16. November 1982 - Christian Klar wird verhaftet "Katastrophaler Schlag" für die RAF


Polizeifoto des RAF-Mitglieds Christian Klar (kurz nach seiner Verhaftung am 16.11.1982 aufgenommen)
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Schweigt nach seiner Verhaftung: RAF-Mitglied Christian Klar

Der Zufall bringt die Sicherheitsbehörden auf die richtige Spur: Am 27. Oktober 1982 entdecken Pilzsucher im Stadtwald von Frankfurt am Main ein zentrales Depot der "Rote Armee Fraktion" (RAF). Dort finden die Fahnder unter anderem verschlüsselte Positionsbeschreibungen von 13 weiteren Erddepots, die im ganzen Bundesgebiet angelegt wurden. Am 31. Oktober 1982 gelingt es dem Bundeskriminalamt (BKA) die Codes zu knacken. Sämtliche Verstecke, die sich alle in Wäldern befinden, werden daraufhin überwacht. Kaum zwei Wochen später gehen der Anti-Terror-Einheit GSG 9 die beiden RAF-Mitglieder Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz ins Netz: Sie wollten sich in einem Wald bei Offenbach an einem Waffen-, Geld- und Ausweis-Depot eindecken.

Fünf Tage danach nähert sich im Sachsenwald bei Hamburg um die Mittagszeit ein Jogger einem Depot, dem die RAF die Tarnbezeichnung "Daphne" gegeben hat. Rund 350 Beamte liegen an diesem 16. November 1982 auf der Lauer. Noch bevor der Mann mit dem mitgebrachten kleinen Blumenspaten zu graben beginnen kann, wird er von zuvor in Erdlöchern versteckten Polizisten umringt. Der Unbekannte versucht nicht seine Waffe zu ziehen, sondern wirft sich sofort mit ausgebreiteten Armen zu Boden und lässt sich widerstandslos festnehmen. Obwohl der Festgenommene schweigt, ist bald klar, um wen es sich handelt: "Christian Klar, der als der führende Kopf der terroristischen Organisation 'Rote Armee Fraktion' gilt, ist gefasst", meldet die Tagesschau am Abend. Generalbundesanwalt Kurt Rebmann bezeichnet die Festnahme Klars als einen "geradezu katastrophalen Schlag" für die RAF.

Urteil aufgrund kollektiver Tatverantwortung

Damit endet für den damals 30-jährigen Klar das Leben im Untergrund. Der frühere Philosophie- und Politologiestudent aus Freiburg wurde seit 1976 bundesweit mit Fahndungsplakaten gesucht. Die Justiz wirft ihm vor, an verschiedenen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein: unter anderem an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977, am Mord von Bankier Jürgen Ponto im Juli 1977, am versuchten Raketenanschlag auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe im August 1977, an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977, an einem Banküberfall im November 1979 in Zürich und an einem Anschlag auf den Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Europa, Frederick J. Kroesen, im September 1981.

Gemeinsam mit Brigitte Mohnhaupt wird Klar im April 1985 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu jeweils fünf Mal lebenlanger Haft und zu einer zusätzlichen Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt - wegen neunfachen Mordes und elffachen Mordversuchs. Weil allerdings in vielen Fällen einer direkte Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte, ergeht das Urteil aufgrund kollektiver Tatverantwortung. 1992 wird er in einem zusätzlichen Verfahren wegen weiterer Anschläge erneut zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Entlassung nach 26 Jahren Haft

Im Mai 2007 lehnt Bundespräsident Horst Köhler - ohne Angabe von Gründen - ein Gnadengesuch Klars ab. "Offenbar hat der Bundespräsident keine Bereitschaft zur Distanzierung und Reue bei Christian Klar feststellen können", sagt der ARD-Journalist Ulrich Deppendorf in den Tagesthemen. Zuvor hat es in der Öffentlichkeit eine Kontroverse über den Umgang mit Klar gegeben. Der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel (FDP) vertritt damals die Meinung, es sei rechtlich und gesellschaftspolitisch "richtig, Menschen, die so lang gebüßt haben, wieder die Chance einzuräumen, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren".

Das Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet schließlich Ende November 2008, dass Klar nach Ablauf seiner Mindesthaftzeit von 26 Jahren zum 3. Januar 2009 entlassen werden soll. Die Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt, da die Richter keine Rückfallgefahr sehen. Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre. Weil er im Gefängnis gearbeitet und sich dadurch sogenannte Freistellungstage erworben hat, kann Klar das Gefängnis bereits kurz vor Weihnachten 2008 verlassen.

Stand: 16.11.2012

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