Nichtraucherschutzgesetz verabschiedet: SPD quält sich zum Rauchverbot
Wütende Reden, blanke Polemik und Abgeordnete, die gegen ihre Überzeugung verstoßen. Ergebnis: NRW hat ein neues Nichtraucherschutzgesetz. Ab Mai gilt ein beinahe lückenloses Rauchverbot in Kneipen und öffentlichen Gebäuden. Während die Grünen jubeln, hadern die Genossen mit sich selbst.

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Rauchen erlaubt, heißt es bald nur in Ausnahmefällen
Man stelle sich nur mal vor, was passiert wäre, wenn die SPD beim Nichtrauscherschutz keinen Fraktionszwang ausgeübt hätte: Das so lange und kontrovers diskutierte Gesetzesvorhaben, ein Kernanliegen der grünen Landtagsfraktion, wäre durchgefallen. Denn 18 Abgeordnete der Sozialdemokraten sind eigentlich gegen das Gesetz in der vorliegenden Form. Das machten die 18 am Donnerstag (29.11.2012) vor der Abstimmung in einer persönlichen Erklärung deutlich.
18 Genossen gegen das Gesetz
- Audio: Künftig darf in NRW-Kneipen nur noch in geschlossener Gesellschaft geraucht werden Daniela Junghans / Katrin Schmick, WDR 2 Morgenmagazin
- Barbara Steffens im Interview: "Ich will nur schützen" [WDR 2]
- WDR 2 Klartext zum verschärften Nichtraucherschutz: Endlich ist der Deckel drauf! [WDR 2]
- Rauchverbot reloaded
- Schärferer Nichtraucherschutz ab Mai: Keine Ausnahmen mehr für Kneipen
"Wir haben Zweifel, ob die Ziele des Nichtraucherschutzes mit dem Gesetzentwurf tatsächlich erreicht werden können", heißt es in der Erklärung. Außerdem fragen sich die Abgeordneten, ob die "gesetzliche Regelungstiefe" der gestiegenen Selbstverantwortung im Zusammenleben von Rauchern und Nichtrauchern gerecht werde. Mit anderen Worten: Die 18 Genossen haben Bauchschmerzen mit dem strengen Gesetz der grünen Gesundheitsministerin. Genau wie auch große Teile der sozialdemokratischen Basis, insbesondere im Ruhrgebiet. Um des lieben Friedens willen haben die Abgeordneten trotzdem zugestimmt. Mit 124 von 228 Stimmen wird das Gesetz angenommen. Alle anderen Fraktionen stimmen gegen die Gesetzesänderung. Zwei Piraten enthalten sich.
Ein Gesetz mit wenigen Ausnahmen

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Verteidigte ihr Gesetz: Barbara Steffens
Im Mai 2013 wird nun eines der strengsten Nichtraucherschutzgesetze der Bundesrepublik in Kraft treten. In Kneipen darf dann ausnahmslos nicht mehr geraucht werden. Nur bei privaten Veranstaltungen mit geschlossenen Gesellschaften aus lauter geladenen Gästen ohne gewerbliches Ziel sind Ausnahmen erlaubt. Die Sonderregelungen für Brauchtums- oder Festzeltveranstaltungen werden abgeschafft, Raucher-Lounges oder Shisha-Bars müssen dichtmachen. Raucherbereiche in öffentlichen Einrichtungen sind von gestern. Und auch auf ausgewiesenen Spielplätzen wird der Glimmstängel verbannt. Übrigens auch der elektronische, denn die Regelungen gelten auch für E-Zigaretten.
Als das Abstimmungsergebnis bekannt ist, bricht Jubel in den Reihen der Grünen und einiger SPD-Parlamentarier aus. "Endlich", stöhnt ein Grüner erleichtert. Und die Gegner des Verbots machen lange Gesichter. In einer emotionalen Debatte hatten beide Seiten zuvor noch einmal alle Argumente für und wider das Gesetz ausgetauscht. Unterhaltsam war es, polemisch zum Teil.
"Mein Gott, muss man das alles verbieten"

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Erregte sich über das Gesetz: Karl-Josef Laumann
So geißelt die CDU die "Verbotskultur" der Grünen und sieht ein "Bürokratiemonster" hervorkriechen. Hendrik Wüst, früher mal Generalsekretär bei der CDU, fragt sich, was als nächstes komme: ein Alkoholverbot oder der erzwungene Verzicht auf Fleisch? Und Fraktionschef Karl-Josef Laumann, zu Beginn seiner Rede noch ganz ruhig, sieht bald so aus, als habe er eine Zigarette verschluckt. "Mein Gott, muss man das alles verbieten", ruft, nein brüllt er den Grünen zu. Um dann drohend mit dem Finger auf die SPD-Reihen zu zeigen: "Die Menschen sollen wissen, wem sie das Gesetz zu verdanken haben." In diesem Moment bebt der Landtag.
"Abbild des neuen deutschen Spießertums"
Die FDP kann emotional nicht ganz so viel aufbieten. Dafür hat der frühere Generalsekretär Joachim Stamp die interessantesten Beschimpfungen auf Lager. Die "grünen Umerzieher" hingen einem "neoasketischen Weltbild" nach, sagt er. Und: "Ihr Rigorismus ist Abbild des neuen deutschen Spießertums." Die Piraten regen sich lieber darüber auf, dass das Gesetz auch für E-Zigaretten gilt. "Gesetzgebung mit dem Holzhammer", meint Pirat Kai Schmalenbach.
Das große Gut Gesundheit und Leben
Die Gegenseite gibt sich angesichts der Attacken betont sachlich. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hebt die Bedeutung des Gesundheitsschutzes hervor. Dieser gehe vor wirtschaftlichen Interessen oder dem Interesse einer Minderheit von Rauchern. SPD-Fraktionschef Norbert Römer stellt schließlich klar, dass es sich seine Fraktion nicht leicht gemacht habe mit dem Gesetz. Am Ende jedoch "haben wir uns für das große Gut Gesundheit und Leben entschieden". Das sind hehre Worte. Nicht alle in der SPD würden sie unterschreiben.
Stand: 29.11.2012, 17.50 Uhr
- Ausgequalmt (29.11.2012) [Mediathek]
- Audios und Videos zum Thema [Mediathek]
- Schärferer Nichtraucherschutz ab Mai: Keine Ausnahmen mehr (20.11.2012) [WDR.de]
- Nichtraucherschutzgesetz noch unpräzise: Schlupfloch für Raucher? (23.11.2012)
- Broschüre "Ja, ich werde rauchfrei" der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung
Kommentare zum Thema (279)
letzter Kommentar: 02.12.2012, 19:41 Uhr
- Mythenmetz schrieb am 02.12.2012, 19:41 Uhr:
- @Kein Spießer und Nichtraucher Nö, mit "grünen"Ideen hat das nix zu tun, nur mit Vernunft. In einem Anfall von "Händeln zum Wohl der Bürger" hat die "Ungrünste"Regierung, CSU, in Bayern einen fotschschrittlichen Nichtraucherschutz auf den Weg gebracht. Raucher sind in der Minderheit, und die Mehrheit ist nicht mehr bereit Belästigungen&Vorsätzliche Körperverletzung durch ein paar schwerstabhängige zu akzeptieren. Wenn die Politik nix unternimmt wird es Volksentscheid geklärt. So oder so, die Zeiten in denen man seiner Sucht in Kneipen fröhnen dürfte sind bald vorbei.
- Kein Spießer und Nichtraucher @ Eberhard schrieb am 02.12.2012, 18:27 Uhr:
- Also gut, dann wird voraussichtlich nicht spätestens in 4 Jahren sondern erst im Frühjahr 2017 gewählt. Meinetwegen wird dann in ganz Europa ein striktes Rauchverbot herrschen. Ich rauche nicht und bin auch von vielen anderen grünen Ideen nicht direkt betroffen. Wichtiger ist mir, wer die Regierungen in den Landtagen und im Bundestag stellen wird. So rosig sieht es für die SPD nicht aus. Aber lieber ein Juniorpartner SPD im Bundestag als die Grünen in Regierungsverantwortung.
- Eberhard schrieb am 02.12.2012, 17:41 Uhr:
- "Spätestens in 4 Jahren hat NRW für lange Zeit wieder eine CDU/FDP-Regierung" --> in 4 Jahren ist erst einmal gar nichts. Gewählt wird erst wieder im Frühling 2017. Bis dahin gibt es längst ein Deutschland-weites und ein EU-weites Nichtraucherschutzgesetz. Auch in NRW selbst würde das Gesetz nicht mehr gelockert werden, weil die Menschen es bis dahin als vollkommen normal ansehen, in Innenräumen andere Personen nicht mehr zu schädigen!
- Eberhard schrieb am 02.12.2012, 17:36 Uhr:
- Wir erinnern uns: die CSU-Fraktion in Bayern hatte damals 2007 gegen den Widerstand der Partei-Führung ein striktes Rauchverbot durchgesetzt. Es gab auch viele CSU-Politiker, die nur zähneknirschend der FDP-Doktrin zur Lockerung des Nichtraucherschutzgesetzes im Jahr 2009 zugestimmt haben. Der Volksentscheid hat diesen Unsinn dann wieder rückgängig gemacht und das strikte Rauchverbot re-etabliert. man sieht also - es geht auch anders!
- Ralph schrieb am 02.12.2012, 12:16 Uhr:
- Uhhh ...... das giftige Nikotin und dieser gefährliche Zigrattenrauch. Was bin ich froh das jetzt endlich nur noch die gesunden Abgase der Autos und der Industrie oder der Staub von Baustellen usw. unsere Lungen streicheln. Die ganz große Gefahr des Tabakrauches, dem sich jeder ganz konkret entziehen konnte denn niemand war gezwungen sich an Orten aufzuhalten an denen geraucht wurde, ist ja nun gebannt. Rauchphobiker kann man mit dieser Antiraucher Nebelkerze wirklich glücklich machen, wer hätte bei diesem Klientel soviel Kleingeistigkeit erwartet. Anscheinend stimmt es das Nikotin beim Denken hilft! Denn einen wirklich Sinn hat dieses verschärfte Antirauchergesetz nicht. Die Grünen haben sich damit nun endgültig disqualifiziert. Von den Genossen hätte ich etwas mehr Rückgrat erwartet!
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