2. August 1934 - Vereidigung der Wehrmacht auf Hitler angeordnet

Hitler schreitet eine Ehrenkompagnie der Wehrmacht in Goslar 1934 ab

Stichtag

2. August 1934 - Vereidigung der Wehrmacht auf Hitler angeordnet

Am 2. August 1934 stirbt Reichspräsident Paul von Hindenburg. Damit tritt ein Gesetz in Kraft, das die nationalsozialistische Reichsregierung am Tag zuvor beschlossen hat: "Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler übernimmt auch die Befugnisse des Reichspräsidenten - und ist damit Staatsoberhaupt. Noch am Todestag von Hindenburg ergeht an alle deutschen Soldaten der Befehl, zu einem neuen Treuegelöbnis anzutreten.

Doch nicht Hitler selbst hat die Neuvereidigung angeordnet, sondern Reichswehrminister Werner von Blomberg. In hohen Offizierskreisen hat der Vertreter der alten Reichswehr schon länger einen Spitznamen: der "Gummilöwe". "Blomberg war von einer unheimlichen Sucht beseelt, vorauseilenden Gehorsam zu leisten", erklärt Historikerin Kirstin Buchinger-Schäfer von der Freien Universität Berlin. So hat Blomberg trotz der Ermordung zweier ehemaliger Generale der Reichswehr, darunter der frühere Reichskanzler Kurt von Schleicher, zur Niederschlagung des angeblichen "Röhm-Putsches" Ende Juni 1934 geschwiegen.

Nicht auf Verfassung, sondern auf Person vereidigt

Um sich auch weiterhin die Gunst Hitlers zu erhalten, lässt von Blomberg die Soldaten auf Hitler vereidigen. Durch die Eidesformel werden sie nicht mehr auf die Verfassung, sondern auf eine Einzelperson verpflichtet: "Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler (...) unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen." Hitler freut sich: "So wie die Offiziere und Soldaten der Wehrmacht sich dem neuen Staat in meiner Person verpflichten", verkündet er im "Völkischen Beobachter", "werde ich es jederzeit als meine heilige Pflicht ansehen, für den Bestand und die Unantastbarkeit der Wehrmacht einzutreten."

Mythos der "sauberen Wehrmacht"

Für von Blomberg lohnt sich der vorauseilende Gehorsam. 1935 wird der zum Reichskriegsminister und zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt, 1936 zum Generalfeldmarschall. Er treibt die Aufrüstung der Wehrmacht rasant voran. Sein Ziel ist ein hochtechnisiertes, propagandistisch gedrilltes Massenheer. Doch Anfang 1938 stellt sich der verwitwete Aufsteiger selbst ein Bein: durch seine zweite Eheschließung, bei der Hitler Trauzeuge ist. Die Auserwählte entpuppt sich als ehemalige Prostituierte. Im NS-Staat ist das ein Skandal, der zur sofortigen Entlassung von Blombergs führt. Hitler nutzt die Gelegenheit: Er sucht sich keinen Nachfolger in Kreisen der Wehrmacht, sondern übernimmt das frei gewordene Amt des Oberbefehlshabers selbst. Bis 1945 schwören über 18 Millionen deutsche Wehrpflichtige den Treueeid auf den "Führer".

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt die Bildung langlebiger Mythen wie jener der "sauberen Wehrmacht". Kriegsverbrecher und Massenmörder scheint es demnach nur in der SS  gegeben zu haben. Erst die Wehrmachtsausstellung von 1995 zeigt einer breiten Öffentlichkeit, wie tief die Wehrmacht in Vernichtungskrieg und Holocaust verstrickt war. Wer heute seinen Dienst bei der Bundeswehr antritt, muss schwören, "das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen". Anders als vor 1989 gilt das nicht nur im Verteidigungsfall, sondern auch bei Auslandseinsätzen.

Stand: 02.08.2009