Seltsamer Geruch in Köln und Umgebung Die #Maggikalypse von Köln

Die Feuerwehr in Köln hat den Grund für den "Maggi"-Geruch gefunden, der am Dienstagmorgen (11.06.2013) in der Stadt zu riechen war: Ein Brand in einem Neusser Chemiebetrieb, der Aromen für die Lebensmittelindustrie herstellt, rund 30 Km nördlich von Köln. Der freigesetzte Stoff soll nicht gesundheitsschädlich sein.


Taschentuch vor der Nase
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Um 3.15 Uhr am Dienstagmorgen (11.06.2013) sei ein Feuer in einem Chemiebetrieb in Neuss an der Grenze zu Dormagen ausgebrochen, teilte die Kölner Feuerwehr am Mittag zunächst mit. Später stellte die Betriebsleitung jedoch richtig: Gebrannt habe es nicht. Der Stoff sei bei einem Destillationsprozess mit einer heißen Oberfläche in Kontakt gekommen. Es habe eine Verdampfung gegeben, wodurch eine Löschanlage ausgelöst worden sei. Dabei wurde Sotolon freigesetzt - so heißt der Geruchsstoff, der auch in dem "Maggi-Kraut" Liebstöckl enthalten ist. Da zur Zeit des Feuers Nordwind geherrscht habe, sei die Geruchswolke rheinaufwärts Richtung Köln geweht worden. Sotolon ist laut Feuerwehrangaben nicht gesundheitsschädlich. Allerdings könnten menschliche Nasen empfindlich darauf reagieren.

Hersteller bedauert den Vorfall

Am Nachmittag teilte der Hersteller, die Hanke Aromastoff-Produktions GmbH (HAP) mit, dass im Rahmen eines Destillationsprozesses eine kleine Menge des Aromastoffes Sotolon ausgetreten und verdampft sei. Dadurch sei sofort eine Löschanlage ausgelöst worden, die einen Brand verhindert habe. Das Unternehmen betont: "Der Aromastoff Sotolon hat eine sehr niedrige Geruchswahrnehmungsschwellle und wird daher auch bei äußerst geringen Einsatzmengen als intensiv nach Curry und Liebstöckel oder Bockshornklee riechend wahrgenommen." Weiter heißt es in einer Presseerklärung: "HAP bedauert den Vorfall."

"Würzig" bis "ätzend"


Karte mit den roten und blauen Markierung
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Übersichtskarte zur Ausbreitung der Duftwolke

Tatsächlich rümpfte am Morgen halb Köln die Nase: Ein Geruch, den die einen als "würzig", die anderen als "ätzend" bezeichneten, hing über der Stadt und sorgte für Aufregung: Allein bei der Kölner Feuerwehr gingen über 120 Meldungen ein, wie ein Feuerwehr-Sprecher WDR.de mitteilte. Dazu kamen Dutzende weitere besorgte Anrufer bei der Stadt und der Polizei. Im Kölner Stadtteil Nippes klagte ein Mitarbeiter des Bürgeramtes über starke Übelkeit und musste mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Feuerwehr schickte Messfahrzeuge los, um Luftproben zu nehmen. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz, um die oberen Luftschichten zu erkunden: Zunächst ohne Erfolg. Auch aus Neuss, Leverkusen und Dormagen wurden Geruchsbelästigungen gemeldet. Viele Menschen fühlten sich an den Geruch von Suppenwürfeln erinnert, auf Twitter kursierte schnell der Hashtag "#maggikalypse", unter dem Sprüche, Witze und wilde Theorien verbreitet wurden.

Halb Köln schnüffelt - und was macht Neuss?

"Wir waren total überrascht", sagt Lothar Tetard von der Feuerwehr Neuss WDR.de. Aber nicht über den Gestank, sondern über die vielen Anrufe bei der Feuerwehr. Denn in Neuss selbst war nichts zu riechen! Tetard kann nur Vermutungen anstellen: "Ich nehme mal an, dass der Schornstein, über den der Stoff entwichen ist, so hoch ist, dass das über uns wegzog und in Köln runterkam." Die Neusser Feuerwehr war auch nicht im Einsatz, denn "das Schadensereignis war so gering, dass es durch eine Löschanlage schnell gelöscht werden konnte."

Maggi: "Wir haben nichts damit zu tun"

Wegen der Aufregung um den mysteriösen Geruch hatte man auch beim Maggi-Mutterkonzern Nestlé in Frankfurt die Geruchsmeldungen aus Köln genau verfolgt. "Wir haben aber nichts damit zu tun", so Firmensprecher Alexander Antonoff zu WDR.de. "Unsere Werke sind in Singen und in Lüdinghausen, das ist ja ein Stück von Köln entfernt. Dennoch haben wir vor Ort nachgefragt, ob es zu Unregelmäßigkeiten in der Produktion gekommen ist. Das war nicht der Fall." Als gelungene Werbeaktion, für die noch dazu kein Cent ausgegeben werden musste, will Antonoff die Geruchswolke über Köln nicht verstehen. "Uns ist zu wenig bekannt über Ursache und Hintergrund des Geruchs. Deshalb sind wir auch sehr vorsichtig mit Einschätzungen bezüglich irgendwelcher möglicher Effekte", so der Unternehmenssprecher.

Stichworte

Verdampfung

Eine Verdampfung ist der Übergang eines flüssigen Stoffs in den gasförmigen Aggregatszustand. Anders als bei einer Verdunstung liegt die Temperatur bei einer Verdampfung über dem Siedepunkt - ist also deutlich heißer.

Karte mit den roten und blauen Markierung Video Maggi Vox Populi Aktuelle Stunde vom 11.06.2013

Maggi Vox Populi


Stand: 12.06.2013, 09.30 Uhr


Kommentare zum Thema (57)

letzter Kommentar: 13.06.2013, 18.04 Uhr

subverthief schrieb am 13.06.2013, 18.04 Uhr:
Gelungene Werbeaktion von Nestlé. Über eine Million Deutsche angefixt.
Hannelore schrieb am 12.06.2013, 13.24 Uhr:
Gangolf schrieb am 12.06.2013, 12:09 Uhr: Wenn ein Minister nicht unterrichtet wurde, dann wußte er nichts davon, außer er schläft neben der Fabrik. Das wäre so, als wenn man ihnen vorwerfen würde, warum sie nicht die nsu-morde aufgehalten haben!!!! Sie verdienen wirklich Laumann und Konsorten.
Gangolf schrieb am 12.06.2013, 12.09 Uhr:
Was für ein Armutszeugnis für den zuständigen Minister Jäger. Da brennt es nachts in einer Gewürzfirma und die Feuerwehren der umliegenden Städte erfahren nichts davon und suchen mit einem umfangreichen Einsatz nach der Herkunft des Gestanks. Erst zur Mittagszeit wird die Ursache bekannt und die Bevölkerung informiert. Man muß sich fragen, wie denn wohl das Meldesystem in NRW funktioniert und gibt es überhaupt eins? Dieser Minister kann wohl nur Blitzmarathon. Er sollte vielleicht besser blitzartiger in solchen Fällen die Sicherheitskräfte und Bevölkerung informieren.
Iguana 2.0 schrieb am 11.06.2013, 22.01 Uhr:
Da gibt es doch bestimmt noch eine Sondersendung zu. Und alle Helden der Kochsendungen dürfen heute beim Themenabend der ARD gemeinsam in die Suppe würzen. Arte dokumentiert den Einfluss des Konsumgutes Fixbeutel auf die abendländische Kulturlandschaft. Und beim Beckmann dürfen dann noch alle Betroffenen zu Wort kommen. Bei den den privaten Sendeanstalten gibt es zwei Stunden Dauerwerbebefeuerung am Stück für Maggi. Filmabend ade. Na dann guten Appetit!
Neusser schrieb am 11.06.2013, 21.38 Uhr:
In der Berichterstattung kommen die Neusser Behörden (Stadt Neuss und Kreis Neuss) überhaupt nicht vor. Haben die den Vorfall nicht bemerkt bzw. nichts getan?

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