7. April 1922 – Klaus Havenstein wird geboren Märchenonkel und Kabarett-Star


Klaus Havenstein - Portrait aus dem Jahr 1979
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1950 kommt Olf Fischer vom Bayerischen Rundfunk zu Klaus Havenstein. "Haben Sie morgen Zeit?", habe der Regisseur ihn gefragt, wird sich Havenstein später erinnern. Als er bejaht, bittet ihn Fischer, sich am Vormittag des nächsten Tages ein Manuskript abzuholen: Drei Stunden später habe er, Havenstein, eine Livesendung mit Publikum.

Havenstein geht das Risiko ein - um sich in seiner Armut zu seinen zwei Unterhosen eine dritte leisten zu können, wie er sagt. Nach der Sendung bekommt er ein Kuvert mit 150 Mark Gage. "Und dann hab' ich so gotterbärmlich geheult", sagt Havenstein. "Ich konnte drei Monate Miete nachzahlen, ich konnte mir Unterhosen kaufen." Und dann habe er sich erst einmal satt "gefressen".

Soldat und Entertainer

Geboren wird Klaus Havenstein am 7. April 1922 in Wittenberge an der Elbe. Bald nach der Geburt zieht er mit seiner Familie nach Hamburg. Sein Vater ist Beamter bei der Bahn und plant eine ähnliche Karriere für seinen Sohn. Als der sich weigert, schickt er den 15-Jährigen zu einem Heringsverkäufer in die Lehre. In den letzten beiden Lehrjahren nimmt Havenstein heimlich Schauspielunterricht, schließt beide Ausbildungen ab – und bewirbt sich beim Theater. Bevor er seine Karriere allerdings starten kann, wird er 1939 zur Artillerie eingezogen.

Havenstein kommt zur Leibstandarte-SS Adolf Hitler. Er nimmt am Frankreich-Feldzug ebenso teil wie an der Besetzung Griechenlands und dem Einmarsch in die Sowjetunion. Zum Kriegsende gerät er in amerikanische Gefangenschaft, während der US-Soldaten sein Talent entdecken. Havenstein wird Conférencier einer Bigband und Entertainer: in einem Spezialcamp in Garmisch-Partenkirchen, wo er auch Theater spielt. In München wird er wegen seiner sonoren Stimme nach 1950 Märchensprecher des Bayerischen Rundfunks und spielt in Filmen wie "Die goldene Gans"  (1953) oder "Die Heinzelmännchen" (1956) mit.

90 Prozent Einschaltquote

1956 gehört Havenstein neben den Gründungsmitgliedern Sammy Drechsel und Dieter Hildebrandt zum Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Nach Anfangsschwierigkeiten identifiziert er sich mit dem Programm. Berühmt werden vor allem seine Parodien verschiedener deutscher Dialekte. Bereits ein Jahr nach der Gründung hat das Kabarett-Ensemble im Fernsehen Einschaltquoten von bis zu 90 Prozent.

1958 heiratet Havenstein seine große Liebe Marina, wird Vater von zwei Kindern und moderiert den Quizteil in der beliebten Kindersendung "Sport – Spiel – Spannung". Darüber hinaus leiht er dem Affenkönig "King Louie" in Walt Disneys "Dschungelbuch" (1967) die Stimme.

Nach dem Ende der Münchner Lach- und Schießgesellschaft 1972 hat Havenstein unter anderem Gastauftritte in beliebten TV-Serien wie "Der Kommissar". In "Rudis Tagesshow" von Rudi Carrell gehört er ab 1981 zum Stammpersonal. Havenstein stirbt 1998 kurz vor seinem 76. Geburtstag an einem Herzleiden.

Stand: 07.04.2012

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