Kamp-Lintforts Zukunft ohne Pütt "Es geht auch ohne Bergwerk"

Von Susanne Schnabel

Ohne den Bergbau gäbe es die niederrheinische Stadt Kamp-Lintfort nicht. Nach 100 Jahren sind Kohle, Schicht und Schacht jetzt nur noch Geschichte und der 40.000-Einwohner-Ort muss jetzt ohne seinen größten Arbeitgeber auskommen. Es gibt Wehmut, Hoffnung und Skepsis in der Bevölkerung.


Erst Rheinpreußen, dann Pattberg und jetzt Kamp-Lintfort – Manfred Reis hat in diesen drei Zechen gearbeitet und sie sterben sehen. "Eigentlich wollte ich nie beim Bergbau bleiben, doch nach der Ausbildung als Schlosser ergaben sich dort immer wieder gute Aufstiegschancen für mich", erzählt der 58-Jährige. Er war Abteilungsleiter mit viel Verantwortung. Heute ist Manfred Reis Rentner, nutzt seine freie Zeit für die Familie und engagiert sich für den Verein "Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein". Dieser sorgt dafür, dass Geschichte und Geschichten der Bergleute in Kamp-Lintfort lebendig bleiben.

100 Jahre Zeche Friedrich-Heinrich

Die Geschichte der Stadt beginnt vor 100 Jahren, als die Zeche Friedrich-Heinrich den Betrieb aufnimmt und ihr ein Gesicht gibt mit der hübsch gepflegten Werksiedlung, den mächtigen Backsteingebäuden und dem roten Förderturm, der als Wahrzeichen über der Stadt ragt.

Masterplan nimmt Form an


Andreas Iland, Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing
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Wirtschaftsförderer Andreas Iland

Rein optisch soll sich in Kamp-Lintfort nicht allzu viel ändern, nur die Funktion der Bauwerke wird eine andere. "Wir werden viele stadtbildprägende Gebäude erhalten. Mit einem Masterplan arbeiten wir seit 2008 an einem Konzept zur Folgenutzung", sagt Wirtschaftsförderer Andreas Iland. Dabei sei von Anfang an die Bevölkerung zu Rate gezogen worden.

Bahnhof wird dringend gebraucht


Mann schau sich Pläne an
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Großes Interesse für den Masterplan

Iland: "Wir haben fünf große Informationsveranstaltungen gemacht. Hunderte Besucher kamen, brachten Ideen und Bedenken mit ein. Insgesamt sehe ich die Stimmung in der Stadt als optimistisch. Kamp-Lintfort ist in Aufbruchstimmung." Auf einem Teil des Zechengeländes hat sich die neue Hochschule Rhein-Waal niedergelassen. Weitere Flächen werden zu Gewerbegebieten umfunktioniert und ein großer Wunsch von Andreas Iland ist ein Bahnhof. "Kamp-Lintfort ist derzeit die drittgrößte Stadt Deutschlands, die vollständig ohne eine Anbindung an den Schienenpersonenverkehr auskommen muss", sagt er.

"Zu weit ab vom Schuss?"


Mann nimmt eine rote Kerze aus einem Karton
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"Lintforts Lichter brennen weiter"

Im Rathaus stehen am Eingang einige Kartons mit roten Kerzen. Hans Müller greift zu. "Um 17 Uhr sollen die Bürger am Freitag eine Kerze ins Fenster stellen als Zeichen der Hoffnung. Da mache ich mit", sagt er. Der Kamp-Lintforter hat zwar selber nicht im Bergwerk Friedrich-Heinrich gearbeitet, aber kennt viele Kumpel. "Keiner von ihnen hat je bereut, diesen Job gewählt zu haben. Es ist schon traurig, dass jetzt damit Schluss ist. Aber es geht auch ohne Bergwerk", so Müller. Die SPD hatte die Aktion "Lintforts Lichter brennen weiter" ins Leben gerufen als Symbol für den Start einer neuen Ära in der Stadtgeschichte. "Nach der Pleite des Handy-Herstellers BenQ, bei der 1.600 Menschen in Kamp-Lintfort ihre Arbeit verloren haben, bin ich skeptisch. Vielleicht sind wir doch zu weit ab vom Schuss hier?", fragt sich Simone Koch. Doch von hier wegziehen kommt für die zweifache Mutter nicht in Frage.

Rückbau dauert bis Ende 2013


Zwei Männer in Arbeitskleidung
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Ab jetzt wird aufgeräumt

Auch Thomas Zingsheim bleibt dem Niederrhein treu. Und dem Bergbau. Der 48-Jährige wird in den kommenden Monaten die Zeche Friedrich-Heinrich mit einigen Hundert Kumpel zurückbauen und ab 2014 zum Bergwerk Prosper-Haniel im 30 Kilometer entfernten in Bottrop wechseln. Zingsheim: "Auch die Zeche Prosper-Haniel wird nach ihrer aktiven Zeit zurück gebaut werden müssen, so dass ich hoffentlich bis 2021 beschäftigt bin".  

Glückauf ...
Susanne Schnabel

Am Telefon, auf der Straße oder in Geschäften - "Glückauf" ist eine gängige Begrüßung in Kamp-Lintfort. Das klingt zunächst exotisch für unsere Reporterin Susanne Schnabel, die als Mönchengladbacherin an "Juten Tach" gewohnt ist. Sie fragt sich, wie lange sich die Menschen in Kamp-Lintfort noch mit diesen netten "Glückauf" begrüßen werden.


Stand: 21.12.2012, 08.00 Uhr


Kommentare zum Thema (20)

letzter Kommentar: 23.12.2012, 09.32 Uhr

OWL schrieb am 23.12.2012, 09.32 Uhr:
@heinzb, ihre Rechnung kann ich ja noch nachvollziehen. Übel stösst mir allerdings der letzte Satz auf. Gut dass sie eine "Selektion auf der Rampe" nicht kennengelernt haben. In einer solchen Bemerkung sehe ich eher eine Verharmlosung übelster unmenschlicher Verhaltensweisen, die für die Betroffenen regelmäßig mit dem gewaltsaamen Tod endete. In solch einer Lage befindet sich niemand, der eine solche beklagt !
heinzb aus nrw schrieb am 22.12.2012, 19.54 Uhr:
...@@.....Heinzb aus nrw schrieb am 21.12.2012, 23:34 Uhr: ... @@@@@.... Warum mus denn immer alles richtig sein. Der einfache deutshe fleißig arbeitende Mann darf ja wohl noch sagen was er denkt. Klugscheißen sollen die hier nicht arbeiten nur rumstudieren und unsere Steuern verschwenden. Oder die rot-grünen Gutmenschen.... @@@@@@@ ........ WER AUCH IMMER DU BIST, DER UNTER MEINEM NAMEN DIESEN KOMMENTAR EINGESTELLT HAT, SCHREIBE DEINEN SCHWACHSINN UNTER DEINEM NAMEN, MACH DICH LÄCHERLICH UNTER DEINEM NAMEN UND KASCHIERE DIE WAHRHEIT NICHT UNTER MEINEM NAMEN. DIESES SCHREIBT DIR HEINZB AUS NRW..........
Claus schrieb am 22.12.2012, 13.08 Uhr:
Na, Heinzi, da war wohl ein Gläschen Glühwein zu viel mit im Spiel............;)
Heinzb aus nrw schrieb am 21.12.2012, 23.34 Uhr:
Warum mus denn immer alles richtig sein. Der einfache deutshe fleißig arbeitende Mann darf ja wohl noch sagen was er denkt. Klugscheißen sollen die hier nicht arbeiten nur rumstudieren und unsere Steuern verschwenden. Oder die rot-grünen Gutmenschen.
heinzb aus nrw schrieb am 21.12.2012, 23.02 Uhr:
..@.OWL...@... , danke für Ihre Mühe, aber es ist so, 12 Jahre Arbeitnehmer & 26 Jahre Beamter des Bundes, seit 12 Jahren & mehr nicht befördert wie viele Andere als der Bahn Ag zugewiesene Beamte, als Bundesbeamter mit 57 in die Zwangspension getrieben von Oberbahnarzt als A 8, das macht Mindestpension 1542,- € Brutto, gegen die Pensionierung klage ich zur Zeit, bis das VG Düsseldorf entscheidet, bekomme ich gemäß Bundesbeamtengesetz gekürzte Bezüge um die 50 %, dass sind 1542,- € Brutto abzüglich 215,- Euro Krankenkasse, - 26,- Euro Pflegeversicherung, - 40 Euro Steuern, das Netto können Sie sich ausrechnen, wenn die Zwangspensionierung vom VG Düsseldorf bestätigt wird , dann kann ich Antrag stellen auf Beihilfe aus der Rentenversicherung für 12 Jahre als Malocher, dass gibt dann 1 % pro 12 Monate Maloche bei Wind und Wetter, dass sind dann nochmals ca 160,- Euro dazu. Das ist der Dank, schlimmer als Selektion auf der Rampe, meine ich. Einer Demokratie unwürdig, das meine ich auch.

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