Der Blick ins Netz: Gefällt mir? Gefällt mir nicht?

Stand: 07.05.2012, 16:32 Uhr

Am 13. Mai 2012 ist Landtagswahl in NRW. In diesem fortlaufenden Beitrag zeigt WDR.de, wie die Parteien im Internet um Wähler kämpfen und was in Blogs und sozialen Medien zur Wahl geschrieben wird.

Von David Ohrndorf und Ingo Neumayer

7. Mai: Gefällt mir? Gefällt mir nicht?

Facebookseite von Sylvia Löhrmann

Gibt viel über sich Preis: Sylvia Löhrmann

Während sich die Parteien und Spitzenpolitiker bei Twitter naturgemäß eher kurz und knapp halten, lassen sich bei Facebook ganz andere Geschütze auffahren: Videos, Audios, Bewertungen, Umfragen, ausschweifende Diskussionen zu Sach- und Stilfragen - zumindest in der Theorie. Praktisch sieht es so aus, dass die Facebook-Seiten vieler Parteien und Spitzenkandidaten eher statisch sind und nicht viel mehr bieten als das, was man auch auf den jeweiligen Homepages und bei Twitter findet. So postet etwa FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner genauso wie bei Twitter mit einer vorgestellten Ziffer, die die Tage bis zur Wahl anzeigt.

Norbert Röttgen hat keinen eigenen Twitter-Account, übernimmt für sein Facebook-Profil aber Meldungen und Tweets der Homepage der NRW-CDU. So verweist er über Facebook auf die Seite der NRW-CDU, wo ein Interview abgeschrieben wurde, das er zusammen mit seiner Frau der "Bunten" gab. Kurios: In den Infos zur Person gibt er als derzeitigen Arbeitgeber "Das Deutsche Volk" an, der damit verbundene Link führt allerdings ins Leere.

Auch Hannelore Krafts Facebook-Auftritt ähnelt ihrer Twitter-Präsenz, auch hier kennzeichnet sie, welche Einträge und Kommentare von ihr selbst und welche von ihrem Team verfasst werden. Allerdings erfährt man hier etwas mehr Persönliches über die Ministerpräsidentin: Etwa, dass sie gerne "Tatort", "Zimmer Frei!" und "Sportschau" sieht, dass "Star Wars" und "Stadt der Engel" zu ihren Lieblingsfilmen gehören und dass ihr Lieblingsbuch "Der Vorleser" von Bernhard Schlink ist.

Im Gegensatz zu Lindner, Kraft und Röttgen hat Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann auf Facebook keine Fan-Seite, die man "liken" kann, sondern tatsächlich einen persönlichen Account wie ich und du, wo man ihr die Freundschaft erklären (oder kündigen) kann. Hier finden sich dann auch die größten Unterschiede zum Twitter- beziehungsweise Homepage-Auftritt der Grünen NRW. Löhrmann teilt fleißig Links, lädt Fotos ihrer Wahlkampfauftritte hoch und entschuldigt sich per Posting bei Parteifreunden wegen falsch geschriebener Namen. Interessant die Reihe der Facebook-Seiten, denen Löhrmann den Daumen hoch gibt: Neben diversen grünen Kolleginnen und Kollegen "liked" sie auch die Satireseite "Spätrömische Dekadenz", Altkanzler Helmut Schmidt sowie die Schlosserei Bott im schwäbischen Bad-Wildbach. Auch ohne mit Löhrmann befreundet zu sein, kann man erfahren, wann sie und ihr Lebensgefährte Jahrestag feiern oder sehen, mit wem sie alles befreundet ist - Hannelore Kraft zählt übrigens nicht dazu. Stellt sich die Frage, ob diese große Transparenz gewollt oder den undurchsichtigen Facebook-Regeln geschuldet ist...

23. April: Wahlkampftwittern

Screenshot Twitter Hannelore Kraft

Twitter-Neueinsteigerin Hannelore Kraft

Wer bei Twitter nach den Accounts der Spitzenkandidaten der aussichtsreichen NRW-Parteien sucht, findet: Hannelore Kraft, Norbert Röttgen, Joachim Paul und Christian Lindner. Allerdings nutzen nur drei von ihnen den Kurznachrichtendienst wirklich - dazu gleich mehr.

Darüber, wie wichtig Twitter nun wirklich ist, kann man sich trefflich streiten. Es gibt von Twitter leider keine offiziellen Zahlen, aber von den aktuell kursierenden Schätzungen her fällt die Bilanz für Deutschland eher ernüchternd aus. Thomas Pfeiffer hat im Blog webevangelisten.de die Zahl der aktiven Deutschen Nutzer analysiert und kam im September 2011 auf rund 550.000 aktive Accounts. Dem gegenüber stehen rund 65 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland. Nichtsdestotrotz, wer twittert wirkt irgendwie modern und so machen auch viele mit.

Der Twitter-Account von Hannelore Kraft hat pünktlich zum Beginn des aktuellen Wahlkampfs begonnen und bisher wurden dort immerhin 130 Tweets abgesetzt. Von Persönlichem ("weil der runde Geburtstag von Michael Vesper so nett war") bis zu einfachen Wahlkampfterminen ist alles dabei. Mal schreibt sie selbst, mal lässt sie schreiben - mit einem Kürzel wird der Autor des Tweets kenntlich gemacht.

Screenshot Twitter Christian Lindner

Early-Twitterer Christian Lindner

Dass der Spitzenkandidat der NRW-Piraten, Joachim Paul, auf Twitter vertreten ist, verwundert nicht. Mit mehr als 6.600 Tweets ist er der aktivste Kandidat und er nutzt den Dienst am virtuosesten. Er schreibt direkt adressierte Nachrichten und nutzt auch die passenden Hashtags. Überraschend allerdings: Die erste Nachricht von seinem Account wurde erst am 5. Februar 2011 abgesetzt. Da war Christian Lindner bei Twitter früher dabei. Der FDP-Spitzenkandidat hat im März 2010 zum ersten mal getwittert. Bislang hat er gut 630 Nachrichten geschrieben. Auch von der Zahl der Follower her liegt Lindner mit rund 7.200 vor Hannelore Kraft (3.800) und Joachim Paul (2.000).

Screenshot von Twitter mit dem angeblichen Account von Norbert Röttgen

Hier twittert Super-Röttgen, nicht.

Ach, und Norbert Röttgen? Da hat sich wohl jemand einen Spaß erlaubt. Als Profilbild wurde ein abgewandeltes Superman-Logo verwendet, mit einem roten "R" statt eines "S". Getwittert wurde über diesen Account zwar noch nicht, aber unter seinen Followern befinden sich unter anderem ein Mitglied der Jungen Union, die CDU Kreistagfraktion Herford und ein CDU-Landtagsabgeordneter. Über das außergewöhnliche Super-Röttgen-Logo hat sich von ihnen offenbar keiner gewundert. Auf seiner Homepage verlinkt Röttgen den Twitter-Account der NRW-CDU.

22. April: Theobald Tiger gezähmt

Screenshot Wir in NRW

Blog "Wir in NRW"

Im Vorfeld der Landtagswahl 2010 hat das Blog "Wir in NRW" mit Interna aus dem Umfeld von Jürgen Rüttgers (CDU) für Furore gesorgt. Unter dem Namen "Theobald Tiger" und unter anderen, schon von Kurt Tucholsky genutzten Pseudonymen, veröffentlichten die Blogger beispielsweise Auszüge aus internen Mails der Christdemokraten.

Im aktuellen Wahlkampf geht es bei "Wir in NRW" aber eher ruhig zu. Es wird ausgeteilt, überwiegend in Richtung von CDU ("Röttgen stolpert im Wahlkampf"), FDP ("Größenwahn von FDP-Lindner") und auch gegen die Piraten ("Mit fast anmaßender Arroganz verweigern die Piraten Antworten auf existenzielle politische Fragen"). Aber Scoops, wie vor zwei Jahren, finden sich in dem Blog bisher nicht. Entweder, weil bei der CDU bisher nichts ähnlich brisantes mehr passiert ist oder weil der heiße Draht in die Parteizentrale inzwischen abgekühlt ist.

Weitere Themen