17. September 2006 - Vor 40 Jahren: Raumpatrouille startet im WDR Science-Fiction aus dem Baumarkt

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 3000 neuer Zeitrechnung. Nationalstaaten gibt es nicht mehr. Die Menschheit haust in Planetenkolonien oder auf dem Meeresgrund. Feinde kommen aus dem All: lange, glitzernde Wesen in Ufos namens Frogs - "Feindliche Raumschiffe Ohne Galaktische Seriennummer". Ihnen stellt sich das schnelle Raumschiff Orion mit seiner internationalen Mannschaft unter Führung des aufmüpfigen Majors Cliff Allister McLane entgegen. Zur Entspannung tanzt die Crew später im "Starlight Casino " auf dem Meeresgrund einen bizarr choreographierten Modetanz. Am 17. September 1966 flimmert die erste Folge von "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion" über die irdischen Fernsehschirme. Dietmar Schönherr als McLane, Eva Pflug als Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk und Wolfgang Völz als Armierungsoffizier Mario de Monti zeigen den Betrachtern, was ihnen in der Zukunft blüht. Im Grunde ist es das, was sie ohnehin schon längst zu Hause haben, allerdings in anderer Verpackung oder anderer Funktion. Verbogene Schraubenschlüssel dienen als Weltraumwaffen, Joghurtbecher als Wandverkleidung. Gas gibt das Raumschiff mit einem Bügeleisen. Für einen gefährlichen Lichtsturm werfen Hilfskräfte ordinäre Reiskörner durch die endlichen Weiten des Studios.

Weltraumkampf mit der Geburtszange

Überhaupt verfahren die Macher bei der Entwicklung ihrer Spezialeffekte nach dem Do-it-yourself-Prinzip. Für die Luftblasen bei einem Unterwasserstart sorgen drei unter ein Bild der Orion geklebte Tabletten Alka Seltzer. Um die Effizienz eines "Omikronstrahlers" zu demonstrieren, werden dessen Strahlen im Nachhinein Bild für Bild mit der Rasierklinge ins Zelluloid eingeritzt. Roboter bestehen aus Holz oder Pappe und hängen an dünnen, später mühsam wegretuschierten Fäden. Als einer von ihnen gegen McLane kämpfen muss, schlüpft kurzerhand ein Schauspieler in den hohlen Leib. Ein branchenüblicher Eisportionierer wird zum linken Arm, der Überrest einer Geburtszange zum rechten. Die Science-Fiction aus dem Baumarkt verkauft sich blendend: Die insgesamt sieben, jeweils vom WDR, NDR, SWF oder Südfunk Stuttgart produzierten Schwarzweiß-Folgen haben Einschaltquoten bis zu 56 Prozent. 2003 kommt ein Zusammenschnitt der "Raumpatrouille" mit dem Untertitel "Rücksturz ins Kino" auf den Markt. Er demonstriert, dass aus dem Ernst der frühen Zukunftsjahre im deutschen Fernsehen inzwischen längst trashiger Kult geworden ist.  

Stand: 17.09.06



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