04. April 2005 - Vor 140 Jahren: Die erste Ausgabe von "Max und Moritz" erscheint

Stichtag

04. April 2005 - Vor 140 Jahren: Die erste Ausgabe von "Max und Moritz" erscheint

Er ist schon 32 Jahre alt und wohnt immer noch in Wiedensahl, dem niedersächsischen Dorf, in dem er geboren wurde: Wilhelm Busch, ein mäßig erfolgreicher Zeichner, so mittellos, dass er seine Angebetete nicht heiraten darf. Er ist ein Außenseiter in der wohlanständigen Gesellschaft. Seine Rache: Er zeichnet diese Gesellschaft, die Typen, die alle Wiedensahls im Biedermeier-Deutschland bevölkern: die arme Witwe und den Orgel spielenden Lehrer, den wohlanständigen Onkel mit Zipfelmütze, das Schneiderlein samt Müller, Bäcker und Bauer. Und er setzt sie alle den üblen Streichen zweier Buben aus: Max und Moritz.

"Die habe ich zu Nutz und eigenem Plaisier auch gar schön in Farbe gesetzt. Ich schicke Sie Ihnen mit der Bitte, das Ding recht freundlich in die Hand zu nehmen und hin und wieder ein wenig zu lächeln." Das schreibt Busch an den Verleger Caspar Braun in München. Es ist schon der zweite Versuch, die sieben Streiche in Druck zu geben. Braun lächelt nicht nur ein wenig - er ahnt den Erfolg. Bisher hat Busch in Brauns satirischer Wochenzeitschrift "Die Fliegenden Blätter" einige Bildergeschichten veröffentlicht. Aber aus "Max und Moritz" will Braun ein Buch machen. Er zahlt dem unerfahrenen Autor die stattliche Summe von 1.000 Gulden, kauft ihm dafür aber sämtlich Rechte ab. Die Rechnung geht für den Verleger auf: Auch gegen den lautstarken Protest der Pädagogen werden die bösen Buben zum Bestseller. Die ersten Exemplare kommen am 4. April 1865 auf den Markt. Als Wilhelm Busch 1908 stirbt, ist "Max und Moritz" in Deutschland bereits eine halbe Million Mal verkauft worden und in elf weiteren Sprachen erschienen, darunter auf japanisch und hebräisch. Auch die Übersetzungen sind eine große Leistung, denn ganz nebenbei hat Wilhelm Busch die Sprache des Comics erfunden: "Schwuppdiwupp – Ritzeratze – kritze kratze – knusper knasper."
Bis heute sind die bösen Buben unsterblich: "Jeder denkt, die sind perdü! Aber nein! Noch leben sie!" 1999 versteigert ein Kölner Auktionshaus ein Exemplar der Erstausgabe für 250.000 Mark – das bisher höchstbezahlte deutsche Kinderbuch.


Stand: 04.04.05