Microsoft Streetside ist online Still und (fast) heimlich

Von Dennis Horn

Ohne viel Lärm hat Microsoft seinen Panoramadienst Streetside gestartet - die Konkurrenz zu Google Street View. Die große Aufregung ist diesmal jedoch ausgeblieben: Bei Street View wollten noch mehr als dreimal so viele Deutsche ihr Haus verpixeln lassen.


Streetside-Wagen mit Kamera auf dem Dach
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Streetside fotografiert Straßenansichten

Online im 360°-Panorama durch Deutschlands Straßen wandern, die vorher von speziellen Kameraautos fotografiert worden sind - das geht jetzt auch in "Bing Maps", dem Kartendienst von Microsoft. Dafür sind Kameraautos Straßen in ganz Deutschland abgefahren. Bisher sind vor allem Städte in Süddeutschland online, darunter München, Augsburg und Nürnberg, die Region um Stuttgart oder das Rhein-Main-Gebiet. Außerdem sind ein paar Straßenzüge aus Berlin zu sehen - und auch auf die Region von Bottrop über Essen bis Velbert sowie Düsseldorf und Neuss sind erste Blicke möglich - hier sind bisher aber nur die wenigsten Straßen online.

Die großen Ängste waren unbegründet

Microsoft Streetside funktioniert exakt so wie der Konkurrent von Google: Als Nutzer suchen wir uns eine Straße, die wir entlang wandern möchten. Mit einem Klick auf ein kleines Männchen leuchten alle Straßen blau auf, die fotografiert sind. Danach ziehen wir das Männchen an die gewünschte Stelle - und schon finden wir uns im 360°-Panorama auf dieser Straße wieder.

Google hatte mit Street View den ersten großen Straßenbilderdienst in Deutschland an den Start gebracht - und damit das Sommerloch 2010 gefüllt. Einwohner und Datenschützer gingen reihenweise auf die Barrikaden: Menschen hatten sogar Angst, dass online plötzlich auch Livebilder zu sehen sind - geschossen von der Straße durchs Fenster in die eigene Wohnung. Andere sahen in dem Panoramadienst das perfekte Werkzeug für Verbrecher, die den nächsten Einbruch planen.

In Google Street View verpixelt - in Streetside klar zu sehen

Google hat auf die Protestwelle reagiert - und speziell für Deutschland eine Widerspruchsmöglichkeit eingerichtet. Wer sein Haus in Street View nicht sehen wollte, konnte noch vor Start einen Antrag auf Verpixelung stellen. Diese Möglichkeit haben rund 244.000 Menschen genutzt.

Auch Microsoft hat sich dem Druck der deutschen Datenschützer gebeugt und vorab ein Widerspruchsformular angeboten - bekam aber nur von rund 80.000 Menschen einen Antrag auf Verpixelung.

Der Effekt jetzt: Wer parallel Straßen in Google Street View und der neuen Microsoft-Konkurrenz Streetside entlang geht, sieht lauter Häuser, die im einen Dienst verpixelt, im anderen aber klar und deutlich zu sehen sind. Die ersten solcher Häuser sind schon nach wenigen Minuten zu finden.

Microsofts Taktik: bloß keine neue Hysterie

Die Taktik von Microsoft scheint klar: warten, bis der Sturm vorüber ist. Livebilder aus dem eigenen Wohnzimmer? Einbruchspläne per Street View? Blicke vom Nachbarn über die eigene Hecke? Passiert ist nichts davon. Die Aufregung um Panoramadienste hat sich gelegt - möglicherweise auch deshalb, weil sich die Ängste nicht bewahrheitet haben.

Zusätzlich scheint Microsoft den Start sehr behutsam anzugehen: still und heimlich an Weihnachten, die Straßen werden erst nach und nach freigeschaltet - daran könnte es auch liegen, dass die große und laute Negativpresse wie bei Google Street View ausbleibt. Abgesehen davon haben viele Menschen Google schon damals als Datenkraken empfunden - Microsoft hatte mit einem solchen Image nie zu kämpfen.

Die anderen Städte folgen 2012

Noch fehlen in Streetside viele Städte vor allem aus Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf und Neuss sind laut Microsoft seit kurzem fertig fotografiert; das Material von dort wird zurzeit aufbereitet. Zum Teil sind außerdem noch Kameraautos unterwegs: Bis zum Jahresende fahren sie in Köln, Dortmund, Mönchengladbach, Bergisch Gladbach sowie zwischen Rheinland und Ruhrgebiet. Die Fotos von hier folgen im nächsten Jahr.

Wer noch immer Einspruch einlegen und sein Haus im Netz nur verpixelt sehen möchte, kann das übrigens sowohl bei Street View als auch bei Microsoft noch immer tun. Was beide Dienste aber nicht anbieten: Die Verpixelung wieder zu entfernen. Einmal verpixelt, immer verpixelt. Google scheint die Datenschutzdiskussion in Deutschland zurzeit auch satt zu sein: Neue Kamerafahrten sind erst einmal nicht geplant.


Stand: 27.12.2011, 16.11 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 28.12.2011, 10:21 Uhr

Jan schrieb am 28.12.2011, 10:21 Uhr:
Daß die Fähigkeit zur Bedienung von PCs nicht zwangsläufig mit Intelligenz einhergeht, zeigt die Anwesenheit von unglaublich vielen Nix-Merkern im Internet. Die merken dann auch nicht, wenn es ihnen sozial an den Kragen geht. Mit bunten Bildchen und angeblich "bequemer Urlaubsplanung" lassen sie sich Stück für Stück ihre Freiheitsrechte wegnehmen. Und bedanken sich auch noch dafür. Das hat dann auch nichts mehr mit Bildung zu tun, sondern mit Lebenseinstellung. Vielleicht sollte man den Geschichtsunterricht an den Schulen besser ganz einstellen. Hat er doch in Bezug auf neue Kriege, die nun auch wieder von Deutschland ausgehen, nichts genutzt. Dann lieber "Konsumentenkunde", in denen z.B. die neuesten Apple-Produkte vorgestellt werden. Da können meine Vorschreiber auch lernen, wie man sein Haus und sein eigenes Konterfei möglichst raumfüllend ins Web setzt. Ich glaube mittlerweile nicht mehr, daß der Mensch zu Höherem berufen ist.
Mary schrieb am 28.12.2011, 10:11 Uhr:
Das Kartenmaterial von Streetside ist gegenüber Google aber ziemlich veraltet. Das Foto meines Wohnhauses im ländlichen Bereich ist vor 2001 entstanden. Bei Google Street View ist ein Foto aus 2009 hinterlegt.
Eman Rhi schrieb am 28.12.2011, 10:02 Uhr:
@ Jan: Soche Konzerne müssen zerschlagen werden? Natürlich! Alles verteufeln, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben. Ich bin mir sicher, dass du auch ein Microsoft-Betriebssystem auf deinem PC hast. Dann kannst du gleich auch deinen PC zerschlagen.
Anonym schrieb am 28.12.2011, 09:19 Uhr:
Die meisten Menschen kennen Google nur aus der Presse oder dem Fernsehen. Was das Unternehmen Google wirklich alles programmiert und welche Programme sonst noch von Google verfügbar sind davon haben die meisten überhaupt keine Ahnung, was ist denn passiert seit Streetview, gab es masseneinbrüche oder Spionageskandale ? Garnichts ist passiert, viel Show um nichts wie immer in Deutschland. Diese Welt ist schon verrückt, da bekommt Steve Jobs einen Grammy. Mircrosoft erhält eigentlich mehr Schelte als Lob für Windows obwohl ich pers. glaube das grade sich mit Windows seit Windows 3.11 alles im PC Bereich verändert hat und erst durch Windows selbst der PC und somit das Internet für viele Menschen erst zugänglich wurde. Mit Google verhält es sich ähnlich viele sehen in Google die Datenkrake, greifen aber selbst auf Suchmaschinen zurück wenn sie im Internet auf informationen zurückgreifen wollen. Ob man dann per Google sucht oder die Suchmaschine von einem anderen Anbieter nutzt ist egal.
pro StreetView schrieb am 28.12.2011, 07:54 Uhr:
@Alex: Ich habe bis heute in keinem Körperscanner gestanden und lehne die Dinger auch ab. Ebenso veröffentliche ich keinerlei Posts auf Facebook und Konsorten. Aber den ganzen Wirbel wegen StreetView habe ich nie verstanden. Für mich war das von Anfang an nichts anderes als Paranoia. Die meisten gaben doch als Grund für ihre Ablehnung die Sorge an, dass Einbrecher aus aller Welt ihre Grundstücke ausspionieren könnten. Dabei sind wahrscheinlich die aller meisten dieser Freaks für Einbrecher vollkommen uninteressant. Und das was Google so alles "treibt" finde ich zumindest zum größten Teil sogar sehr gut. Manche Leute regen sich ja sogar über personalisierte Werbung auf. Ich wäre froh, wenn ich NUR personalisierte Werbung bekäme und nicht Woche für Woche in meinem Briefkasten kiloweise irgendwelche Reklameblättchen vorfände, von denen ich ca 95 % ungelesen ins Altpapier werfe. Was da an Papier verschwendet wird, was da für Kosten entstehen, was das für Folgen für die Umwelt hat?

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