Stichtag

31. Januar 1888 - Don Bosco stirbt in Turin

Giovanni Bosco kommt als junger Priester nach Turin und ist schockiert: Viele Kinder und Jugendliche sind verwahrlost. Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Stadt im heutigen Norditalien ein Zentrum der industriellen Revolution - und ihrer Folgen. Die Gesellschaft und mit ihr die sozialen Beziehungen sind im Umbruch. Viele der Kinder, die sich auf der Straße herumtreiben, sind Halb- oder Vollwaisen. Jugendliche stehlen sich ihren Lebensunterhalt zusammen, werden kriminell und landen im Gefängnis.

Der katholische Geistliche, den alle Don Bosco nennen, beginnt sich um die jungen männlichen Außenseiter zu kümmern. Er gibt ihnen ein emotionales Zuhause: Sein sogenanntes Oratorium (Bethaus) in einem Vorort von Turin wird zum Treffpunkt. Es besteht aus einem Schuppen und einem großen Gelände. Dort wird gespielt, gelernt und gebetet. Auch für Verpflegung ist gesorgt. Anfangs ist das Oratorium nur sonntags geöffnet, aber das ungewöhnliche Angebot spricht sich schnell herum. "Eigentlich hat Don Bosco in seinem Oratorium in Valdocco 1841 mit sechs oder sieben jungen Leuten angefangen, nach sieben Jahren kamen täglich bis zu 800 Jugendliche", sagt Don-Bosco-Forscher Emil Hartmann.

Selbst als armer Halbwaise aufgewachsen

Don Bosco geht auch in die Gefängnisse, um Jugendliche anzusprechen und ihnen eine neue Chance zu bieten. "Er hatte einen unerschütterlichen Optimismus, dass in jedem jungen Menschen ein guter Kern steckt", sagt Hartmann, der das Don-Bosco-Jugendwerk in Bamberg leitet. "Letztlich war das dafür ausschlaggebend, dass er so viele junge Menschen in ausweglosen Situationen faszinieren konnte." Der Jugendseelsorger setzt auf Güte und Vertrauen statt auf Strafe und Einschüchterung, wie es damals üblich ist. "Er wollte nicht Vorgesetzter sein, sondern Freund", so Hartmann.

Das große Verständnis von Don Bosco für Nöte von Heranwachsenden hängt möglicherweise mit seinen eigenen Erfahrungen zusammen. Geboren wird er am 16. August 1815 als armer Bauernsohn im kleinen Dorf Becci bei Turin. Sein Vater stirbt, als Giovanni zwei Jahre alt ist. Seine Mutter muss ihn und seine beiden Brüder allein groß ziehen. Schon früh muss er bei der Feldarbeit helfen, später als Knecht und Hilfsarbeiter in Nachbarorten. Halt in seinem Leben gibt ihm seine Mutter. Später unterstützt sie ihn auch ganz praktisch: Sie kocht und näht im Oratorium.

Pädagogischer Visionär

Don Bosco legt Wert darauf, dass die Jugendlichen zur Schule gehen, eine Ausbildung machen und anschließend arbeiten. Dafür setzt er sich persönlich ein. Auch strukturelle Verbesserungen stößt er an: "Er brachte die Arbeitgeber dazu, Lehrverträge zu machen, die Prügelstrafe abzuschaffen, und es gelang ihm, das Recht auf Freizeit durchzusetzen", sagt Hartmann. Auch im Bereich der Erziehung habe sich Don Bosco visionär verhalten und schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Art Erlebnis-, Ressourcen- und Beziehungspädagogik betrieben.

Don Bosco gibt seiner Arbeit eine feste Struktur: 1859 gründet er den Salesianerorden, den er nach seinem Vorbild, dem Kirchenlehrer Franz von Sales, benannt hat. Der Orden ist heute in über 150 Ländern präsent und setzt das Lebenswerk von Don Bosco fort, der am 31. Januar 1888 in Turin gestorben ist. Der 1934 heiliggesprochen Italiener gilt als "Apostel der verlassenen Jugend".

Stand: 31.01.2013

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