14. Mai 2006 - Vor 125 Jahren: Rudolph Karstadt eröffnet sein erstes Geschäft "Der Mensch soll nicht stolz sein"

1.000 Taler haben die Geschwister Sophie-Charlotte, Ernst und Rudolph Karstadt von ihrem Vater geliehen. Damit eröffnen sie am 14. Mai 1881, einem Samstag, in Wismar ein kleines "Tuch-, Manufaktur- und Confectionsgeschäft". Das besondere daran: Karstadts bieten feste Preise. Das kommt zunächst nicht gut an, denn die Leute sind Feilschen und Anschreiben gewohnt. Erst nach drei Jahren stellt sich der Erfolg ein. Da sind Rudolphs Geschwister schon enttäuscht ausgestiegen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts liegt Karstadts Motto "bar, aber billig" im Trend. Zur Jahrhundertwende gibt es in Norddeutschland schon 22 Karstadt-Filialen. Wie bei den Konkurrenten Tietz und Wertheim werden die Läden immer größer. 1912 eröffnet Karstadt sein erstes Großkaufhaus in Hamburg mit 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche für alle Artikel des Alltagsbedarfs. Der Erste Weltkrieg stoppt die Expansion nur kurz. Karstadt fusioniert mit dem westfälischen Warenhaus Althoff aus Dülmen und kauft Fabriken. Mit zum Teil selbst produzierten Waren auch für die breite Masse der Arbeiter beginnt in den Zwanziger Jahren die goldene Zeit der Kaufhäuser, die ihre Kunden auch mit ihrer elektrisch erleuchteten Architektur, mit Aufzügen und Fahrtreppen locken. Aber ausgerechnet auf dem Höhepunkt seines Erfolgs wird Rudolph Karstadt schmerzhaft an sein Lieblingslied erinnert, das er sich gern von seiner Schwester vorsingen ließ: "Der Mensch soll nicht stolz sein auf Glück und auf Geld. Es lenkt halt verschieden das Schicksal die Welt." 1929 eröffnet Karstadt in Berlin das damals modernste Warenhaus der Welt, ein Hochhaus, in dem 4.000 Verkäuferinnen auf 70.000 Quadratmetern arbeiten. Es gibt eine U-Bahnstation und ein Schwimmbad im Keller, einen Lkw-Aufzug und Restaurants für 900 Gäste. Doch kurz nach der Eröffnung beginnt die Weltwirtschaftskrise. Karstadt verliert jede dritte Filiale und sein gesamtes Vermögen. 1932 gibt der Firmengründer mit 76 Jahren seinen Vorstandsvorsitz auf. Am 19. Dezember 1944 stirbt Rudolpf Karstadt.

Die nach Essen umgezogene Karstadt AG erlebt in der Nachkriegszeit noch einmal ein Wirtschaftswunder und wird zum größten deutschen Warenhauskonzern. Aber sie verschläft schon in den 70er Jahren den Kampf mit der wachsenden Konkurrenz von Supermärkten, Billigdiscountern und Fachmärkten auf der grünen Wiese. Der Konzern verschuldet sich in immer neuen Übernahmen: Neckermann, Hertie, Quelle, Fitnessstudios, Kaffeehäuser. 2004 kommt der Crash: Bei vier Milliarden Euro Schulden müssen 25.000 Angestellte gehen. Alle kleineren Filialen werden verkauft oder geschlossen. Nur eine behält der Konzern, obwohl sie zu den Kleingeschäften gehört: die Gründungsfiliale in Wismar.

Stand: 14.05.06



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