Ausbau von Kita-Plätzen zu langsam NRW ist Schlusslicht bei U3-Betreuung

Von Jenna Günnewig

Nur jedes sechste Kind unter drei Jahren wird nach Angaben des Statistischen Landesamtes in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut. Bereits in zwei Jahren muss Nordrhein-Westfalen für jedes dritte Kind einen Betreuungsplatz anbieten können - ein nahezu unrealistisches Ziel.


Garderobe in einer Kindertagesstätte
Bild 1 vergrößern +

50.700 der betreuten Kinder unter drei Jahre gehen in eine Kita in NRW

Zwar sei die Betreuungsquote innerhalb eines Jahres von 14 Prozent auf 15,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Landesamt NRW am Montag (07.11.2011) mitteilte. Doch das, und da sind sich alle einig, reicht noch lange nicht: Bis 2013 muss eigentlich für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz angeboten werden. Das hatten Bund und Länder sehr optimistisch im Jahr 2007 vereinbart.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat nun die Länder angemahnt, sich beim Kita-Ausbau ins Zeug zu legen. Von 2,15 Milliarden Euro, die der Bund bis 2013 für den Ausbau der Kindertagesbetreuung bereitgestellt hat, seien bis Oktober erst 1,24 Milliarden Euro abgerufen worden.


Das Ziel: 44.000 zusätzliche Betreuungsplätze in zwei Jahren

"Die Steigerungsrate ist zu gering", gibt auch Stephanie Paeleke-Kuhlmann aus dem NRW-Familienministerium zu. Für NRW liegt der prognostizierte Bedarf auf einen Betreuungsplatz bei rund 32 Prozent. Im Kindergartenjahr 2011/2012 stünden 100.000 Plätze zu Verfügung. Um den Bedarf für NRW zu decken, müssten es bis 2013 aber 144.000 Plätze sein. Deswegen sollen noch einmal 90 Millionen Euro in das Sofortprogramm U3-Ausbau gesteckt werden.

"Eine Menge Geld - aber wo ist es hin und warum schlägt es sich nicht in Betreuungsplätzen nieder?" fragt Marcel Hafke, familienpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Da sich das Tempo des Ausbaus in Nordrhein-Westfalen zuletzt deutlich verlangsamt habe, sei kaum mehr damit zu rechnen, dass NRW in den kommenden zwei Jahren die Quote von 32 Prozent erreiche. Auch die CDU sieht einen rot-grünen "Totalausfall" beim Ausbau der Betreuungsplätze. Da sei die CDU deutlich besser gewesen, erklärt der familienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Bernhard Tenhumberg. Laut SPD sind die schlechten U3-Zahlen jedoch schwarz-gelbe Erblast. "Das ist ein mehr als schlechtes Zeugnis für die Familienpolitik der Vorgängerregierung", verteidigt sich Familienministerin Ute Schäfer (SPD).

Kommunen im Nothaushalt bauen keine neuen Kitas


Eine Erzieherin spielt mit 6 kleinen Kindern
Bild 2 vergrößern +

Mit einer Betreuungsquote von knapp 16 Prozent ist NRW Schlusslicht

Unabhängig davon, ob noch schwarz-gelb oder nun rot-grün für die fehlenden Plätze verantwortlich ist - der Städte- und Gemeindebund gibt sich desillusioniert. "Dass das bis 2013 nicht hinkommt, sagen wir schon seit Jahren", so Martin Lehrer. Denn: "Kommunen im Nothaushalt können nun mal keine neuen Kitas bauen." Auch wenn der Ausbau von Bundesregierung und dem Land stark bezuschusst werde, sei er für die Kommunen noch lange nicht zum Nulltarif; die hätten kein Geld um beispielsweise Grundstücke für Kindertagesstätten zu kaufen.

Nicht nur wegen seiner klammen Kommunen ist NRW mit einer Betreuungsquote von 15,9 Prozent - statt deutschlandweit durchschnittlich 23 Prozent - Schlusslicht. NRW sei von einem niedrigen Betreuungsniveau gestartet. Zudem sei ein Rechtsanspruch auf einen U3-Betreuungsplatz, den die Eltern von August 2013 einklagen können, nicht haltbar, so Lehrer weiter.

Keine Betreuungsplätze vs. Betreuung zu Hause?

Während auf der einen Seite mehr Betreuungsplätze nötig sind, hat die Koalition in Berlin das Betreuungsgeld für unter Dreijährige beschlossen. Eltern sollen danach künftig monatlich 100 Euro für Kinder bekommen, die zu Hause betreut werden. Wird so die "Herdprämie" ein Renner wider Willen?

Wenig Betreuungsplätze: Oberhausen, Wuppertal und Duisburg

Regional variiert die Zahl der betreuten Stellen teilweise enorm: "Münster ist mit über 25 Prozent Spitzenreiter", so Birgit Kempf vom Statistischen Landesamt. Dagegen haben der Rhein-Erft-Kreis und Städte wie Oberhausen, Duisburg und Wuppertal eine Quote von nur zehn Prozent. Insgesamt wurden in NRW im vergangenem Kindergartenjahr 70.800 Kinder entweder in Kindertageseinrichtungen oder von einer Tagesmutter betreut.

Die jährliche Erhebung des statistischen Landesamtes, bezieht sich auf das zurückliegende Kindergartenjahr 2010/2011. Erfasst wurden in der Statistik nur die mit öffentlichen Mitteln geförderten Angebote. Das Statistische Bundesamt wird am Dienstag (08.11.2011) deutschlandweite Daten über die Versorgung mit Kita-Plätzen veröffentlichen.


Stand: 07.11.2011, 14.26 Uhr


Kommentare zum Thema (32)

letzter Kommentar: 11.11.2011, 14.10 Uhr

Oseline schrieb am 11.11.2011, 14.10 Uhr:
Klaus, nur weil Sie ein O lesen, kommen Ihnen neurotischen Züge gegen alles, was östlich der Elbe wohnt, in die innere Quere. Ich könnte mich kringeln. Meine Wurzeln liegen seit vielen Generationen in Lüdenscheid, also im Nordwesten des Sauerlandes. Ich weiß aber um die Befindlichkeiten der Ostdeutschen, die große Opfer für die Wiedervereinigung brachten, denn Ostdeutschland und die Ostdeutschen Kinder waren nicht Griechenland und den Griechen gleichzusetzen. Wenn die Ostdeutschen also eine Milliarde Kredit bekamen und die Griechen mehrere hundert Milliarden E., dann stimmt etwas nicht, zumal kein Grieche seine Immobilie an irgendwelche fremden Alteigentümer wegschenken musste, um sich als Mieter oder Pächter selbst uneigennützig für ein windiges Schwester- und Brüdergesülze zu versklaven. Aber sie taten es dennoch, und deshalb sind die Ostdeutschen für mich die besten Demokaten und deutschen Patrioten, im gegensatz zu einigen meiner Landsleute, die nur ein O ohne Deutschland lesen.
Klaus schrieb am 11.11.2011, 13.16 Uhr:
@Oseline: Wenn es nicht auch wirklich viele vernünftige Menschen treffen würde, würde ich mir wünschen das die Mauer für sie wieder aufgebaut wird! Das sie ihr Altwerden oder Alt sein nicht genießen können wird schon seinen Grund bei ihnen haben haben. Was heißt hier eigenes Volk? Ich fühle mich als Europäer und schon lange nicht mehr als Deutscher. Sie können gerne versuchen mit ihrem patriotischen Gewäsch Eindruck zu schinden. Dabei sind es doch gerade die Ost-"deutschen" die nach der Wende wirklich erheblich von den Leistungen der West- Deutschen profitiert haben und immer noch profitieren. Es sei ihnen gegönnt, aber sie sollten sich aus Anstand solche Parolen wie "die dümmliche Ignoranz ihrem eigenen Volke gegenüber" usw. sparen. Mein Vaterland "BRD/alt", wie sie es auszudrücken pflegen, hat nicht mehr viel mit ihrem "brd/neu" gemeinsam. Die Zusammenführung beider deutschen Staaten war in meinen Augen ein großer Fehler für den wir Westdeutsche einen hohen Preis gezahlt haben. Wenn man sich Deutschland heute anschaut kann ich es niemandem verübeln sein Glück im Ausland zu versuchen. Jeder muß für sich selber sorgen. Ich habe Freunde denen das gut gelungen ist und die sich deshalb auch nicht vor dem Älterwerden fürchten müssen. Wie dem auch sei, ich wünsche ihnen noch ein schönes Wochenende und einen "angemessenen" Lebensabend als Oseline in der "brd/neu" Viel Spaß!
Oseline schrieb am 11.11.2011, 10.17 Uhr:
Da war noch der User SK also, dem ich mal flüstern darf, dass ich hier nicht vergnügungspflichtig DDR-Nostalgie betreibe. Mir IM zu unterstellen, ist eine Dreistigkeit. Ich meine mehr die Zeit nach der Wende, in der Republikflucht unerträglich wird. Jedes Jahr verlassen ca. 100 Tausend junge Menschen unsere Republik, in einigen Jahren weit über 150 Tausend. Das sind Menschen, die als Deutsche in deutschen Statistiken geführt werden. Was veranlasst sie dazu, unser Vaterland zu verlassen? Ist es die unterstellte Klugheit, oder ist es die Unerfahrenheit, die dümmliche Ignoranz ihrem eigenen Volke gegenüber. Waren die nicht zufrieden mit dem, was schulische Bildung und Lebenswirklichkeit ihnen vorspielten und vorspiegelten? Wenn wir Glück haben, kommen Polen zu uns, die ähnlich der Migrationssehnsucht anheimfallen. - Wenn als Geringverdienende gelten, die in BRD/alt weniger als 1900 und in der BRD/neu weniger als 1400 Euro verdienen, dann wundert mich an dieser Flucht gar nichts mehr.
Oseline schrieb am 11.11.2011, 09.59 Uhr:
Klaus, warum belästigen Sie uns mit ihrer Darbietung im Einzelnen. Wenn hier jeder Egoist seine triumphierende Meinung kundtäte, warum er ein Held sei, weil er alles für seine alten Tage ,,in trockene Tücher'' gebracht hat, und sich vor gar nichts fürchtet, auch nicht vor dem Niedergange seines eigenen Volkes, dann ist das in Wiederholung ganz unlesbar geworden. - Er hat also sein Gespartes und die anderen Frauen gebären für seine Gnaden die Sklaven, die ihm dann evtl. seine feuchten Tücher gegen trockene austauschen müssen. Ich weiß nicht, wie nett sie dann zu denen sein werden, aber ich vermute noch einmal, dass Sie dann sehr nett zu anderen Menschen sein können. Aber um nett sein zu können, benötigt der Mensch auch viel Kraft, die sich schwerer erhalten lässt, als Geld und Überheblichkeit. Ich muss lachen, weil Sie von Genießen schreiben. Dann mal tau, ich träumte auch mal vom glorreichen Altwerden. Ich komme zwar allein klar, aber ein Genuss ist es nicht, alt zu sein.
Klaus schrieb am 11.11.2011, 09.02 Uhr:
@Günter: Was soll die Polemik? Meine Altersversorgung ist in trockenen Tüchern, ich habe "privat" gut vorgesorgt. Für den Krankheitsfall bin ich ebenfalls "privat" sehr gut versichert. Im Pflegefall werde ich sicher nicht "in der Gosse krepieren" wie sie es so schön polemisch ausdrücken. Ich habe auch hier "privat" Vorsorge getroffen so das ich im Fall des Falles gehobene Pflege und Betreuung in einem entsprechenden Ambiente genießen werde. Dafür brauche ich keine Kinder die im Alter etwas für mich tun! Ein Stück Verantwortung für die nächste Generation hat unsere Generation sicher, das ist unbestritten. Die Frage ist wie weit diese Verantwortung geht. Wie ich schon schrieb, die gesellschaftliche Verantwortung endet damit, dass kein Kind hungern muß, ein Dach über dem Kopf hat, medizinische Hilfe bekommt wenn es krank ist und eine schulische Grundbildung erhält. Das ist eine gute Basis und wirklich nicht wenig, schaut man sich im Rest der Welt um. Für ein Rund um Sorglospacket müssen die Eltern schon selber sorgen, das ist dann nicht mehr Sache der Gesellschaft bzw. des Staates!

Alle Kommentare anzeigen