Brüderle besucht NRW-FDP Liberaler Candystorm für den Spitzenmann

Von Martin Teigeler

Beim Neujahrsempfang der NRW-FDP in Düsseldorf bejubeln die Liberalen den Gastredner Rainer Brüderle. Der designierte Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2013 sagt nichts zu den jüngsten Sexismus-Vorwürfen.


Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, unterhält sich in Düsseldorf auf dem Neujahrsempfang mit dem Landesvorsitzenden der NRW-FDP, Christian Lindner

Was ist auf einmal mit der FDP los? Beim Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen Liberalen präsentierte sich die oft zerstrittene Partei einig und harmonisch. Demonstrativ stellten sich die Freidemokraten am Sonntag (27.01.2013) in einem Düsseldorfer Nobelhotel hinter Rainer Brüderle, ihren designierten Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013, der seit Tagen wegen Sexismus-Vorwürfen für Schlagzeilen sorgt. FDP-Landeschef Christian Lindner sagte zur Begrüßung, Brüderle sei "unser Freund, hinter dem wir stehen". Außenminister Guido Westerwelle wetterte gegen "Zerrbilder" in den Medien und mahnte "menschlichen Respekt" an.


Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, gestikuliert neben dem Ehrenvorsitzenden der FDP, Hans-Dietrich Genscher, und Aussenminister Guido Westerwelle
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Westerwelle, Genscher und Brüderle

Keine Silbe verloren die FDP-Redner zur gerade heftig geführten Sexismus-Debatte. Brüderle wird von einer "Stern"-Journalistin vorgeworfen, sich ihr gegenüber anzüglich geäußert zu haben. Doch die Medienschelte und der als Dauerapplaus für den Hauptredner Brüderle daherkommende Candystorm der 1.400 FDP-Fans im Saal waren gleichwohl eine Aussage - zugunsten des "Spitzenmanns" (Lindner über Brüderle).

"Sie können uns mit Dreck bewerfen"

Und Brüderle selbst? Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion ließ sich nichts anmerken. Er hielt eine typische Wahlkampf-Rede, in der er die rot-grünen Steuererhöhungspläne kritisierte und die "erfolgreiche" Arbeit der schwarz-gelben Bundesregierung verteidigte. Noch stärker als sonst nuschelte Brüderle in seiner pfälzischen Mundart. Nur indirekt ging er auf Kritik an seiner Person ein. Der FDP stünden im Wahljahr 2013 "harte Monate" bevor. Es gebe Kräfte in der Republik, die die FDP als "schwaches Glied" in der Koalition ausgemacht hätten. Doch die FDP müsse standhaft bleiben. "Sie können uns mit Dreck bewerfen, aber sie können uns unsere Überzeugung nicht nehmen", rief Brüderle und erntete langen Beifall von seinen Zuhörern.

Ex-Parteichef Westerwelle ging anschließend kurz ans Rednerpult, um Brüderle in Schutz zu nehmen. Der Außenminister forderte seine Partei zu Solidarität mit ihrem Frontmann auf. Für den Mann an der Spitze gebe es bei den politischen Konkurrenten und "in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr", sagte Westerwelle. Er erinnerte daran, dass er selbst zehn Jahre lang in der Spitzenposition Zielscheibe von viel Kritik gewesen war. "Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die sich kennen, Zerrbilder, die in Medien über Menschen verbreitet werden, nicht durchgehen lassen", schmetterte Westerwelle. Dies werde ein harter Wahlkampf, und es werde nicht das letzte Mal sein, dass politische Gegner und andere "ganz tief in den Schlamm greifen".

Lindner: "Keine Leihgäste von der CDU"


Christian Lindner, Landesvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen, spricht beim Neujahrsempfang der FDP in Düsseldorf
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FDP-Landeschef Lindner

Zum Auftakt hatte der FDP-Landesvorsitzende Lindner über die Leihstimmen-Vorwürfe gegen die Liberalen nach dem überraschend guten Abschneiden bei der Niedersachsen-Wahl gescherzt. Der Ex-Generalsekretär zeigte sich erfreut über den vollbesetzten Veranstaltungssaal in dem Düsseldorfer Luxushotel und betonte, es seien "keine Leihgäste von der CDU im Raum". Der 34-jährige Lindner gilt vielen in Politik und Medien als eigentliche Zukunftshoffnung der Freidemokraten. Doch in Düsseldorf überließ er weitgehend dem 67-jährigen Brüderle die Bühne. Lindner beschränkte sich in seiner Rede eher auf landespolitische Themen, rügte beispielsweise die Haushaltspolitik von Finanzminister Norbert Walter-Borjans.


Die Sexismus-Vorwürfe waren nur beim Smalltalk am Rande der FDP-Veranstaltung Thema. Während dieser vermeintliche Fall bei den Liberalen offiziell tabu war, ging die Debatte im Netz weiter. "Deutschland diskutiert #Aufschrei - #Brüderle schweigt sich aus. Auch irgendwie komisch", kritisierte der Grünen-Landesvorsitzende Sven Lehmann bei Twitter. Die FDP twitterte derweil die besten Sätze aus Brüderles Rede.

Stichworte

Candystorm

Ein Candystorm ist eine breite Zustimmungswelle gegenüber einer Person oder Institution, die sich im Internet durch viele positive Äußerungen und Kommentare zeigt. Somit ist ein Candystorm das Gegenteil des deutlich geläufigeren Shitstorms: Anstatt mit "Shit" wird der Adressat mit "Candy" (engl. für "Süßigkeiten") überhäuft. Geprägt hatte die Formulierung der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, nachdem seine Parteikollegin Claudia Roth im Internet breite Untersützung für eine erneute Kandidatur als Parteivorsitzende erfuhr.


Stand: 27.01.2013, 14.38 Uhr


Kommentare zum Thema (169)

letzter Kommentar: 31.01.2013, 16.25 Uhr

Anonym schrieb am 31.01.2013, 16.25 Uhr:
Hei das werden Wahlen SPD bei 20 % FDP bei 2 Grüne bei 10 Linke nur im Osten...
Kaufen wir bei den Wahlen der FDP weiterhin den Schneid ab. schrieb am 31.01.2013, 16.13 Uhr:
Das wars mit der FDP, Westerwelle nur noch Aussenminister, Rössler veschlissen, Brüderle ein Sexist, Koch-Mehrin Geschichte... Wo bleiben die Investoren, die in diese Spekulantenpartei investieren. Kaufen wir dem Westerwellle den Schneid ab und fegen wir diesen Verein aus dem Bundestag raus. Das ist der Preis für von Westerwelle einst skizzierte Arroganz und Dekadenz, die nun auf die Liberalen berechtigterweise selbst zurückfällt. Schön, wenn man Leute mit ihrer eigenen Argumentationskette schlagen kann. Wo bleiben eigentlichi die versprochenen Steuersenkungen von der FDP? Nicht ist passiert.. Also brauch ich die FDP, nicht zu wählen und hoffe, dass viele Bürgerinnen und Bürger, das gleiche tun.
Selten so gelacht schrieb am 31.01.2013, 15.45 Uhr:
wie ueber die Kommentare von"Kein! CDU-Wähler"(aber offensichtlich FDP fanboy).Daher auch nicht verstanden was mit L'État, c’est moi gemeint war.Warum bei ihm nun der Hinweis darauf erfolgte das dies ja keinesfalls von Ludwig XIV gesagt wurde zeigt nur auf wie FDP fanboys denken-einfach mal etwas bestreiten was ueberhaupt nicht geschrieben oder gesagt wurde.Man(n) koennte ja damit durchkommen.Bist schon ein lustiges Kerlchen.
"Kein! CDU-Wähler" schrieb am 31.01.2013, 11.11 Uhr:
@@Kein! CDU-Wähler schrieb heute, 09:01 Uhr: "... Das Frau Himmelreich KEIN Dirndel trug ist deiner verengten Wahrnehmung wohl ganz entgangen?Oder einfach Fanboy?Nur dies "Bruederle"traeumte sie sich da hinein.Frueher nannte man derartige Symptome bei aeltlichen Herren"Johannistrieb".Andererseits sind derartige Symptome in der Politikerkaste weit verbreitet und nicht nur auf die FDP beschraenkt.Liegt auch an der Einstellung:"L'État, c’est moi!" ...!" (Zitatende)! - Zu Ihrer "dutzfreudigen" Anmerkung im 1. Satz: Meine Meinung zum "Dirndl"! Wie die Assoziation von Brüderle zustande kam, ob durch zu enge oder offene Bluse ...?, entzieht doch wohl UNSERER Kenntnis!?! Apropos: Zitat Wikepedia:" Ludwig XIV. gilt als klassischer Vertreter des höfischen Absolutismus. Der Leitsatz des Absolutismus, L'État, c’est moi! – Der Staat bin ich!, wird ihm jedoch fälschlicherweise zugeschrieben." ... Die Gedanken sind frei ...! In diesem Sinne!!
@Kein! CDU-Wähler schrieb am 31.01.2013, 09.01 Uhr:
Das Frau Himmelreich KEIN Dirndel trug ist deiner verengten Wahrnehmung wohl ganz entgangen?Oder einfach Fanboy?Nur dies "Bruederle"traeumte sie sich da hinein.Frueher nannte man derartige Symptome bei aeltlichen Herren"Johannistrieb".Andererseits sind derartige Symptome in der Politikerkaste weit verbreitet und nicht nur auf die FDP beschraenkt.Liegt auch an der Einstellung:"L'État, c’est moi!"

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