Schülerinnen wegen Burka-Tragens beurlaubt Rektor sieht Schulfrieden gestört

Zwei Schülerinnen einer Bonner Gesamtschule sind am Donnerstag (27.04.2006) vom Unterricht ausgeschlossen worden, weil sie Burkas trugen. Stadt und Bezirksregierung stehen hinter dem Vorgehen. Die Familien haben einen Anwalt eingeschaltet.


Eine Frau mit Burka
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Zwei Schülerinnen wurden wegen ihrer Burka aus dem Unterricht ausgeschlossen

Nach Angaben der Gesamtschule in Bonn-Tannenbusch erschienen die beiden 18-Jährigen erstmals am Montag (24.04.2006) mit dem muslimischen Ganzkörpergewand zum Unterricht. Am Donnerstag (27.04.2006) entschloss sich der Rektor Ulrich Stahnke dazu, die Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe vom Unterricht auszuschließen, wie tags darauf bekannt wurde. "Es geht nicht um das Tragen religiöser Symbole", betonte Stahnke, vielmehr könnten die jungen Frauen in dieser Kleidung nicht sachgerecht am Unterricht teilnehmen. Außerdem habe ihr Auftreten zu einer psychischen Belastung von Mitschülern und Lehrern geführt.

Der Schulleiter verfügte den Schulverweis in Absprache mit der Bezirksregierung Köln. Eine Sprecherin der Behörde erklärte: "Er hat dazu das Recht, wenn der Schulfrieden gestört ist. Das war hier eindeutig der Fall." Die Schülerinnen hätten mit ihrer Haltung zu permanenten Diskussionen Anlass gegeben. Sie sind zunächst für zwei Wochen vom Unterricht ausgeschlossen, können aber jederzeit zurückkehren, wenn sie die Burka ablegen.

Unterschriften gegen die Burka

Einige Mitschüler der beiden jungen Frauen äußerten in ersten Reaktionen Verständnis für den Ausschluss. Es habe sogar eine Unterschriftenaktion gegen das Tragen der Burkas gegeben, initiiert von muslimischen Schülerinnen. Die Familien der suspendierten Obertstufen-Schülerinnen haben einen Anwalt eingeschaltet, der sich bisher aber nicht öffentlich zu dem Fall äußerte. Ein Sprecher der Stadt Bonn teilte mit, es handele sich um eine Frau mit deutschem und eine mit türkischem Pass.

An der Bonner Gesamtschule lernen 1.300 Schüler. 30 Prozent von ihnen haben nach Schulangaben einen Migrationshintergrund. Sie stammen aus 51 Ländern. Manche Musliminnen an der Schule trügen ein Kopftuch, jedoch bisher niemand eine Burka. Die Burka, die auch das gesamte Gesicht verhüllt, ist vor allem in Afghanistan verbreitet.


Stand: 28.04.2006, 20.24 Uhr