Stichtag

6. Juli 1971 - Louis Armstrong stirbt in New York

Er ist ein leidenschaftlicher Mensch: Der US-Amerikaner Louis Armstrong raucht sein Leben lang Marihuana, ist vier Mal verheiratet, hat zahlreiche Affären, schwärmt für gutes Essen und nimmt täglich Abführmittel - wegen deren angeblich reinigenden Wirkung. Seine größte Passion aber ist das Trompetenspiel. Er gilt als "King of Jazz". Dank seines virtuosen Trompetenspiels wird aus dem Ghetto-Kind ein reicher Mann: Daniel Louis Armstrong kommt am 4. Juli 1901 in New Orleans als Sohn armer afroamerikanischer Eltern zu Welt. Er wächst im "Colored District" auf, dem Slum für Farbige. Seine Mutter schlägt sich als Prostituierte durch, sein Vater arbeitet in einer Terpentinfabrik und verlässt die Familie bald. Als Louis in der Silvesternacht 1912 mit einer Waffe in die Luft schießt, wird er verhaftet und in ein Erziehungsheim gesteckt. In der dortigen Band bläst er das Kornett, ein trompetenähnliches Instrument, und steigt zum Bandleader auf. Ihm ist klar, dass er Musiker werden will.

Beeindruckende Genialität

Als Armstrong mit 15 Jahren aus dem Heim entlassen wird, nimmt er Gelegenheitsjobs auf Mississippi-Dampfern an, tingelt durch Kneipen, Bordelle und spielt in den Straßen von New Orleans. "Als junger Typ war ich in einem Blasorchester, und King Oliver suchte einen Kornett-Spieler", sagt Armstrong später. Oliver habe ihm dann 1917 eine Chance gegeben. Als Oliver ein Engagement in Chicago annimmt, lädt er Armstrong 1922 ein, in seiner Creole-Jazzband mitzuspielen. Der junge Armstrong stiehlt dem großen Oliver die Show - und erhält das Angebot, bei Fletcher Henderson mitzuspielen, dem damals berühmtesten Bigband-Leader in New York. Armstrong zieht an den Hudson. Er spielt mittlerweile Trompete und beeindruckt den damaligen Startrompeter Greg Steward mit seiner Genialität: "Ich wurde verrückt, wie alle anderen auch." Er habe versucht, wie Armstrong zu sprechen und zu essen. "Ich stand vor seiner Wohnungstür und wartete darauf, dass er raus kam", so Steward. "Schließlich schaffte ich es, ihm die Hand zu geben und mit ihm zu reden."

"Es kommt darauf an, wie du spielst"

Armstrongs unerreichte Technik, seine harmonische Sicherheit und die Leichtigkeit der Improvisation zeichnen seinen Stil aus. Wegen seines großen Mundes wird er "Satchmo" genannt - eine Verkürzung seines Spitznamens "Satchelmouth". Seinen Mund benutzt er nicht nur zum Trompetespielen. Er macht auch den "Scatgesang" - ein improvisiertes Singen bedeutungsloser Silben zur Nachahmung instrumentaler Phrasen - im Jazz populär. Mit 31 Jahren beginnt Armstrong, um die ganze Welt zu touren. Er ist ein guter Entertainer, lächelt gewinnbringend, ist freundlich zu den Fans und stürmt mit Hits wie "Hello Dolly" und "C'est si bon" die Charts.

Jazz-Puristen nehmen es ihm übel, dass er gefällige Schlager aufnimmt. Armstrong, der am 6. Juli 1971 in New York stirbt, sagt dazu: "Es gibt nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte. Es kommt nicht darauf an, was du spielst, sondern wie du spielst."

Stand: 06.07.2011

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist in den vier Wochen nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.