Programmänderungen bei WDR 2 und WDR 4

Mikrofon im Hörfunkstudio

Programmänderungen bei WDR 2 und WDR 4

WDR 2 und WDR 4 werden in den kommenden Wochen weiterentwickelt. Entsprechenden Vorschlägen von WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber hat der Rundfunkrat heute zugestimmt. Im Interview erläutert Jochen Rausch, zuständig für die Breitenprogramme Hörfunk, die wichtigsten Änderungen – darunter die Einführung eines neuen Talk-Formats mit Jörg Thadeusz auf WDR 2 und die Neugestaltung des WDR 4 Abendprogramms.

Der Rundfunkrat hat den von der Hörfunkdirektion vorgeschlagenen Programmanpassungen bei WDR 2 und WDR 4 zugestimmt. Auf welche Neuerungen dürfen sich die Hörerinnen und Hörer freuen?

Jochen Rausch: Bei WDR 2 wollen wir vor allem auf ein verändertes Informationsbedürfnis reagieren: Wir alle spüren ja, dass Spannungen und politische Umwälzungen zunehmen – in einer digitalisierten Welt wird es immer schwieriger, Wahres von Unwahrem zu unterscheiden und Objektives von Lanciertem. Deshalb wollen wir mit einem neuen Mittagsmagazin, das an die Tradition des WDR 2-Klassikers anknüpft, im Tagesverlauf eine Sendung anbieten, die Hintergrund und Einordnungshilfen liefert. Dieses Ziel verfolgen wir in einer monothematischen, wortintensiven Strecke dann noch einmal am Vorabend mit Jörg Thadeusz, einem der besten Moderatoren in Deutschland.

WDR 2 hat in seiner Geschichte immer wieder viele populäre Radiostimmen hervorgebracht, daran wollen wir anknüpfen. Nachdem bereits Sabine Heinrich von 1LIVE zu WDR 2 in den Morgen gewechselt ist, und Thorsten Schorn ab Juni das Team am Nachmittag verstärkt, soll Steffi Neu neben ihrer Vormittagsmoderation eine eigene Show am Samstagvormittag bekommen.

WDR 4 hat sich als Angebot für die Generation über 50 in den letzten Jahren sehr erfolgreich entwickelt. Bereits in den vergangenen Monaten hat WDR 4 auf den Ausbau der regionalen Berichterstattung gesetzt. Nachdem wir im Tagesprogramm mehr Geschichten aus NRW erzählen und auch im Veranstaltungsbereich neue Dinge ausprobieren, beispielsweise mit der WDR 4-Band, werden wir jetzt auch den Abend und das Wochenende auffrischen.

Warum sind die Anpassungen erforderlich?

Rausch: Die Medienwelt hat sich in den letzten zwanzig Jahren massiv verändert. Es gibt neue Player, die mit den klassischen Medien um die Aufmerksamkeit des Publikums ringen und es gibt neue Verbreitungswege. Veränderung ist deshalb keine Kritik am bisherigen Programm, sonst wären wir nicht auf die Idee gekommen, eine etablierte Marke wie das WDR 2-Mittagsmagazin wieder aufleben zu lassen. Die Digitalisierung macht auch vor dem Medium Radio nicht halt: Es geht um Inhalte, die nur wir haben, die die Hörer nur bei uns bekommen, um Stimmen, die nur wir haben, um Köpfe, die nur wir haben. Mit anderen Worten: Es geht darum, im Leben unseres Publikums ein möglichst unverzichtbarer Begleiter zu sein.

Geht es bei den Programmänderungen auch um Etatkürzungen?

Rausch: Es ist ja kein Geheimnis, dass der WDR seit vielen Jahren Kostensteigerungen nicht mit Beitragserhöhungen kompensieren kann und sich dies somit dann auch auf die Etats der Programme niederschlägt, vor allem, wenn andere Einsparmöglichkeiten ausgereizt sind. Parallel müssen wir auch den Stellenabbau verkraften, der bekanntlich auch unumgänglich war.

Das alles heißt aber nicht, dass das Programm zwangsläufig schlechter wird: Wir sehen es als große Herausforderung, eher besser zu werden mit geringeren Mitteln.

Was waren die Kernpunkte bei der Diskussion im Rundfunkrat des WDR?

Rausch: Wir freuen uns sehr über die große Zustimmung zu den Plänen im Rundfunkrat. Die Diskussion zuvor – auch im Programmausschuss – war ebenso intensiv wie konstruktiv. Dabei ging es vor allem um die Fragen, wie viel deutschsprachige Musik bei WDR 4 zu hören sein soll, ob eine Talksendung von einem oder von mehreren Moderatoren präsentiert werden sollte und welches Profil Moderatoren von journalistischen Sendungen wie dem neuen Mittagsmagazin haben sollten.

"WDR 2 MonTalk" und "WDR 2 Arena" sollen durch ein neues Talkformat an vier Abenden pro Woche mit einem prominenten Moderator ersetzt werden. Was erwartet die WDR 2-Hörerinnen und -Hörer in dieser Sendung?

Rausch: Das Konzept der Sendung ist völlig neu: WDR 2 überschreitet Formatgrenzen, um Talkradio direkter, attraktiver und überraschender zu machen. Das Thema bestimmt die Form der Sendung – Interview, Streitgespräch mit zwei oder mehr Leuten, Hörerbeteiligung – alles ist möglich. Es geht um Meinung, Orientierung, Werte, Bedürfnisse, Austausch. Hier wollen wir mit Politikern, Vordenkern, Prominenten und unserem Publikum ins Gespräch kommen. Zusammengeführt wird das alles von einem sehr charmanten und schlauen Moderator, den wir in Jörg Thadeusz haben. Er ist eine der unverwechselbaren Stimmen in unserer Radiolandschaft, ich bin fest davon überzeugt, dass die Sendung sehr gut angenommen werden wird.

Auch das WDR 4-Abendprogramm und das Wochenende werden sich ändern. Inwieweit wird es sich auch anders anhören?

Rausch: Bei WDR 4 soll das magazinierte Tagesprogramm mit Themen aus NRW um eine Stunde verlängert werden, und die Musiksendungen am Abend sollen eine Stunde später starten. Dabei setzt WDR 4 weiter auf populäre Moderatoren wie Götz Alsmann, und wir beschäftigen uns weiterhin mit traditioneller und klassischer Musik. Wir haben aber neu sortiert. So wandern Musikgenres, wie eben klassische Musik und Produktionen des Funkhausorchesters, die intensives Zuhören erfordern, vom Samstag- auf den Sonntagabend. Am Samstagabend werden wir eine neue vierstündige Sendung, den "WDR 4 Radioabend", anbieten, der unsere Hörerinnen und Hörer musikalisch durch den Abend begleiten soll – das kann man auch hören, wenn man mit Freunden oder der Familie zusammensitzt. Mit der Sendung "Legenden" blicken wir auf Phänomene aus der Pop- und Rockmusik der letzten 50 Jahre und zeigen mit diesem (wie auch mit den anderen Formaten am Abend) was öffentlich-rechtliches Radio kann.

Stand: 28.04.2017, 17:00