Zwei Jahre nach dem Unglück Zähe Ermittlungen

Fast zwei Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist die Ursache noch lange nicht geklärt. Im Sommer soll mit dem Bau eines Besichtigungsbauwerks begonnen werden, um Gutachtern eine Untersuchung der Schlitzwand zu ermöglichen.


Bauarbeiten an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs
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Die Einsturzstelle zwei Jahre nach dem Unglück

"Die Ursachenforschung hat sich als äußerst kompliziert herausgestellt", heißt es in einem am Montag (28.02.2011) herausgegebenen Sachstandsbericht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Immerhin gibt es jetzt einen Zeitplan für die genauere Erkundung der Einsturzstelle. Im August 2011 soll mit der Errichtung eines Besichtigungsbauwerks am Einsturzort begonnnen werden. Bis es Erkenntnisse aus der Tiefe geben wird - dort könnte durch eine defekte Schlitzwand Grundwasser eingedrungen sein - dauert es dann aber noch einmal mindestens ein Jahr, glauben die KVB.

Taucher sollen filmen

Bei dem Besichtigungsbauwerk handelt es sich um einen Schacht, der rund 33 Meter in die Tiefe gehen soll. Er wird in der wassergefüllten Grube errichtet, in der zur Zeit noch nach rund fünf Prozent der Archivalien gesucht wird. Taucher sollen anschließend hinabtauchen und die Schlitzwand untersuchen. Das Wasser darin soll so gereinigt werden, dass Filmaufnahmen angefertigt werden können.

Baugrube beim Kölner U-Bahn-Bau Video WDR aktuell 18.10.2011 16:00:00 (01:23 Min.)

WDR aktuell 18.10.2011 16:00:00

Bauwerk könnte erweitert werden

Die KVB hoffen, dass die Gutachter sich durch dieses Bauwerk einen ausreichenden Überblick über die Situation in der Tiefe verschaffen können. Sollte das nicht der Fall sein, könnte das Besichtigungsbauwerk in einer zweiten Stufe erweitert werden. Dann könnte die vermutete Schadstelle mit Druckluft vom Grundwasser befreit werden und den Gutachtern so einen besseren Zugriff gewähren.

Baugrube beim Kölner U-Bahn-Bau Video Zwei Jahre nach dem Stadtarchiv-Einsturz - Überblick (02:27 Min.)

Zwei Jahre nach dem Stadtarchiv-Einsturz - Überblick

Rund eine Milliarde Euro Gesamtkosten

Allein die erste Ausbaustufe des Bauwerks wird laut KVB mehrer Millionen Euro kosten. Die Gesamtkosten, die durch den Einsturz des Stadtarchivs entstanden sind, schätzen die Beteiligten mittlerweile auf rund eine Milliarde Euro. Das Unglück hat das Stadtbahn-Projekt massiv zurückgeworfen, räumte KVB-Chef Jürgen Fenske ein. Derzeit sei noch nicht absehbar, wann die neue Verbindung unter dem Süden von Köln ihren Betrieb aufnehmen kann.

Stichworte

Stichwort: Schlitzwand

Schlitzwände sind im Erdreich betonierte Wände. Mit ihnen werden tiefe Baugruben gesichert. Zunächst wird dazu mit so genannten Schlitzwandgreifern oder Schlitzwandfräsen ein Schlitz im Boden ausgehoben. Diese Schlitze werden nur bis zu einer gewissen Breite einzeln gegraben. Ein solcher Schlitz wird Lamelle genannt. Mehrere fertige Lamellen ergeben aneinander gereiht zum Schluss die betonierte Schlitzwand.

Zur jeweiligen Stabilisierung einer Lamelle wird während des Aushebens zugleich eine stützende Betonsuspension (Bentonit und Wasser) in diesen Hohlraum gepumpt. Soll die Baugrube gegen seitlich drängendes Grundwasser gesichert werden, muss der Schlitz so tief ins Erdreich geführt werden, bis eine wassersperrende Bodenschicht (zum Beispiel Ton) erreicht wird. Hat der Schlitz die notwendige Tiefe erreicht, werden in die Lamelle so genannte Bewehrungskörbe - zwei äußere Stahlgitter, die miteinander durch Stahlbügel zusammengehalten werden - eingelassen. Danach wird von unten durch einen Schlauch Beton in die Lamelle gepumpt, der die Stützflüssigkeit Stück für Stück nach oben verdrängt und ersetzt. Ist die Arbeit an einer Lamelle beendet, kann mit der nächsten Lamelle begonnen werden.


Stand: 28.02.2011, 18.21 Uhr