18. März 1903 – Geburtstag des Zeichners Erich Ohser Der Vater von "Vater und Sohn"


Eine Frau geht am 21.09.2012 durch die neue Ausstellung "Gezeichnetes Leben - Lebendige Zeichnung" des Zeichners Erich Ohser in der Galerie e.o.Plauen in Plauen.
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"Vater und Sohn" in einer Ausstellung

Eigentlich darf Erich Ohser im nationalsozialistischen Deutschland nicht arbeiten. Die Machtübernahme Adolf Hitlers macht ihm das Überleben zur Qual. Da besinnt er sich auf seine Kindheitstage und findet mit dem Comicstrip "Vater und Sohn" unter dem Pseudonym e. o. plauen eine Publikationslücke: Der sympathisch-verspielte Glatzkopf mit Bart und sein wuschelköpfiger Sohn, die gemeinsam allerlei komische Alltagsabenteuer erleben, werden zum Publikumsrenner.

"Glücklich und gut"

Geboren wird Ohser am 18. März 1903 in der sächsischen Kleinstadt Untergettengrün in der Nähe von Plauen. Sein Vater ist Grenzbeamter und laut Aussage seines Sohnes "ein glücklicher und guter Mensch", und glücklich ist offenbar auch Ohsers Kindheit in einem "einsamen Grenzhaus im Walde". Schon in seiner Jugend entwickelt Ohser hier zeichnerisches Talent, absolviert aber auf Wunsch der Eltern zunächst eine Schlosserlehre, bevor er 1920 in Leipzig ein Kunststudium beginnt. Hier trifft er auf die Redakteure Erich Kästner und Erich Knauf, zu denen er Zeit seines Lebens eine innige Freundschaft pflegt und mit denen er Ende der 20er Jahre nach Berlin übersiedelt.

Beruflich wird der Zeichner vor allem mit den Illustrationen zu Kästners Gedichtband "Herz auf Taille" (1928) und durch Karikaturen von Nazigrößen wie Joseph Goebbels bekannt. Der lässt den Zeichner seither nicht mehr aus den Augen. 1930 heiratet Ohser seine Studienkollegin Marigard, ein Jahr später kommt sein Sohn Christian zur Welt. 1933 bekommt Ohser Goebbels' Hass zu spüren: Von einem Tag auf den anderen wird er mit Arbeitsverbot belegt. Mit Kästners Büchern fallen auch seine Zeichnungen der Bücherverbrennung zum Opfer. Trotzdem bleibt Ohser in Deutschland: Seine Heimat will er nicht verlassen.

Erhängt in seiner Zelle

1934 bekommt Ohser das Angebot, für die "Berliner Illustrierte Zeitung" eine Comicstrip-Serie zu entwickeln. So entsteht unter e.o. plauen (Erich Ohser aus Plauen) die Reihe "Vater und Sohn", die trotz ihrer der nationalsozialistischen Ideologie widersprechenden, sanften Pädagogik in Deutschland überaus beliebt wird. Sogar als Werbefiguren für das NS-Winterhilfswerk werden die Protagonisten eingesetzt.

Als "Vater und Sohn" nach drei Jahren ausläuft, ist Ohser gezwungen, Karikaturen für die NS-Zeitschrift "Das Reich" zu zeichnen, um dem KZ zu entgehen. Dann aber wird er im Frühjahr 1944 nach einem regimefeindlichen Gespräch mit seinem Freund Erich Knauf von einem Nachbarn denunziert und verhaftet. Goebbels persönlich ordnet an, Ohser vom Volksgerichthof des berüchtigten Richters Roland Freisler verurteilen zu lassen. In der Nacht vor Prozessbeginn erhängt sich Ohser in seiner Zelle.

Stand: 18.03.2013

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