Stichtag

24. Februar 1582 - Papst Gregor XIII. verkündet die Kalenderreform

Die Gestirne sind die Ur-Uhr der Weltgeschichte. Sonne und Mond, so steht es im Buch Genesis, sollen als Zeichen dienen für Zeiten, Tage und Jahre. Dumm nur für die Astronomen der Frühzeit, dass Sonne und Mond nicht synchron laufen und die alttestamentarische Kalendervorgabe damit zu einem mathematisch unlösbaren Dilemma führt.

Eine Erdumlauf des Mondes dauert etwa 29 Tage, 12 Stunden. Ein Mondjahr von 12 Monaten hat damit eine Länge von 354 Tagen. Das Sonnenjahr aber, also der Zeitraum von einer Frühjahrs-Tagnacht-Gleiche zur anderen, dauert 365 Tage, 5 Stunden und 48 Minuten. So ist das Sonnenjahr rund 11 Tage länger als das Mondjahr. Die Astronomen der Antike überbrücken die Differenz, indem sie gelegentlich, aber ohne feste Regel, einen 13. Schaltmonat einfügen. Erst Julius Cäsar bringt im Jahr 46 vor Christus Ordnung in diese Willkür.

Elf problematische Minuten

Der nach Cäsar benannte Julianische Kalender basiert allein auf dem Sonnenjahr. Die 5 Stunden, 48 Minuten werden zu 6 Stunden, also einem Viertel Tag aufgerundet. Wenn nun alle vier Jahre ein Tag dazugeschaltet wird, stimmt die Rechnung (beinahe) wieder. Außerdem ordnet Cäsar an, den Jahresbeginn vom 21. März, dem Datum der Tagnacht-Gleiche, auf den 1. Januar zu verlegen. Einen kleinen rechnerischen Mangel weist allerdings auch der Julianische Kalender auf: Cäsars Jahr ist rund elf Minuten zu lang.

Doch was machen schon elf Minuten in einer Zeit aus, in der die allermeisten Menschen ihr Tagwerk am Stand der Sonne und ihr Jahr nach Saat, Ernte und Feiertagen einteilen? Problematisch wird der Überhang, weil die Kirche im Jahr 325 durch die Hintertür das Mondjahr wieder einführt. Ostern, das höchste Christenfest, soll auf Beschluss des Konzils von Nicäa immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn am 21. März stattfinden.

Protestanten verfluchen päpstliche Reform

1.600 Jahre später, im 16. Jahrhundert, herrscht wegen Cäsars unpräziser Schalttagsregel heillose Verwirrung um den Ostertermin. Die unscheinbare Kalenderabweichung von elf Minuten hat sich zu vollen zehn Tagen summiert. Der astronomische Frühlingsanfang fällt so kalendarisch nicht mehr auf den 21., sondern auf den 11. März. Damit, wie einst vom Nicäa-Konzil beabsichtigt, alle Christen wieder am selben Tag Ostern feiern, gibt Papst Gregor XIII. eine Korrektur der julianischen Schaltregel in Auftrag. Grundlage dafür sind die bislang vom Vatikan unterdrückten Berechnungen der Planetenbahnen durch Nikolaus Kopernikus.

Am 24. Februar 1582 verfügt Gregor XIII. in seiner Bulle "inter gravissimas", dass in einem Zyklus von 400 Jahren dreimal nicht geschaltet wird, und zwar zu den vollen Jahrhunderten. Die eingetretene zehntägige Zeitverschiebung rückt der Papst radikal zurecht: "Daher ordnen wir an und befehlen, dass von dem Monat Oktober des Jahres 1582 zehn Tage vom 5. Oktober bis zum 14. Oktober einschließlich herausgenommen werden."

Die christlich-orthodoxen Patriarchen weigern sich, die Reform anzuerkennen. Bis heute feiert die Ostkirche dehalb ihr Osterfest nach dem julianischen Kalender. Auch die Protestanten verfluchen Gregors Reform lange als "trojanisches Pferd, dessen verhängnisvoller Inhalt die evangelischen Kirchen unter päpstliche Knechtschaft zwingen" soll. Erst im 18. Jahrhundert setzt sich der bis heute gültige Gregorianische Kalender im ganzen Abendland durch. Dass der streng genommen auch einige Sekunden zu lang ist, lässt sich mittelfristig verschmerzen. Erst in 3.333 Jahren wird daraus wieder ein ganzer Tag. 

Stand: 24.02.2012

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