11. Oktober 1919 - Erste Mahlzeiten im Flugzeug serviert

Speisen- und Getränkeservice an Bord einer dreimotorigen Junkers G31 der Lufthansa im Jahr 1928

Stichtag

11. Oktober 1919 - Erste Mahlzeiten im Flugzeug serviert

Matschige Nudeln, welker Salat, pappige Brötchen - auf der Internetseite "Airlinemeals" gibt es nach Fluggesellschaften geordnet tausende "Foodies", Fotos von Bordessen. Vom Erdnuss-Tütchen bis zum Omelette mit Speck: Alles wird weltweit von Passagieren fotografiert und bewertet mit Aussagen wie "Ich glaube, es war Huhn" oder "Es sah gar nicht aus wie Fisch".

Wie die Mahlzeit ausgesehen hat, die als erste in einem Flugzeug serviert wurde, ist unklar. Die britische Fluggesellschaft Handley-Page-Transport nimmt jedenfalls für sich die Premiere in Anspruch: Am 11. Oktober 1919 wird den Passagieren auf einem Flug von London nach Paris eine Art Picknickkorb mit an Bord gegeben. Hasso Spode, Leiter des Historischen Archivs zum Tourismus an der TU Berlin, hält diesen Genuss für zweifelhaft. Denn man fliegt damals noch offen: "Da saß man wie auf so einem Motorradbeiwagen." Erst in den 1920er Jahren seien "Ganzmetall-Flugzeuge" wie die Junkers F13 eingesetzt worden. "Da macht es auch Sinn, irgendwas zu essen an Bord, denn sonst fliegt einem ja alles aus der Hand."

Palmherzen, Kaviar, Rehrücken

Der Genuss an Bord ist in den Anfangsjahren allerdings bescheiden. Die Flugzeuge haben noch keine Druckkabinen und müssen ihre Flughöhe auf rund 3.000 Meter begrenzen. Doch: "In diesen Höhen ist der Fluggast doch ziemlichen Turbulenzen ausgesetzt", so Spode. Die Lufthansa habe ab 1928 sogenannte fliegende Speisewagen im Einsatz gehabt, in denen kleine Mahlzeiten serviert und Filme vorgeführt worden seien.

In den späten 1930er Jahre installieren die ersten Fluggesellschaften kleine elektrisch beheizte Küchen, um Mahlzeiten zu erwärmen. Doch bevor der Flugtourismus zunehmen kann, unterbricht der Zweite Weltkrieg dessen Entwicklung. In der Wirtschaftswunder-Zeit wird es an Bord luxuriös. Ab 1950 setzt die "Super Constellation" der US-Firma Lockheed Maßstäbe. Die Vier-Propeller-Maschine schafft 550 Kilometer in der Stunde und ist komfortabel ausgestattet: "von der Klima- und Druckausgleichsanlage bis zu den herrlichen schaumstoffgepolsterten verstellbaren Sesseln." Die Maschine wird auch von der Lufthansa für die Verbindung von Frankfurt am Main nach New York eingesetzt. Während des Acht-Stunden-Flugs wird zum Beispiel wahlweise Folgendes angeboten: frischer Maine-Hummer, geräucherter kanadischer Lachs mit Sahnemeerrettich, brasilianische Palmherzen, Beluga-Kaviar, Rehrücken mit Wacholder, Kalbssteak nature, Mandarinen, Brie, Schafskäse, Cognac, Pralinen.

Vielfliegen senkt Qualität

Ende der 1950er Jahre kostet ein Flug mit der "Super Constellation" von Düsseldorf nach New York 6.000 Mark, ein VW Käfer in der Standardversion 4.400 Mark. Die Ticketpreise werden zu dieser Zeit noch von der IATA, der Internationalen Luftverkehrsvereinigung, vorgeschrieben. Der Festpreis sorgt dafür, dass die Fluggesellschaften bei Service und Komfort zulegen, um die Mitbewerber auszustechen und Passagiere anzulocken. Im Lauf der 1960er Jahre unterbieten die Fluggesellschaften, die nicht der IATA angehören, die hochpreisige Konkurrenz. In den 1970er Jahren werden mit der Einführung des Jumbo-Jets die Flugzeuge immer größer - und die Ticketpreise sinken.

Beim Massentourismus bleiben jedoch Service und Qualität der Bordmenüs auf der Strecke. Die Airlines lagern die Verpflegung immer mehr aus und vergeben Großaufträge an Catering-Firmen, was die Kosten senkt. So produziert der Weltmarktführer "Sky Chefs" jährlich für über 300 Airlines mehr als 500 Millionen Flugmahlzeiten. "Man ist dann zusätzlich noch einen Schritt weitergegangen mit den sogenannten Billigfliegern", sagt Historiker und Soziologe Spode. "Da muss man fürs Essen auch noch extra bezahlen."

Stand: 11.10.2014

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