Römerlager in Olfen entdeckt Respekt für die Hobbyarchäologen

Bettina Tremmel war als Archäologin des LWL an den Ausgrabungen beteiligt. Im Gespräch mit WDR.de erklärt sie, dass die Wissenschaftler ohne die tatkräftige Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht auf den Sensationsfund gestoßen wären.


Eine Römerisches Militärlager ist bei einer Ausgrabung in Olfen gefunden worden.
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Die Ausgrabung in Olfen

WDR.de: Seit rund 100 Jahren wurde nach dem Römerlager in Olfen gesucht. Wer gab den entscheidenden Hinweis für die Entdeckung?

Bettina Tremmel: Die Entdeckung kam von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in diesem Areal nach vorgeschichtlichem Steingerät suchten. Dabei fanden sie Keramik und Münzen, die wir hier in der LWL-Archäologie als römische Keramik aus der Zeit des Augustus bestimmen konnten. Auslöser für den Fund waren also diese ehrenamtlichen Mitarbeiter.

WDR.de: Also, alle Achtung für die Kompetenz der engagierten Hobbyarchäologen?


Bettina Tremmel
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Bettina Tremmel, Archäologin des LWL

Tremmel: Ja, und vor allen Dingen auch für die Zeit, die sie investierten. Denn dieses Hobby kostet sehr viel Geduld, Engagement und Leidenschaft. Und gerade die Zeit könnten wir Archäologen gar nicht aufbringen. Darum sind wir dankbar für jeden ehrenamtlichen Mitarbeiter, der mit uns zusammen arbeitet. Sie leihen uns die Funde aus und benennen auch den Fundort detailliert. Dann können wir die Stücke bestimmen und dokumentieren. Danach bekommen sie die Funde natürlich zurück.

WDR.de: Das heißt, was man findet, darf man behalten?

Tremmel: Ja, in der Regel findet man ja ganz einfache Gegenstände: Bearbeitete Steine, Keramik, Metall, das keinen hohen Sachwert hat. Solche Funde dürfen die Finder behalten. Bei richtig wertvollen Gegenständen wird es komplizierter, aber das ist hier in Olfen nicht zu erwarten. Wir hatten ja mehrere Römerlager entlang der Lippe. Hier haben seit Jahrzehnten Ausgrabungen stattgefunden. Große Schatzfunde hat es nicht gegeben.

WDR.de: Das klingt nach der Stecknadelsuche im Heuhaufen.

Tremmel: Ja, das ist es auch. Aber natürlich suchen die Ehrenamtlichen nicht nur nach Römerlagern, sondern sie freuen sich auch über andere Funde wie zum Beispiel Siedlungsspuren früherer Epochen, wie der Steinzeit oder Bronzezeit.

WDR.de: Kann jeder, der Zeit und Interesse hat, losziehen und rumbuddeln?

Tremmel: Man muss sich vorher die Betretungsgenehmigung des Eigentümers holen, also bei einem Feld eine vom Bauern. Aber rumbuddeln darf man auf keinen Fall, dafür braucht man eine extra Grabungsgenehmigung. Nur ein oberflächliches Absammeln von Funden ist erlaubt, also das, was hochgeackert wird durch einen Pflug oder durch Regen aufgeschwemmt wird, darf abgesammelt werden.

WDR.de: Warum gibt es so viele Römerlager entlang der Lippe?

Tremmel: Man weiß aus Erfahrung, dass eine römische Infanterietruppe, also eine Fußtruppe, pro Tag ungefähr 18 Kilometer zurücklegen konnte. Das heißt alle 18 Kilometer mussten Stationen sein, wo sie sich niederlassen und verpflegt werden konnten. Inzwischen haben wir in Holsterhausen Lager, dann allerdings in Zwei-Tages-Märschen entfernt in Haltern und dann in Oberaden. Und weiter nach Osten müssen wir noch suchen.

WDR.de: Schlummern noch weitere Sensationen unter den westfälischen Äckern?

Tremmel: Wir hoffen, dass wir noch mehr finden! Und setzen dabei natürlich auch wieder auf die Hilfe der engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Das Interview führte Sabine Tenta.


Stand: 25.10.2011, 18.30 Uhr




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