenn man die Grenzwerte einhält, ist das ungewohnte Brummen lästig", weiß Fabris.

Leitfaden zur Verringerung des Lärms

Damit Hausbesitzer und Hersteller besser planen können, hat die Bund/Länder-Arbeitsgemeinscht für Immissionsschutz (LAI) einen Leitfaden für die Verbesserung des Lärmschutzes erstellt. Denn nicht nur Wämepumpen - auch Klimaanlagen, Lüftungsgeräte, Mini-Blockheizkraftwerke oder Poolpumpen können tieffrequenten Lärm und unangenehmes Brummen erzeugen.

Häuser stehen in einer Neubausiedlung

Wärmepumpen können eine Ursache sein

Der Leitfaden kann dabei helfen, dass dieser Lärm erst gar nicht entsteht. "Zum Beispiel kann es Sinn machen, eine Pumpe in Richtung Straße auszurichten und nicht im Garten oder in der Nähe des Nachbargrundstücks zu bauen", rät Fabris.

Wie tieffrequenter Schall auf die Gesundheit wirkt

Aber warum beeinflussen uns die fast unhörbaren, tiefen Töne eigentlich? Studien belegen, dass die Grenzen zwischen "Hören" und "Fühlen" ab einer bestimmten Frequenz verwischen. Man nimmt bestimmte Töne weiter wahr, aber kann sie nicht verorten. Sie erzeugen Vibration im Körper und versetzen auch das Trommelfell in Schwingungen. Trotzdem hört man keinen Ton. Das hat gesundheitliche Folgen, wie eine Kommission bereits 2007 im Bundesgesundheitsblatt berichtete.

Schon zu diesem Zeitpunkt wiesen die beteiligten Umweltmediziner darauf hin, dass die Belastung durch tieffrequenten Schall deutlich zugenommen habe. Als gesundheitliche Folgen nennen sie unter anderem: Müdigkeit am Morgen, Schlafstörungen und Konzentrationsmangel. Das Umweltbundesamt beklagt, dass es bis heute einen Mangel an "umweltmedizinisch ausgerichteten Studienergebnissen" gibt, die das Thema umfassend untersuchen. Und nur mit solchen Ergebnissen könnten auch realistische Grenzwerte festgelegt werden.

Stand: 14.03.2017, 17:34