1.000 Kerzen für die Loveparade-Opfer: "Hier sind die Erinnerungen"
In der Nacht zum 24. Juli 2012 haben 1.000 Kerzen das Gelände des ehemaligen Duisburger Güterbahnhofs erleuchtet. Dort, wo vor zwei Jahren 21 Menschen in einer Massenpanik ums Leben kamen. Bei all der Trauer fällt eines auf: Die große Wut ist weg.

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Zahlreiche Kerzen brannten in der Nacht vor dem zweiten Jahrestag
Will man dahin, wo es passiert ist, muss man durch den Tunnel. Grillenzirpen, Sonnenlicht, Handyempfang - alles ausgeschaltet. Stattdessen blaues Neonlicht und verschmierte Wände. Nur durch den Tunnel an der Karl-Lehr-Straße kommt man zum ehemaligen Duisburger Güterbahnhof, zur Rampe, zu der kleinen Treppe - dorthin, wo 2010 bei der Loveparade 21 Menschen starben. Der Ort ist wichtig für die Angehörigen, Verletzten, Traumatisierten - immer und immer wieder kommen sie hierhin.
"Weil so etwas nie wieder passieren darf"

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"Hier ist es passiert. Hier sind die Erinnerungen", sagt Dirk Schales
"Hier ist es passiert. Hier sind die Erinnerungen." Dirk Schales ist seit zwei Jahren fast jeden Tag auf der Rampe und an der bislang inoffiziellen Gedenkstätte. Er gibt den Blumen Wasser, wechselt die Kerzen, räumt den Müll beiseite, schaut nach dem Rechten. Das sei wie eine Therapie für ihn. Der 44-Jährige stand am 24. Juli 2010 im Gedränge, ganz in der Nähe der Treppe, vor der so Viele starben. Nun engagiert er sich in der Bürgerinitiative "Gegen das Vergessen Lopa 2010" und hält seit Freitag (20.07.2012) eine Mahnwache ab. Zum einen, um der Toten zu gedenken, zum anderen, "weil so etwas nie wieder passieren darf".
Fast 2.000 Menschen seien alleine in den vergangenen Tagen hierhin gekommen, erzählt er. Neben ihm stehen Paletten voll mit roten Friedhofslichtern - 1.000 von ihnen sollen in der Nacht zum zweiten Jahrestag Rampe und Treppe erleuchten.
"Das kann ich nicht unter den Teppich kehren"
"Hier kommt alles wieder hoch. Wie ein Schlag in den Bauch." Zum Jahrestag ist auch Elena Glasmacher aus der Eifel noch einmal nach Duisburg an die Rampe gekommen. Sie müsse sich mit der Katastrophe konfrontieren, "das ist ein Ereignis, das wichtig ist, das kann ich nicht unter den Teppich kehren." Zusammen mit ihrem Mann Guido war sie 2010 hier. Am Tag zuvor hatten die beiden standesamtlich geheiratet, ihren "Flittertag" wollten sie auf der Loveparade verbringen.

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Nach der Hochzeit zur Loveparade: Elena und Guido Glasmacher
Zunächst sei es ihnen gar nicht so voll vorgekommen, doch dann wurde es immer enger. Die heute 28-Jährige stand sehr nahe an der Treppe, dort, wo alle hinwollten und drückten. Elena verlor den Boden unter den Füßen, wurde gebissen, getreten, "das war wie im Krieg". Eine Polizistin zog sie irgendwann die Treppe hoch. Auch Guido schaffte es unverletzt aus der Masse, ihn treiben noch heute und besonders hier Fragen um: "Wo ist was passiert?" Wer war das blonde Mädchen, das ein paar Zentimeter neben ihm ums Überleben kämpfte. Und: "Hätte ich helfen können?"
Es scheint in Duisburg ein wenig Frieden einzukehren
Rund hundert Trauernde sind zur Nacht der Kerzen gekommen. Einige haben Blumen, jeder Fragen mitgebracht. Warum? Wo? Und wie? Ein Junge erzählt in breitem britisch, wo die Plakate hingen, wo er stand und wie lange er kämpfte. Ein Vater klettert über die Absperrung, um das Foto seiner verstorbenen Tochter auszutauschen.
Der neue Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD) ist mit Freundin gekommen, um eine Kerze zu entzünden. Die Hasstiraden gegen seinen Vorgänger Adolf Sauerland (CDU) sind vom vielen Regen in diesem Sommer schon etwas verblasst. Die Stimmung ist nicht mehr so aufgewühlt. Auch wenn sich die Staatsanwaltschaft Duisburg mit den Ermittlungen Zeit nimmt - es scheint in Duisburg ein wenig Frieden einzukehren.
"Die Bilder vergessen Sie nie"
Fragt man Dirk Schales, ob es ihm nun, zwei Jahre nach der Katastrophe, langsam besser gehe, überlegt er länger. "Nicht besser, nur anders. Man lernt, damit zu leben. Die Bilder vergessen Sie nie." Er habe Glück, lebe nur zehn Minuten von hier entfernt. "Der Einsatz hier lässt mich das verarbeiten."

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Über 600 Quadratmeter Platz für die Gedenkstätte
Als es dunkel wird, tauchen die Kerzen die Rampe in rotflackerndes Licht. Für Schales und die anderen wird es der letzte Jahrestag auf dem unbebauten alten Güterbahnhof sein. Noch vor der Loveparade hatte ein Investor das Gelände gekauft, um dort ein großes Möbelhaus zu bauen. Nach langem Hin und Her sollen nun über 600 Quadratmeter für eine Gedenkstätte unbebaut bleiben, Rampe und Treppe können so stehen bleiben. "Ein guter Kompromiss", findet Schales. Er kann weiterhin jeden Tag durch den dunklen Tunnel fahren und hierhin kommen - Blumen gießen, Kerzen auswechseln, verarbeiten.
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Video:
Loveparade-Angehörige gedenken der Opfer
(02:57 Min.)
WDR aktuell vom 24.07.2012
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Loveparade-Angehörige gedenken der Opfer
Stand: 24.07.2012, 07.23 Uhr
- Duisburgs OB Sören Link im WDR 2 Gespräch: "Verantwortung annehmen" [WDR 2]
- Still und ergreifend [Mediathek]
- "Angst in jeder Situation" [Mediathek]
- Mahnwache zum Loveparade-Gedenken [Mediathek]
- 2. Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Tausend Kerzen sollen brennen (20.07.2012)
- Interview mit Ombudsmann: Vermitteln und helfen nach der Katastrophe (05.08.2010)
- 600 Quadratmeter Gedenkfeld: Einigung über Loveparade-Gedenkstätte (04.07.2012)
- Opfer: Ein Treffen am Tunnel: "Wir waren begraben" (20.07.2011)
Kommentare zum Thema (15)
letzter Kommentar: 24.07.2012, 20:46 Uhr
- Klaus Lohmann schrieb am 24.07.2012, 20:46 Uhr:
- @gefakter"Herr Lohmann": Nun, selbst Dortmunds OB Sierau, damals noch Planungsdezernent und mitverantwortlich für die LoPa-Durchführung, will heute immer noch nicht mit der echten Zahlen auf den Tisch, obwohl diese durch Polizei, die Bahn AG und verschiedene wissenschaftl. Untersuchungen schon kurz nach dem Event geliefert wurden. Da will man als "seriöses Nachrichtenforum" doch nicht widersprechen, oder?
- Leslie West schrieb am 24.07.2012, 18:13 Uhr:
- @Christian D.: es handelte sich nicht um ein tragisches Unglück, sondern um eine amtlich genehmigte Katastrophe. Wer sich vorher mit der Planung dieses Events beschäftigt hatte und das Gelände und die Zuwegung kannte, musste auch mit dem "worst case" rechnen.
- WDR.de schrieb am 24.07.2012, 15:34 Uhr:
- Kommentar gesperrt. Bitte keine Beleidigungen.
- Anonym schrieb am 24.07.2012, 14:50 Uhr:
- Können diese neurotischen schwarzen Socken nicht endlich mal aufhören mit aller Verbissenheit ihren Sauerland rein zu waschen. Hier geht es um die Trauer sehr vieler körperlich und seelisch verletzter Menschen und nicht um diesen Sauerland.
- Christian D. schrieb am 24.07.2012, 14:42 Uhr:
- Vielleicht wäre es möglich, nicht andauernd von einer Katastrophe zu sprechen. Es handelt sich hier um ein tragisches UNGLÜCK, aber bei weitem um keine Katastrophe! Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.
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