13. März 2007 - Vor 90 Jahren: Deutsches Ledermuseum in Offenbach gegründet

Stichtag

13. März 2007 - Vor 90 Jahren: Deutsches Ledermuseum in Offenbach gegründet

Ob Frösche, Schlangen oder Fische - aus vielen Tieren lässt sich Leder herstellen. So machen zum Beispiel die Inuit, die Ureinwohner in Alaska, aus Därmen von Seehunden Regencapes. Hierzulande ist das Gerberhandwerk allerdings vom Aussterben bedroht: Nur noch 50 Betriebe veredeln tierische Häute zu Leder. Die Blütezeit ist längst vorbei: Mitte der 1920er Jahre waren in Deutschland über 6.000 Mitarbeiter in fast 3.000 Lederfabriken beschäftigt. Viele davon hatten ihren Sitz in der deutschen Lederstadt Offenbach.

Da die Firmen damals ständig neue Modelle entwickeln wollen, sucht der Leiter der Werkkunstschule, Professor Hugo Eberhardt, weltweit nach Objekten, die dafür als Vorbilder in Frage kommen. Sein erstes Stück ist eine Tiroler Truhe aus dem 17. Jahrhundert, die mit Leder verziert ist. Die Sammlung wächst rasant an und so gründet Eberhardt am 13. März 1917 das Deutsche Ledermuseum. 1938 wird das Museum im "Städtischen Lagerhaus" untergebracht, einem 175 Jahre alten, klassizistischen Gebäude in Offenbachs Innenstadt. Seitdem sind mehr als 30.000 Objekte zusammengekommen. Heute kann man dort unter einem Dach gleich drei Museen auf einmal besuchen: Das Deutsche Schuhmuseum, das Ethnologische Museum und das Museum für angewandte Kunst.

International bekannt ist die Amerika-Abteilung des Ethnologischen Museums. Zu den Besuchern zählen Angehörige der einheimischen Bevölkerung Nordamerikas und Kanadas wie etwa Navajo, Hopi oder Blackfoot. Im Schuhmuseum stehen neben den rekonstruierten Schuhen von Ötzi, der Gletschermumie aus Österreich, auch die weißen Sportschuhe, die Joschka Fischer (Grüne) bei seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister getragen hat. Auch wenn Fischers Erinnerungsstücke noch nicht so alt sind, müssen sie genauso konserviert werden wie zum Beispiel die Pontifikalschuhe des Erzbischofs Arnold von Trier aus dem 12. Jahrhundert. Im dritten Ausstellungsbereich - dem Museum für angewandte Kunst - finden sich neben spätromanischen Buchfutteralen aus Leder auch Sättel, Gürtel und Kleidungsstücke aller Epochen. Neben der Aktentasche Napoleons sind auch zeitgenössische luxuriöse Ledertäschchen für die japanische Kronprinzessin und andere gekrönte Häupter zu sehen.

Stand: 13.03.07