Abwahlverfahren in Duisburg erfolgreich: Sauerland muss gehen
Die Duisburger Bürger haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt. Bei dem Abwahlverfahren stimmte am Sonntag (12.02.2012) eine Mehrheit gegen den umstrittenen Politiker. Sauerland steht seit der Loveparade-Katastrophe im Jahr 2010 in der Kritik.
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Jubel beim Sprecher der Bürgerinitiative, Theo Steegmann (Fotostrecke 1)
Videos und Audio
- Der Wahlleiter gibt das Ergebnis bekannt [Mediathek]
- Duisburg hat gewählt [Mediathek]
- Audio: Erfolgreiche Abwahl [WDR 2] Doro Blome-Müller / Sven Pistor, WDR 2 am Sonntag mit Liga Live
Stadtdirektor Peter Greulich, der das vorläufige amtliche Endergebnis am Sonntagabend (12.02.2012) um 19.36 Uhr im Rathaus verkündet, kommt mit seiner Bekanntgabe nicht weit. Als er die Zahl der gültigen Ja-Stimmen vorliest, geht der Rest seiner Rede im Jubel unter. Über 129.800 Wähler haben bei dem Bürgerentscheid gegen Adolf Sauerland gestimmt. Das waren deutlich mehr als die erforderlichen gut 91.000. Für einen Verbleib Sauerlands im Amt sprachen sich rund 21.500 Wähler aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6 Prozent.
Hintergründe
Die Mitglieder von "Neuanfang für Duisburg" liegen sich lachend und weinend vor Glück in den Armen. Der Sprecher der Abwahlinitiative, Theo Steegmann, spricht von einem eindeutigen Ergebnis der Abstimmung. "Damit kommt der politische Frieden in die Stadt zurück", sagt er im WDR Fernsehen. Sein Mitstreiter Helmut Herbst hofft, dass sich die Parteien bei der Neuwahl auf einen überparteilichen Bürgermeisterkandidaten einigen können.
Reaktionen aus der Politik

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Jäger kommt ins Duisburger Rathaus
Innenminister Ralf Jäger (SPD) kann ein zufriedenes Lächeln nicht unterdrücken. Nun kann die Kandidatensuche für Neuwahlen beginnen. Man werde dabei auch die Bürgerinitiative, die die Abwahl erst möglich gemacht hat, in die kommenden Gespräche mit einbeziehen, teilt er mit. "Das ist ein guter Tag für die Demokratie", so Jäger. Es sei ein wichtiges Recht der Bürger, in Ausnahmefällen über ein vorzeitiges Ende der Amtszeit eines Stadtoberhauptes zu entscheiden. Sein Parteikollege und NRW-SPD-Generalsekretär Michael Groschek sagt: "Diese eindeutige Entscheidung bringt nun die Chance auf einen echten Neuanfang für Duisburg und die Menschen in dieser Stadt."
"Das Ergebnis ist die Quittung für Sauerlands fehlende Bereitschaft, politische und moralische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe zu übernehmen", sagen die Landesvorsitzenden der Grünen, Monika Düker und Sven Lehmann. NRW-CDU-Generalsekretär Oliver Wittke würdigte die "großen Verdienste" Sauerlands für die Stadt Duisburg. Die Hintergründe des Loveparade-Unglücks müssten nun juristisch aufgeklärt werden.
Loveparade-Besucherin im Rathaus

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Annika war bei der Loveparade dabei
Unter den Feiernden im Rathaus ist auch Annika (18) aus Bremen. Sie hat bei der Loveparade-Katastrophe Verletzungen erlitten, von denen sie bis heute noch nicht völlig genesen ist. Den Tag hat sie mit Freunden und Bekannten aus einer Selbsthilfegruppe verbracht und hat auch die Rampe besucht, die vor eineinhalb Jahren für 21 Menschen zur Todesfalle wurde. "Mir würde es nicht schlechter gehen, wenn Sauerland nicht abgewählt wird", hatte sie noch kurz vor der Bekanntgabe gesagt. "Ich kann heute also eigentlich nur gewinnen."
Sauerland ist überrascht

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"Meine letzte Pressekonferenz"
Eine halbe Stunde nach der Bekanntgabe der Ergebnisse tritt auch der 56 Jahre alte Adolf Sauerland selbst auf die Bühne. Er äußert sich überrascht über das für ihn so eindeutige Ergebnis. "Ich war mir sicher, dass angesichts der vielen Erfolge meiner Amtszeit das Ergebnis ein anderes sein würde." Er sei gerne Oberbürgermeister gewesen, "mit Herzblut und Leidenschaft". Seine Rede, die er als seine "letzte Pressekonferenz" bezeichnete, beendete er mit den Worten "Gott schütze die Stadt Duisburg". Vor dem Rathaus ist währenddessen das Hupen eines Freudenkorsos zu hören - auch Feuerwerkskörper werden abgebrannt.
Verein "Mehr Demokratie" ist zufrieden
Reportage vom Wahltag
Das Abwahlverfahren war von einem Bündnis aus Duisburger Bürgern, Parteien und Gewerkschaften initiiert worden. Die Sauerland-Gegner hatten dafür fast 80.000 Unterschriften gesammelt, von denen allerdings nur 68.000 als gültig anerkannt worden waren. Der Verein "Mehr Demokratie", der sich bundesweit für mehr Bürgerbeteiligung in der Politik einsetzt, sieht die Abwahl als Erfolg. "Wir sind erleichtert, dass das Abwahlbegehren nicht durch das hohe Zustimmungsquorum zu Fall gebracht wurde", sagt der Landesgeschäftsführer der Organisation, Alexander Slonka. Damit sei "das erste Abwahlbegehren in der Geschichte des Landes" Nordrhein-Westfalen erfolgreich gewesen.
Rücktritt stets abgelehnt
Die Gegner von Adolf Sauerland machen ihn für die Genehmigung der Loveparade im Juli 2010 verantwortlich, bei der 21 Menschen starben und weit über 500 verletzt wurden. Einen Rücktritt hat Sauerland stets abgelehnt, es sei denn, ihm oder seiner Verwaltung würden individuelle Fehler bei der Genehmigung der Loveparade nachgewiesen.
Das amtliche Endergebnis soll am Mittwoch bekanntgegeben werden. Bis dahin will Sauerland seinen Schreibtisch geräumt haben. Seine reguläre Amtszeit hätte bis zum Spätsommer 2015 gereicht. Jetzt muss innerhalb von sechs Monaten ein Nachfolger gewählt werden. Der Wahlsieger wird für eine komplette Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Bis dahin bekommt die Stadt vorübergehend eine Doppelspitze. Die repräsentativen Aufgaben des Oberbürgermeisters übernimmt der 1. Bürgermeister Benno Lensdorf (CDU), Verwaltungschef wird Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne).
Stichworte
- Abwahlverfahren
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Das Abwahlverfahren gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist das erste durch einen Bürgerantrag in Gang gesetzte in Nordrhein-Westfalen. Die drei vorhergehenden waren von den jeweiligen Räten eingeleitet worden.
Premiere war im münsterländischen Ennigerloh, wo 2002 der damalige Bürgermeister Hans-Ulrich Brinkmann (CDU) abgewählt wurde. Er war wegen einer umstrittenen Kreditvergabe in die Kritik geraten.
In Meckenheim bei Bonn musste 2007 Bürgermeisterin Yvonne Kempen nach dem Bürgerentscheid ihr Amt verlassen. Der Rat hatte der CDU-Politikerin undemokratische Alleingänge vorgeworfen.
In der Eifelstadt Nideggen fand Bürgermeister Willi Hönscheid (CDU) dagegen 2006 die Unterstützung der Wähler. Rund 51 Prozent stimmten für seinen Verbleib im Amt. Hönscheid war vorgeworfen worden, ohne Wissen des Rats Kreditgeschäfte angebahnt zu haben.
In Moers (Kreis Wesel) sammelt derzeit Bürgerintitiatve Unterschriften für die Abwahl von Bürgermeister Norbert Ballhaus (SPD). Der Bürgermeister hatte Fehler beim Umgang mit einer Wahlkampfspende eingeräumt. Außerdem wird ihm vogeworfen, städtisches Vermögen verschleudert zu haben.
Quelle: dpa
Stand: 12.02.2012, 22.17 Uhr
Kommentare zum Thema (365)
letzter Kommentar: 15.02.2012, 01:05 Uhr
- Joachim aus Duisburg schrieb am 15.02.2012, 01:05 Uhr:
- @Petersilieverhagelt: ja, ich glaube auch, daß es eine schweigende Mehrheit gab. Vermutlich sind viele "AS Unterstützer" zu Hause geblieben. Nicht aus Trägheit, sondern weil der Eindruck erweckt wurde, man könne nur "für" eine Abwahl stimmen, und wer dagegen war, brauchte nur nicht hinzugehen. War diese Irreführung Absicht? Bei den Abwahl-Befürwortern wäre das nachvollziehbar, aber warum hat die CDU das nicht klargestellt, die doch angeblich hinter Herrn Sauerland stand? Die rief gar zum "Wahlboykott" auf - und hat damit die Abwahl erleichtert - schwer vorstellbar, daß das nur Dummheit war. Und Herr Sauerland? Vielleicht ist er insgeheim froh, dieser Stadt, von der er soviel Undank erfahren mußte, den Rücken kehren zu können. Dafür hätte ich Verständnis, und wünsche ihm, daß er seinen Ruhestand genießt. Wenn ich mal wieder in der schönen Innenstadt unterwegs bin und im Forum etwas Leckeres esse, werde ich des Mannes gedenken, dem das alles zu verdanken ist.
- hans schrieb am 14.02.2012, 14:00 Uhr:
- Wie geht es nun weiter? Ein Aktionsbündnis von Grünen, Roten und Idealisten ohne Parteizugehörigkeit wird nun einen geeigneten Kandidaten auskungeln. Die verhasste CDU hat nach Meinung des Bündnisses kein Recht, an dem Auswahlverfahren teilzunehmen. Als nächstes werden die Idealisten ausgebootet. Denn die können in der Klüngelrunde nur stören. Im Übrigen haben die ja mit dem Wahlergebnis ihren Erfolg gehabt und sollen sich nun zurückhalten. Denn nun schlägt die Stunde der Profis. Letztendlich wird ein SPD-Mann (Qualifikation: Er hat das Vertrauen des Herrn Jäger) nominiert und gewählt. Dann endlich ist die Scharte ausgewetzt, die da lautet: In Duisburg kann nur ein SPD-Mann Oberbürgermeister werden. Auch wenn er aus dem Saftladen kommt, der die Stadt bis zur ersten Sauerlandwahl immer weiter in den Abgrund regiert hat.
- O.Weinbrenner schrieb am 14.02.2012, 07:31 Uhr:
- @Usch, auch schließe mich der Meinung von Gerhard (12.02) an.Wäre ich Bürger dieser Stadt,ich würde mich in Grund und Boden schämen !
- R.Bauer schrieb am 14.02.2012, 07:14 Uhr:
- @arme Demokratie, da kann ich Ihnen nur zustimmen.Wäre ich Duisburger ,dann würde ich mich schämen Bürger dieser Stadt zu sein.
- Egbert Hinzen schrieb am 14.02.2012, 00:21 Uhr:
- Wie die Abschiedsrede zeigte: Der Mann hatte jeglichen Realitätsbezug verloren! Jetzt endlich: Ausgewulfft! Schade, daß wir Bürger keine Chance haben, unserem Bundesschnorrer die Realität aufzuzeigen!
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