Urheberrecht - Piraten legen Entwurf vor Piraten wollen Tauschbörsen legalisieren

Die NRW-Piraten haben am Freitag (21.09.2012) einen Entwurf für die Reform des Urheberrechts vorgelegt. Demnach sollen private Tauschbörsen legalisiert und die Rechte von Urhebern gestärkt werden. Auch soll der Weiterverkauf von digitalen Inhalten einfach ermöglicht werden.


Urheberrecht im Internet
Bild 1 vergrößern +

Piraten planen Reform des Urheberrechts

An dem am Freitag (21.09.2012) veröffentlichten Entwurf für eine Reform des Urheberrechts haben nach Angaben der Partei mehrere Mitglieder der NRW-Piraten unter Federführung des Landesvorstandsmitglieds Daniel Neumann gearbeitet. Angesichts der anhaltenden Kritik an den Piraten wegen ihrer Positionen zum Urheberrecht sei es notwendig gewesen, früher als geplant eine umfassende Reform der bisherigen Regelungen zu präsentieren, sagte Neumann.

Zentraler Punkt der Reform ist die Legalisierung privater, nicht kommerzieller Tauschbörsen im Internet. Es sei empirisch nicht nachweisbar, dass sich Tauschbörsen negativ auf den Verkauf von Werken auswirkten, heißt es in der Begründung zum Gesetzentwurf. "Daher soll der Zugriff auf Tauschbörsen nicht weiter kriminalisiert und im Umkehrschluss legalisiert werden", heißt es im Entwurf. Die Piraten wollen auch den Weiterverkauf von digitalen Inhalten ermöglichen. "Es macht in der heutigen Welt keinen Unterschied mehr, ob ein Buch aus Papier ist oder als Datei vorliegt", so die Piraten. "Einem Nutzer, der dafür gezahlt hat, muss es möglich sein, diese Datei weiter zu verkaufen, so wie das bei Büchern aus Papier auch möglich ist."

Mehr Rechte für Urheber


Die Dauer des Urheberrechts soll nach dem Willen der Piraten gesenkt werden - im Idealfall direkt auf den Zeitpunkt des Todes des Urhebers. So habe kein Urheber persönlich einen Nutzen davon, wenn sein Werk noch viele Jahrzehnte nach seinem Ableben geschützt sei. "Liegt der Sinn des Urheberrechts wirklich darin, den Urheber in seiner geistigen und persönlichen Beziehung zum Werk und in der Nutzung des Werkes zu schützen, soll das Urheberrecht im Regelfall mit dem Tod des Urhebers erlöschen und sein Werk gemeinfrei werden", so die Piraten in der Begründung ihres Entwurfes, in dem sie als Kompromiss nun einen Zeitraum von zehn Jahren nach dem Todestag vorschlagen.

Denn da bedauerlicherweise oft mit dem Todeszeitpunkt eines Urhebers ein größerer Erlös für seine Werke zu erwarten sei, "ist ein Aufschub von zehn Jahren nach dem Tod des Urhebers mehr als ausreichend für die Folgevermarktung seiner Werke und würde lediglich Familienangehörige oder direkt testamentarisch Bedachte begünstigen", so die Piraten. Nach aktueller Rechtslage können Werke erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers frei verwendet werden.

Außerdem haben die Piraten nach eigener Aussage vor allem eine Stärkung der Rechte von Urhebern im Sinn. Diese sollen mehr Kontrolle über ihre Werke erhalten, indem eine Trennung von Rechteverwertern wie etwa Verlagen spätestens nach zwei Jahrzehnten ermöglicht wird. Bisher können sich beispielsweise Verlage auch einen wesentlich längeren Nutzungszeitraum einräumen lassen.

Vetter: "zahlreiche Anpassungen an das digitale Zeitalter"

Für die Arbeit am neuen Entwurf des Urheberrechts hat Daniel Neumann nach eigenen Angaben mit befreundeten Labelbesitzern, Musikern, Autoren, Nutzern und Konsumenten gesprochen. "Ich versuchte, deren Eindrücke und Probleme aufzugreifen und in einen Gesetzentwurf für ein modernes Urheberrecht einfließen zu lassen", so Neumann. Außerdem hätten mehrere Anwälte den Entwurf in Auszügen oder vollständig geprüft und Verbesserungen einfließen lassen. Einer der Anwälte ist der Dortmunder Anwalt Udo Vetter, selbst Mitglied der Piratenpartei.


Udo Vetter RA und Fachanwalt für Strafrecht

Anwalt Udo Vetter ist auch ein Pirat

Vetter bezeichnete die Legalisierung privater, nichtkommerzieller Tauschbörsen als zentralen Punkt der Reform. "Filesharing ist gesellschaftliche Realität. Aktuelle Studien belegen, dass die absolute Mehrheit junger Menschen den Tausch digitaler Inhalte als selbstverständliches Recht betrachtet. Es ist unmöglich, auf lange Sicht Verbote beizubehalten, welche nicht mehr dem gesellschaftlichen Konsens entsprechen", so Vetter. Der neue Entwurf enthalte zahlreiche Anpassungen an das digitale Zeitalter. So sei es nicht mehr nachvollziehbar, "dass Lehrer heute nicht mal einen Liedtext oder ein Buchkapitel für ihren Unterricht kopieren können, ohne mit dem Urheberrecht in Konflikt zu geraten", so Vetter.


Stand: 21.09.2012, 17.59 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 26.09.2012, 12:00 Uhr

Horst schrieb am 26.09.2012, 12:00 Uhr:
Wer nutzt denn Heutzutage überhaupt noch Tauschbörsen? Inzwischen dürfte ja schon jeder Internetbenutzer ne Abmahnung erhalten haben das doch zu unterlassen....
Hans schrieb am 23.09.2012, 09:14 Uhr:
Geistig kreativ... Jaja, die sollen es einfach mal mit richtiger Arbeit versuchen! Das macht frei! ;-)
JKS schrieb am 23.09.2012, 09:14 Uhr:
Das sind nun mal die Möglichkeiten unserer Technik, damit müssen wir leben.
Anonym schrieb am 22.09.2012, 22:11 Uhr:
Zitat: "Aktuelle Studien belegen, dass die absolute Mehrheit junger Menschen den Tausch digitaler Inhalte als selbstverständliches Recht betrachtet. Es ist unmöglich, auf lange Sicht Verbote beizubehalten, welche nicht mehr dem gesellschaftlichen Konsens entsprechen" Nur weil ich etwas eingebürgert hat, heißt es nicht, daß es richtig ist. Sollte es erst einmal legalisiert sein, würden viel mehr Menschen als heute nur noch über File-Sharing-Systeme konsumieren. Sobald also eine hand voll Datenträger im Umlauf ist, ist Schluß den Einnahmen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der geistig kreativ arbeitenden Menschen und wird relativ schnell dazu führen ganze Angebot wegbrechen werden. Insbesondere Menschen die von der Erstellung und nicht der Aufführung solcher Werke leben, wäre das bitter. Und ich denke, daß auch viele Konsumenten lieber Geld für hochwertige Produkte bezahlen, als minderwertige Produkte für lau zu bekommen. Und die hochwertigen Produkte werden verschwinden.
Oliver schrieb am 22.09.2012, 11:56 Uhr:
Super Entwurf! Sollte zügig umgesetzt werden. Endlich mal was gescheites aus der Politik, auch wenn jetzt hier wieder ein paar "Alleswisser" den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören. Wieso sind eigentlich alle grossen Stars Multimillionäre oder wenigstens hochbezahlt? Wenn einer mit seinen "Geistigen Werk" nichts verdient, dann doch nicht weil kopiert wird, sondern weil sein Werk Mist ist und es keinen interessiert!

Alle Kommentare anzeigen