Social Media und das Urheberrecht Wenn das Teilen teuer wird

Von Insa Moog

Fotos, Videos, Texte: Das Teilen macht die sozialen Netzwerke für die Nutzer besonders attraktiv. Was dabei oft vergessen wird: Wer Daten teilt, kann schnell Urheberrechte verletzen. Die wichtigsten Tipps, um Abmahnungen und Schadensersatzansprüche zu vermeiden.


Jedes Facebook-Profil ist durchschnittlich 14.000 Euro an Abmahngebühren wert. Das jedenfalls hat ein Anwaltskollege von Udo Vetter nach der Prüfung von rund 100 Nutzerprofilen einmal überschlagen. "Die Summe bezieht sich auf offensichtliche Rechtsverletzungen. Das beginnt damit, wenn Nutzer etwa Fotos von Online-Nachrichtenmedien kopieren und dann bei Facebook hochladen", erklärt Vetter, selbst Blogger, Strafverteidiger und Lehrbeauftragter für Medienrecht an der Fachhochschule Düsseldorf.

Vorsicht beim Teilen von "Witzbildern"


Zu einer Abmahnwelle führen nach Vetters Beobachtung derzeit besonders "Witzbilder", die bei Facebook eine rasende Verbreitung finden. Aktuelles Beispiel: Auf dem Bild ist ein Mann von hinten zu sehen, der durch einen Park geht. Auf dem Fahrrad kommt ihm eine Frau entgegen - oben ohne. Dazu der Kommentar: "Made my day" (auf Deutsch etwa: "Hat meinen Tag gerettet"). "Das Bild ist hunderttausend Mal verbreitet worden. Es stammte aber von einem professionellen Fotografen", und der, so Vetter, ließe nun jeden Einzelnen akribisch abmahnen. "Der Eindruck 'das habe ich doch schon bei so vielen gesehen' führt bei manchen Usern dazu, Bilder ohne nachzudenken weiter zu verbreiten." Ein Fehler. Für die erstmalige Abmahnung bei einem Urheberrechtsverstoß im privaten Bereich dürfen maximal 100 Euro verlangt werden. Die Höhe von Schadensersatzansprüchen ist allerdings nicht gedeckelt. Und die Möglichkeiten, im Netz eine Urheberrechtsverletzung zu begehen, sind vielfältig.

Fotos: Ist der Rechteinhaber einverstanden?


Udo Vetter RA und Fachanwalt für Strafrecht
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Rechtsanwalt Udo Vetter

Wer ein Foto über Facebook veröffentlicht, sollte immer wissen, wer Rechteinhaber ist und ob der- oder diejenige damit einverstanden ist. Ob Profi-, Hobby- oder Amateurbild - Fotos sind immer geschützt, die Qualität spielt dabei keine Rolle. "Sie treten an Facebook die Rechte ab, aber nicht die Risiken," so Vetter. "Für das, was Sie selbst einstellen, haften Sie auch." Der Anwalt warnt daher vor der Verwendung von Fotos von Bilderportalen, auf denen Hobbyfotografen ihre Fotos zur freien Veröffentlichung zur Verfügung stellen - wenn sie als Quelle genannt werden. "Werden diese Fotos genutzt, ohne den Urheber zu nennen, können die Fotografen zur Kasse bitten. Bauernfängerei, mit der findige Fotografen sich etwas dazu verdienen." Gleiches gelte bei der Verwendung von Wikipedia-Bildern. Auch wenn diese in der Regel unter Creative Commons-Lizenz stehen, müsse genau geprüft werden, unter welchen Bedingungen sie erneut veröffentlicht werden dürfen.

Abmahnung: Immer erst Anwalt konsultieren

Für Schlagzeilen sorgte kürzlich der Fall, bei dem erstmals ein Facebook-Mitglied abgemahnt wurde, weil ein Freund auf seiner Pinnwand ein urheberrechtlich geschütztes Foto von einer Quietscheente gepostet hatte. "Ich halte diese Abmahnung für unbegründet", sagt Vetter. "Wenn unter einem Blog jemand kommentiert und etwa einen fremden Artikel postet, kann der Blogbetreiber dafür auch nicht unmittelbar haftbar gemacht werden." Stattdessen könne der Rechteinhaber den Blogbetreiber förmlich über Urheberrechtsverletzung informieren. Der Blogbetreiber müsse dann unverzüglich und innerhalb der "Beseitigungsfrist" reagieren. Ohne diese "In-Kenntnis-Setzung" haften Seitenbetreiber für die Inhalte Dritter nicht ("Forenhaftung"). Viel Rauch um nichts im Fall um das Badeenten-Bild auf der Facebook-Pinnwand, urteilt Udo Vetter. Wer eine Abmahnung erhält, so rät der Jurist, solle diese auch aus einem weiteren Grund immer erst einem Anwalt vorlegen: Oft seien die Forderungen überzogen.

Fotos: Persönlichkeitsrechte achten


Junge Frau benutzt Notebook unterwegs
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(Mit)teilen: Fremde Rechte verletzt?

Beim Teilen von Fotos können aber nicht nur Urheber-, sondern auch Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Beispiel Partyfotos oder Fotos von Personen in privaten Räumen: Diese Bilder dürfen ohne die Zustimmung der darauf gezeigten Personen nicht veröffentlicht und bei Facebook oder Google+ hochgeladen werden. Das Recht am eigenen Bild geht vor - selbst wenn die Partygäste mitbekommen haben, dass sie fotografiert werden. "Das ist keine schlüssige Einverständniserklärung für eine Veröffentlichung", erklärt Udo Vetter. Einzige Ausnahme: Personen, die in der Öffentlichkeit als Teil einer großen Gruppe fotografiert werden. In dem Fall gilt die so genannte "Panoramafreiheit". "

Wenn eine Person A, die ein Bild von Person B ins Netz stellt, ohne dass Person B zugestimmt hat und Person C wiederum das Bild in seinem Netzwerk teilt, begeht wie Person A eine Urheber- bzw. Persönlichkeitsrechtsverletzung. Denn ein Foto erneut zu teilen, ist gleichbedeutend damit, eine Kopie anzufertigen und diese zu verbreiten. Auf welcher Plattform es veröffentlicht wird, spielt dabei keine Rolle mehr: Netz ist Netz.

Privatsphäreeinstellungen: Verbreitung aktiv einschränken

Mithilfe der Privatsphäreeinstellungen ist es möglich, bestimmte Inhalte nur mit einem ausgesuchten Teil der Facebook-/ bzw. Google+ Kontakte zu teilen. So kann ein Foto oder Beitrag nur einem kleinen, bestimmbaren und eng verbundenen Personenkreis zugänglich gemacht werden. Diese Personen können den Beitrag innerhalb von Facebook zwar selbst teilen, er wird aber nur für den ursprünglich adressierten Kreis sichtbar sein bzw. für die Freunde, die beide Postenden gemeinsam haben. Bei Google+ können Beiträge vorab oder nachträglich für das weitere Teilen gesperrt werden. Kann ein Foto-Post, das etwa mit weniger als zehn Personen geteilt wurde, auch als Urheberrechtsverstoß ausgelegt werden? Das sei noch nicht unbedingt eine "Verbreitung" und falle dadurch durchaus noch unter "Privatkopie", so Vetter. "Allerdings gibt es zu diesem Punkt naturgemäß wenig Rechtsprechung, so dass Gerichte - wie immer - auch anders entscheiden könnten."

Videos: Verlinken oder über einen Player


Fremde Youtube-Videos über eingebettete Player (auch: Frames) bei Facebook oder Google+ zu teilen, ist bekanntlich unproblematisch. Nicht erlaubt ist, Videos zu kopieren und in einem anderen Kontext wieder hochzuladen. Youtube ist selbst nicht verpflichtet, von Usern hochgeladene Videos vorab auf mögliche Urheberrechtsverletzungen zu kontrollieren. Das hat kürzlich das Hamburger Landgericht im Gema-Streit bestätigt. Videos, die bei Youtube verfügbar sind, können wie beschrieben geteilt werden. "Man kann sich auf das plattform-eigene Überwachungssystem verlassen. Videos, die Urheberrechte verletzen, verschwinden schnell wieder aus dem Angebot. Wenn es bei Youtube durchgeht, kann man User nicht haftbar machen", kommentiert Vetter.

Verlinkungen: Abwägungssache

Schwieriger ist die Situation bei Verlinkungen. Der einfache Link auf einen fremden Inhalt ist nicht strafbar. Wird in Beschreibung, Link- oder Antext aber hinreichend beschrieben, was sich hinter der Url verbirgt, kann dies juristisch anders ausgelegt werden: Wer sich im Beschreibungstext kritisch äußert und distanziert, macht sich den verlinkten Fremd-Content nicht zu eigen. Wer lobend darauf hinweist, hingegen schon. "Immer eine Frage des Einzelfalls", betont Jurist Udo Vetter.

Textzitate: Nur im Rahmen des Zitatrechts

Die Wiedergabe fremder Texte ist nur im Rahmen des Zitatrechts erlaubt. Ein komplett abfotografierter Zeitungsartikel ist ebenso wie ein komplett kopierter und neu veröffentlichter Fremdtext eine Urheberrechtsverletzung. Ganze Texte dürfen nach dem Zitatrecht nur dann komplett zitiert werden, "wenn eine eigene inhaltliche Auseinandersetzung stattfindet", erklärt Udo Vetter. Das wäre der Fall, wenn jeweils einzelne Abschnitte zitiert und direkt im Anschluss kommentiert würden. "Gibt es diese Auseinandersetzung nicht, muss man mit Unterlassungsansprüchen oder Schadensersatzforderungen der Urheber rechnen. Noch teurer werde es, wenn der tatsächliche Urheber bei einer Fremdveröffentlichung nicht mal genannt wurde.

Twitter: Kaum Rechtsverstöße möglich


Twitter auf einem Mobiltelefon nutzen
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Kaum Rechtsverstöße in 140 Zeichen

Und Twitter? Mit 140 Zeichen Urheberrecht an Texten zu verletzen ist schwierig. Möglich ist das aus Sicht von Jurist Vetter eigentlich nur, wenn in einem Tweet etwa ein Aphorismus, ein feingeistiger Sinnspruch, eines (prominenten) Autors zitiert werde. "Zum Beispiel ein Zitat des Komikers Karl Valentin. Seine Erben verfolgen das und verlangen dafür Geld." Es reiche auch nicht aus, den Verfasser in Klammern hinter das Zitat zu schreiben. Andere Urheberrechtsverletzungen seien bei Twitter kaum möglich.

Stichworte

Creative Commons

Creative Commons ist ein alternatives Urheberrechtssystem, das es sowohl Konsumenten als auch Urhebern leichter machen soll, Werke zu nutzen. Bislang hatte der Urheber nach dem Urhebergesetz nur die Wahl, das Werk entweder komplett freizugeben oder mit dem Vermerk "Alle Rechte vorbehalten" komplett zu schützen. Bei Creative Commons ist das anders: In sechs Standardverträgen legt der Urheber fest, wie sein Werk genutzt werden darf und welche Einschränkungen er mit dem Werk verbindet. Es gibt folgende Möglichkeiten:

Namensnennung

Der Nutzer darf das Werk und dessen Inhalt vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen. Es ist ebenfalls erlaubt, das Werk zu verändern und kommerziell nutzen. Einzige Einschränkung: Der Name des Urhebers muss genannt werden.

Namensnennung – Keine Bearbeitung

Der Nutzer darf das Werk und dessen Inhalt vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen. Er darf es auch kommerziell zu nutzen. Einschränkung: Der Name des Urhebers muss genannt werden und das Werk darf nicht verändert werden.

Namensnennung – nicht kommerziell

Werk und Inhalt dürfen vervielfältigt und geändert werden. Dafür muss der Name des Urhebers genannt werden. Die kommerzielle Nutzung ist untersagt.

Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung

Werk und Inhalt dürfen vervielfältigt werden. Dafür muss der Name des Urhebers genannt werden. Untersagt sind die kommerzielle Nutzung und das Verändern des Werks.

Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Das Werk darf vervielfältigt, verändert und verbreitet werden. Die kommerzielle Nutzung ist verboten. Zudem bedeutet "Weitergabe unter gleichen Bedingungen", dass ein neues Werk, das unter Benutzung des geschützten entstanden ist, nur mit Lizenzbedingungen weitergegeben wird, die denen des Ursprungswerks entsprechen.

Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Veröffentlichen, verbreiten, vervielfältigen und sogar verändern sind ebenso erlaubt wie die kommerzielle Nutzung. Voraussetzung ist allerdings, dass der Name des Urhebers genannt wird und das neue Werk unter den "gleichen Bedingungen" weitergegeben wird.


Stand: 07.05.2012, 00.01 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 08.05.2012, 22.00 Uhr

Danke schrieb am 08.05.2012, 22.00 Uhr:
Ich bin froh, dass es diese Rechte und Gesetze gibt, auch wenn ich "nur" Hobbyfotograf bin. Dennoch würde ich es nicht ok finden, wenn jemand Bilder von mir ohne Absprache und Urheberinformationen veröffentlichen würde. Wenn man irgendwo Bilder hochläd (Bilderdatenbank, Foren etc.) gibt es immer irgendwo die Möglichkeit Kontakt mit dem Urheber aufzunehmen. Was ist daran so schwer den Urheber zu fragen, ob er damit einverstanden ist, dass Bild unter Angabe vom Urheber bei xy zu veröffentlichen?! Sehe das nicht als Abzocke. Schließlich steckt da nicht nur Arbeit hinter, sondern auch das Prinzip wie man mit Produkten umgeht, die nicht von einem selber stammen. Die Aufklärung in diesem Bereich ist ja nicht nur in den Medien gegeben, sondern seit einigen Jahren auch in der Schule. Wer nicht lernen will, muss halt fühlen.
Maria schrieb am 08.05.2012, 13.30 Uhr:
Bisher war's mir egal, aber ich bin gerade abgemahnt worden: EUR 340,-- dafür, dass ich ein Pixelio-Bild verwendet habe und nur Pixelio, aber nicht den Namen des Fotografen draufgeschrieben hatte :( Also - in Zukunft bin ich geheilt und meide vorallem Bilddatenbanken. Die Abmahnung war eindeutig standardisiert und der Typ hat daraus einen schönen Nebenverdienst gemacht. Reine Abzocke! Der hat seine Fotos auch nur deshalb draufgestellt!
domstaedter schrieb am 08.05.2012, 09.59 Uhr:
Sänger, Künstler, Autoren etc. - man giert doch regelrecht danach, über den Weg ins Internet und eine große Verbreitung von "Werken" den eigenen Bekanntsheitgrad und dadurch seinen Marktwert zu steigern. Wer auf Facebook oder in Foren besprochen wird, fühlt sich doch bereits geadelt... Das überholte Urheberrecht bewirkt genau das Gegenteil und ist kontraproduktiv - es schützt die "Schaffenden" vor sich selbst - ob die das wohl so erkennen und wollen? Wenn ja, sollten sie ihre Person und ihre "Inhalte" einfach aus der Netzplattform raushalten, dann gibt es für Kopieren und Verbreiten keine Möglichkeit mehr. Alllerdings bringt das auf Facebook auch kein "Like" ein...:-) Achja, dieser Beitrag von mir darf völlig frei kopiert und verbreitet werden***
Siegfried schrieb am 08.05.2012, 07.37 Uhr:
Das Urheberrecht gehört so reformiert, dass die Menschen nicht für harmloses teilen ohne jedwede Gewinnerzielungsabsicht kriminalisiert werden. Und dementsprechend auch keinerlei zivilrechtlichen Ansprüche mehr drohen, außer in Fällen, in denen halt eben eine Gewinnerzielungsabsicht besteht.
Hmm schrieb am 07.05.2012, 16.31 Uhr:
Alles nur Geldmacherei und Abzocke. Wenn es die Gesetze nicht gäbe, wären unzählige Anwälte wahrscheinlich längst verhungert.

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