8. März 1963 - In Syrien putscht das Militär Die Baath-Partei kommt an die Macht


Ehemaliger syrischer Präsident Hafis al-Assad im arabischen Institut in Paris (Archivfoto vom 17.7.1998)
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Fast 30 Jahre lang in Syrien an der Macht: Hafiz al-Assad

Kurz nach der Unabhängigkeit Syriens wird 1947 in der Hauptstadt Damaskus die Baath-Partei gegründet - die "Arabisch-sozialistische Partei der Wiedergeburt". Ihr Motto lautet: "Einheit, Freiheit, Sozialismus". Es geht um die Zusammenführung der einzelnen arabischen Länder zu einem Einheitsstaat, um die Unabhängigkeit von den Kolonialmächten und um eine islamische Variante des Sozialismus. Weitere Ableger der Baath-Partei entstehen später in Palästina, im Libanon und im Irak.

In Syrien ist die Baath-Partei in den 1950er Jahren zunächst kein Machtfaktor. Die Regierungen wechseln in schneller Folge. Als sich 1958 Syrien und Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik zusammenschließen, applaudieren zunächst auch die syrischen Baath-Anhänger. Als dann aber der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser die Syrer - aus deren Sicht - als Juniorpartner behandelt, zerbricht die Vereinigte Arabische Republik nach drei Jahren: 1961 putscht das syrische Militär und beendet die Einheit mit Ägypten - beteiligt daran ist ein Armeeoffizier und Baath-Mitglied namens Hafiz al-Assad.

Immer mehr eine Diktatur

Nach zwei weiteren unruhigen Jahren mischt sich das Militär am 8. März 1963 abermals in die Politik ein und verhilft der Baath-Partei zur Macht - auch diesmal ist Hafiz al-Assad dabei. In dieser Zeit beginnt dessen stetiger Aufstieg: Er wird Luftwaffenchef und drei Jahre später Verteidigungsminister. Innerhalb weniger Jahre schaltet er systematisch seine innerparteilichen Gegner aus. In den Schlüsselpositionen des Staates platziert er loyale Männer, die oft zu seiner Familie gehören. 1970 putscht er sich schließlich selbst an die Macht. Ein Jahr später wird Hafiz al-Assad mit 99 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Fast 30 Jahre lang wird er nun als Staats- und Parteichef regieren.

Ideologisch hält sich Syrien an die Sowjetunion und wird dafür mit Waffen versorgt. Auch das Verhältnis zur DDR ist gut: Viele Syrer studieren an den Hochschulen im Osten Deutschlands. Die Stasi hilft beim Aufbau eines Geheimdienstes. In den 1980er Jahren wird das Land immer mehr zu einer Diktatur: Jede Opposition wird unterdrückt, die Bevölkerung bespitzelt und eingeschüchtert. Eine dieser Oppositionsgruppen, eine besonders bedeutende Gruppe, ist ein Ableger der sunnitischen Muslimbruderschaft aus Ägypten. Die Assad-Familie gehört aber im Gegensatz zur Opposition zu einer schiitisch-islamischen Minderheit, den Alawiten.

Massaker an der eigenen Bevölkerung

Die faktische Herrschaft einer schiitischen Minderheit über die Sunniten stört die Muslimbruderschaft. 1980 verübt sie Anschläge, Hafiz al-Assad übersteht ein Attentat leicht verletzt. 1982 kommt es zu einem Aufstand in der mittelsyrischen Stadt Hama. Hafiz al-Assad ist empört: "Sie tun so, als wären sie Muslime, aber sie ziehen den Islam in den Dreck. Das sind Verbrechen unter dem Deckmantel des Islams." Der Präsident reagiert mit äußerster Härte. Er lässt die historische Altstadt von Hama bombardieren, zehntausende Menschen sterben.

Im Juni 2000 stirbt Hafiz al-Assad. Nachfolger als Präsident und an der Spitze der Baath-Partei wird sein Sohn Bashar. Er stützt sich weiter auf die Machtstrukturen seines Vaters. Die alten Ideale der Baath-Partei existieren nur noch auf dem Papier. Anfang 2011 erfasst die Protestwelle in Arabien auch Syrien. Die Bevölkerung geht - wie in Ägypten oder Tunesien - mit Forderungen nach Freiheit, Demokratie und Menschenwürde auf die Straße. Mit dabei sind auch die Islamisten. Das Regime bewegt sich nicht. Es kommt zum Bürgerkrieg, dessen Ausgang noch offen ist.

Stand: 08.03.2013

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