7. August 1991 - ARD-Talkshow "Boulevard Bio" startet

Stand: 07.08.2016, 00:00 Uhr

"Kölner Treff", "Bio's Bahnhof", "Mensch Meier" - Alfred Biolek moderiert im WDR-Fernsehen Unterhaltungsshows, bevor er dem Sender vorschlägt, einen wöchentlichen Talk zu produzieren. Am 7. August 1991 ist es soweit: Um 23 Uhr läuft "Boulevard Bio" erstmals in der ARD. Aufgenommen wird die einstündige Sendung im einstigen Ballett-Probensaal des ehemaligen Kölner Sprungbrett-Theaters. Der Blick aus den bodentiefen Fenstern zeigt die nächtliche Domstadt.

"Nach vielen Jahren haben wir dann aus dem Ballettsaal ein Wohnzimmer gemacht", sagt Klaus Michael Heinz, der die WDR-Sendung redaktionell betreut hat. Das Wohnzimmer habe einen großbürgerlichen Touch gehabt - "aber eben nicht nur Klassizismus, sondern gebrochen durch moderne Kunst. Das war genau der Stil von Alfred". Wichtige Requisiten sind ein frischer Blumenstrauß, ein Klavier mit einem Teeservice darauf, ein Rotwein-Regal, zwei zeitgenössische Gemälde und Batavia-Stühle mit runden Holzlehnen und geflochtenen Sitzflächen. Darauf nehmen sowohl Unbekannte, als auch Prominente Platz.

"Keine Interviews, sondern Gespräche"

Rund 2,5 Millionen Zuschauer sind regelmäßig dabei, wenn Biolek am späten Dienstagabend auf Sendung geht. Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen nennt die Talkrunde im Ersten "ein Hochamt gepflegter Konservation auf intelligentem Niveau". Der promovierte Jurist Biolek, der in den 1960er Jahren als Quereinsteiger zum Fernsehen gekommen ist, prägt seinen eigenen Stil: "Ich führe keine Interviews, ich führe Gespräche mit Gästen." Er sei kein Journalist, der aggressiv interviewe und bestimmte Antworten erwarte, sondern Gastgeber.

"Das war das entscheidende Kriterium dieser Sendung: Ich habe Menschen eingeladen, so wie ich jemanden, irgendwelche Freunde einlade", erinnert sich Biolek. "Und ich wollte mit den Leuten einfach Gespräche führen. Gespräche führen über das Spezielle, was ihr Leben uns sagt." Diese höfliche, respektvolle Art, auch im Gespräch mit Politikern, wird ihm oft vorgeworfen, aber er hält daran fest: "Weil ich es nicht anders kann, das ist einfach so mein Wesen."

"Live versetzt" gesendet

"Boulevard Bio" wird jeweils zwei Stunden vor der Ausstrahlung im Fernsehen aufgezeichnet. "Der Vorteil ist, dass alle Beteiligten frischer sind als zum Sendetermin nachts um elf", erklärt Biolek 1992 in einem Interview. Es werde aber quasi "live versetzt" gesendet. "Nichts wird geschnitten, jeder Patzer bleibt drin." Auch die Fragen seien nicht abgesprochen. "Denn ich lerne die Gäste erst kurz vor der Sendung kennen."

Nach zwölf Jahren und 485 Folgen ist Schluss: "Boulevard Bio" wird im Jahr 2003 zum letzten Mal ausgestrahlt. Biolek will aufhören, wenn es am schönsten ist.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

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