Rettungsgasse: Richtiges Verhalten kann Leben retten

Bei einem Rettungseinsatz wird auf einer Autobahn eine Rettungsgasse gebildet

Rettungsgasse: Richtiges Verhalten kann Leben retten

Von Petra Sommer

"4 km Stau. Bitte bilden Sie eine Gasse für die Rettungsfahrzeuge".
Diesen Hinweis hört man immer wieder in den Verkehrsnachrichten der WDR-Radioprogramme. Einsatzfahrzeuge müssen dann schnell und sicher zum Unfallort kommen.

Im Alltag sieht es aber leider oft so aus: Die Einsatzfahrzeuge stecken selbst im Stau, weil die Rettungsgasse fehlt. Dabei ist die Rettungsgasse in Deutschland seit fast 35 Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Laut ADAC sparen Retter bis zu vier Minuten durch eine richtig gebildete Rettungsgasse. Klingt nach wenig, ist aber viel: Vier Minuten können über Leben und Tod entscheiden. Nach einem Unfall ist schnelle Hilfe lebenswichtig.

Rettungsgasse kann leben retten

"Sobald der Verkehr stockt, bilden Sie eine Rettungsgasse!" Das lernen Autofahrer schon in der Fahrschule. Doch beim WIE sind sich die meisten Autofahrer unsicher. Es gilt folgender Grundsatz: Die Rettungsgasse zwischen der ganz linken Spur und der rechten daneben rettet Leben!

Geregelt ist das Verhalten für Autofahrer seit 1982 in § 11 (Besondere Verkehrslagen) Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO): "Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden."

Wie Sie auf der Straße eine korrekte Rettungsgasse bilden

Kurz gesagt: Bei zwei Spuren die Mitte freihalten. Bei drei- oder mehrspurigen Straßen eine Gasse zwischen der ganz linken Spur und der rechten daneben bilden. Idealerweise sollten die Autos dabei gerade stehen. Ebenfalls frei bleiben sollte die Autobahnauffahrt bis zur Rettungsgasse. Wichtig: Die Gasse bilden, sobald der Verkehr stockt und ausreichend Abstand halten. Hört oder sieht man die Rettungsfahrzeuge bereits, lässt sich sonst nicht mehr rechtzeitig Platz schaffen und wichtige Minuten gehen verloren.

Freie Fahrt nur für Polizei und Helfer

Ich habe es eilig - darf ich da auch durch? Ganz klares Nein! Nur "Polizei und Hilfsfahrzeuge", also Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Krankenwagen oder Abschleppdienste (und auch wirklich nur diese) haben freie Fahrt durch die Rettungsgasse. Wer sich nicht ans Gesetz hält, muss in Deutschland mit einer Geldbuße in Höhe von 20 Euro rechnen. Eine strafrechtliche Verfolgung ist bei schwerwiegenden Verstößen möglich. Bis zu 2000 Euro Bußgeld zahlt man dagegen in Österreich. Dort ist seit 1. Januar 2012 die Rettungsgasse auf Autobahnen und Schnellstraßen Pflicht und funktioniert meist vorbildlich. Vergleichbare Regeln gibt es auch in der Schweiz, Tschechien und Slowenien.

Die Rettungsgasse zwischen der ganz linken Spur und der rechten daneben - rettet Leben!

Crashkurs Erste Hilfe: Was tun, wenn es kracht?

Schon gewusst? Jeder Mensch ist gesetzlich dazu verpflichtet, als Zeuge eines Autounfalls erste Hilfe zu leisten. Für unterlassene Hilfeleistung könnten Sie sogar ins Gefängnis wandern. Mit diesen Tipps wissen Sie im Ernstfall, was zu tun ist!

Unfall Zeugen

Wer sollte bei einem Unfall anhalten?
Klare Frage, klare Antwort: Wer als erster Zeuge an eine Unfallstelle kommt, hält unbedingt an! Auch wenn Sie erst als zweiter oder dritter Verkehrsteilnehmer an eine Unfallstelle kommen, stoppen Sie kurz und fragen Sie, ob Sie behilflich sein können.

Wer sollte bei einem Unfall anhalten?
Klare Frage, klare Antwort: Wer als erster Zeuge an eine Unfallstelle kommt, hält unbedingt an! Auch wenn Sie erst als zweiter oder dritter Verkehrsteilnehmer an eine Unfallstelle kommen, stoppen Sie kurz und fragen Sie, ob Sie behilflich sein können.

Wann kann ich weiterfahren?
Wenn schon drei oder mehr Ersthelfer im Einsatz sind, sollten Sie ohne Verzögerung weiterfahren. So sinkt die Gefahr von Folgeunfällen. Je mehr Menschen sich am Ort des Unfalls aufhalten, desto geringer sieht sich außerdem jeder Einzelne in der Pflicht zu helfen. Ganz nach dem Motto: „Ich halte mich lieber erstmal zurück, der Nebenmann wird es schon richten...”

Wo stellt man sein Auto ab?
Auf der Autobahn gilt: Halten Sie unbedingt auf dem Standstreifen, im Idealfall vor der Unfallstelle. Auch auf der Landstraße sollten Sie Ihr Auto vor dem Unfallort zum Stehen bringen, parken Sie hier möglichst weit auf der rechten Fahrbahnseite.

Wer sollte aus dem Auto aussteigen?
Grundsätzlich gilt: Alle Insassen sollten das Auto des Ersthelfers verlassen. Auch Kinder oder Tiere, die keine Erste Hilfe leisten können. Platzieren Sie Ihre Mitfahrer an einem sicheren Ort, möglichst weit entfernt von der Fahrbahn. An der Unfallstelle selbst sollten sich aber nur Menschen aufhalten, die wirklich behilflich sein können.

Wie kann ich helfen?
Einfach und effektiv: Sichern Sie zuerst die Unfallstelle ab. Stellen Sie dafür ein Warndreieck in Fahrtrichtung vor der Unfallstelle ab (ca. 200 Schritte auf der Autobahn, ca. 100 Schritte auf der Landstraße). Anschließend alarmieren Sie einen Rettungswagen und leisten wenn möglich erste Hilfe. Bei mehreren Ersthelfern sollten Sie einen „Organisator” bestimmen, der die Maßnahmen vor Ort koordiniert.

Wer wird als Zeuge benötigt?
Auch hier gilt eine einfache Regel: Können Sie Informationen zum Unfallhergang geben, sollten sie unbedingt bis zum Eintreffen der Polizeibeamten warten und Ihre Beobachtungen weitergeben. Haben Sie nichts gesehen, werden Sie als Zeuge nicht benötigt und können nach Eintreffen der Rettungskräfte weiterfahren.

Wie gehe ich mit Gaffern um?
Wahrscheinlich haben Sie im Fall der Fälle genug anderes zu tun, als sich mit möglichen Schaulustigen zu beschäftigen. Grundsätzlich gilt: Sie können unbeteiligte Personen zwar darum bitten, die Unfallstelle zu verlassen, einen verbindlichen Platzverweis darf aber nur die Polizei aussprechen.

Wie bilde ich eine Rettungsgasse?
Wenn Sie nicht direkt am Unfallgeschehen beteiligt sind, sondern im anschließenden Stau stehen, sollten Sie noch vor eintreffen der Einsatzkräfte eine Rettungsgasse bilden. Dabei gilt: Fahren Sie auf einspurigen Fahrbahnen möglichst weit nach rechts, auf zweispurigen Fahrbahnen bilden Sie die Gasse und mittig und auf dreispurigen Autobahnen zwischen der mittleren und der linken Spur. Lassen Sie die Gasse auch nach Durchfahrt der ersten Einsatzfahrzeuge frei, eventuell folgen weitere Rettungswagen.

Wie verhalte ich mich auf der Gegenfahrbahn?
Seien Sie aufmerksam, aber fahren Sie möglichst zügig weiter. Achtung: Gaffer oder Unfallteile können auch in der entgegengesetzten Fahrtrichtung für Unfallgefahr sorgen.

Was mache ich, wenn der Rettungshubschrauber kommt?
Unbedingt stehen bleiben! Versuchen Sie auf keinen Fall, sich noch schnell an der Unfallstelle vorbeizuschummeln, wenn der Rettungshubschrauber schon tief über der Fahrbahn schwebt. Schlimmstenfalls bleiben Sie sonst in den Rotorblättern hängen und gefährden damit nicht nur Ihr eigenes Leben.

Sämtliche Tipps haben wir mit freundlicher Unterstützung der „Freiwilligen Feuerwehr Gerbrunn” zusammengetragen - kommen Sie sicher ans Ziel!

Stand: 31.10.2016, 09:15

Verkehrslage

Wetter

  • Heute Max: 10° Min: 2°
  • Morgen Max: 13° Min: 3°
4-Tage-Prognose für: