Schwermetalle in Nahrungsmitteln – wie gefährlich ist das?

Radieschen in der Erde

Schwermetalle in Nahrungsmitteln – wie gefährlich ist das?

Von Ilka aus der Mark

1. Manche Böden sind noch von den Römern verseucht

Schwermetalle gibt es viele – etwa Eisen, Kupfer, Blei, Cadmium, Chrom, Quecksilber, Uran, Silber, Gold oder Platin. Sie kommen ganz natürlich in den Gesteinen der Erdkruste vor – und landen durch Verwitterung und Erosion auch im Boden und Grundwasser. Doch die große Masse an Schwermetallen, die wir heute in unseren Böden haben, kommt woanders her: Durch Industrie und Straßenverkehr produzieren wir Feinstaub, der sich mit der Zeit auf dem Boden ablagert.

Zwar verwenden wir mittlerweile bleifreies Benzin, aber auch der Reifen- und Bremsenabrieb setzt Blei und andere Schwermetalle frei. Sie stecken auch in Dünger und Pflanzenschutzmitteln, die in der Landwirtschaft verwendet werden. Das Problem: Einige davon sind giftig – und können über den Boden in unsere Nahrung gelangen. Das nächste Problem: Schwermetalle bauen sich nur schwer ab. Was heute noch im Boden lagert, wurde teilweise schon vor Jahrhunderten dort eingebracht. Im Sauerland zum Beispiel sind einige Böden stark mit Blei verseucht – vom Bleiabbau der Römer.

2. Gemüse, Salat und Pilze sind besonders belastet – Beispiel Cadmium

Wie viel Schwermetall darf in Lebensmitteln enthalten sein, ohne dass sie uns schaden? Das legt die Europäische Kommission in Höchstgehalten für die einzelnen Lebensmittel fest, die aber immer wieder mal nach unten korrigiert werden. Ein Beispiel: 2009 zeigte ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, dass unser Körper fast dreimal empfindlicher auf Cadmium reagiert als bis dahin angenommen.

Fünf Jahre später senkte die EU-Kommission die Cadmium-Höchstgehalte für einige Lebensmittel. Aber nicht für alle. Möglicherweise wird hier 2018 noch einmal nachkorrigiert. Wichtig wäre das vor allem bei solchen Nahrungspflanzen, die besonders viel Cadmium aufnehmen. Denn das ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Blattgemüse wie Spinat und Mangold oder Salat gehören zum Beispiel zu den Spitzenreitern bei der Cadmium-Aufnahme. Deshalb sollte man sie vorsorglich immer gründlich waschen und die äußeren Blätter entfernen.

Sellerie und Waldpilze sind ebenfalls häufig mit Cadmium belastet (Zuchtchampignons dagegen wesentlich weniger). Auch Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne oder Leinsamen enthalten im Vergleich zu anderen Nutzpflanzen besonders viel Cadmium. Experten empfehlen deshalb, nicht mehr als 20 Gramm Leinsamen am Tag zu essen – das sind etwa zwei Esslöffel. Auch Weizen nimmt viel Cadmium auf.

Über die Pflanzen wird das Schwermetall natürlich auch von Tieren aufgenommen. Dort sind vor allem Innereien wie (Rinder)-Nieren oft stärker belastet. Äpfel, Bohnen, Erbsen, Gurken, Brokkoli, Kürbis, Paprika, Kohlarten, Zucchini oder Tomaten nehmen dagegen nur wenig Cadmium auf. Übrigens: auch Tabak enthält Cadmium. Das ist besonders gefährlich, weil das Schwermetall beim Rauchen über die Lunge besonders leicht aufgenommen wird.

3. Auch selbst angebautes Gemüse kann Schwermetalle enthalten

Wer selbst anbaut, bekommt keine staatliche Lebensmittelkontrolle. Zwar kann der Kleingärtner selbst entscheiden, ob er Dünger oder Pflanzenschutzmittel mit Schwermetall-Anteilen verwendet. Aber Gemüse und Salat aus einem Garten, der in der Nähe einer stark befahrenen Straße, eines Industriegebiets oder mitten in der Großstadt liegt, kann trotzdem so stark mit Schwermetallen belastet sein, dass der Verzehr möglicherweise gesundheitsschädlich ist.

Experten empfehlen deshalb Kleingärtnern, bei belasteten Gartenböden die Gemüsebeete mit biologischen Luftfiltern wie etwa Hecken von der Straße abzuschirmen. Oder Hochbeete mit schadstofffreier Blumenerde anzulegen. Allerdings ist billige Blumenerde nicht immer cadmiumfrei.

4. Schwermetalle können unserem Körper schaden – aber auch nützen

Schwermetalle sind nicht prinzipiell giftig. Es hängt vom Schwermetall und von der Dosis ab. Aber einige von ihnen, wie Cadmium, Blei oder Quecksilber, können uns auch schon in geringen Mengen krank machen. Cadmium zum Beispiel schwächt Immunsystem, Herzkreislauf- und Nervensystem, Knochen und die Filterfunktion der Nieren. Eine Bleivergiftung beginnt mit Durchfall, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen und kann, je nach Dosis, tödlich enden.

Und auch Quecksilber greift das zentrale Nervensystem an. Es gibt aber auch Schwermetalle, die unser Körper dringend braucht – als Spurenelemente. Zink, das zum Beispiel in Tomaten und Haferflocken steckt, ist wichtig für unseren Muskelaufbau. Und Kupfer, etwa aus Nüssen, brauchen wir für die Zellatmung. Aber auch hier gilt: Es kommt auf die Dosis an.

5. Wir werden die Schwermetalle nicht so schnell wieder los

Die Schwermetalle wieder aus dem Boden herauszuholen, ist quasi unmöglich. Denn zu den zahlreichen Schwermetallen, die eh schon da sind, kommen ja täglich neue hinzu. Aufwändige Sanierungen, bei denen der Boden komplett ausgetauscht wird, sind sehr teuer und finden in der Regel nur dann statt, wenn wegen extrem hoher Bodenbelastung unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht.

Die Alternative: sogenannte Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen. Das heißt: Sind Äcker etwa stark mit Cadmium belastet, empfehlen die Behörden den Landwirten Pflanzen anzubauen, die kaum Cadmium aufnehmen – und die zu vermeiden, die viel Cadmium aufnehmen. Konkret: Roggen statt Weizen. Oder Bohnen statt Spinat. Außerdem können Landwirte die Schwermetalle im Boden binden, so dass sie nicht mehr von den Pflanzen aufgenommen werden können. Der Trick: Sie geben Kalk auf den Acker – das verändert den PH-Wert des Bodens. Aber beide Methoden haben einen Haken: Die Schwermetalle bleiben unangerührt im Boden.

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Stand: 14.02.2017, 08:30