25. August 1967 - Start des Farbfernsehens in Deutschland

Logo für die Erstausstrahlung einer Sendung in Farbe

25. August 1967 - Start des Farbfernsehens in Deutschland

An der Unterseite des Fernsehers eventuell austretende Farbreste sind für Mensch und Haustier völlig unschädlich. Mit etwas Zitrone seien sie mühelos aus Haargarn und Bettwäsche zu entfernen, beruhigt Loriot alias Vicco von Bülow die Bunt-Seher der ersten Stunde.

Die Empfehlung des Humoristen ist allerdings unbegründet: Alle 6.000 Farbfernseher in deutschen Stuben halten dicht, als vor 50 Jahren das Color-Zeitalter anbricht – obwohl die neue Farbpracht anfangs noch ein wenig grell ausfällt. Die rund 13 Millionen Schwarz-Weiß-Fernseher sehen dagegen auf einen Schlag ziemlich alt aus.

Start des Farbfernsehens in der BRD (am 25.08.1967)

WDR 2 Stichtag | 25.08.2017 | 04:16 Min.

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Frauen und Farbfernsehen

Mehr als 200 Millionen Mark haben ARD, ZDF, Bundespost und Geräteindustrie investiert, damit 15 Jahre nach dem Start des Farbfernsehens in den USA auch die Bundesdeutschen bunt gucken können. Kritische Geister warnen jedoch vor der neuen Farbgewalt. "Strahlengefahr durch Bunt-Bildschirm" und "Albträume beim Farbfernsehen" titelt die Boulevardpresse. Ein Psychologe erklärt: "Die Reizintensität wächst mit der Farbe, und da die Reizintensität auch mit Emotionalität zu tun hat, wird im Allgemeinen die Frau sehr viel stärker angesprochen als ein rational denkender Mann."

Nicht nur die Sehgewohnheiten der Geschlechter, auch die Arbeit von Kameraleuten und Bühnenbauern, Kostüm- und Maskenbildner ändert sich nun erheblich. Weißes ist vor der Kamera plötzlich tabu, reflektierendes Glas oder Metall darf nicht mehr ins Bild, Farben müssen aufeinander abgestimmt werden. Und weil die Kameras sehr lichtunempfindlich sind, müssen ganze Batterien von Scheinwerfern aufgestellt werden. Diese wiederum heizen die Studios auf tropische Temperaturen auf.

Fehlstart bei der Farb-Premiere

Völlig neue Schminke muss entwickelt werden, die der Mordshitze standhält und die Akteure nicht wie bemalte Clowns aussehen lässt. Auch die noch große Mehrheit der Schwarz-Weiß-Seher darf nicht vergessen werden. Die brauchen, etwa bei Fußball-Trikots, weiterhin starke Kontraste, damit ihr alter Fernseher nicht nur einheitliches Grau wiedergibt. Mit der kleinen Panne, die sich dann bei der großen Galapremiere des deutschen Farbfernsehens ereignet, hatte allerdings niemand gerechnet.  

Willy Brandt drückt symbolisch einen roten Knopf

Willy Brandt beim "Fehlstart" des deutschen Farbfernsehens

Als Vize-Kanzler Willy Brandt (SPD) auf der Berliner Funkausstellung am 25. August 1967 seinen Daumen auf den Startknopf legt, erstrahlt die Farbe Sekunden zu früh. Brandt zögert nämlich das Drücken des nur als Attrappe dienenden Buttons etwas hinaus und überrumpelt damit die Techniker hinter den Kulissen. Der Fehlstart bleibt aber die einzige Panne, die das von Professor Walter Bruch entwickelte Farbfernsehen "made in Germany" erlebt.

PAL schlägt NTSC

Durch wesentliche Verbesserungen des US-Farbsystems NTSC ist es Bruch gelungen, dessen notorische Instabilität auszuschalten. "Never The Same Color" hatten Kritiker spöttisch die NTSC-Norm getauft, die regelmäßig Gesichter binnen Sekunden von Zornesröte über ungesundes Grün zu blassem Blau changieren lässt. Schuld daran, so findet der Telefunken-Ingenieur Bruch heraus, sind Fehler beim Übertragen der Farbsignale. Ohne Unterstützung seines Unternehmens erfindet er ein System, das Farben brillant und stabil wiedergibt.

1963 kann Walter Bruch sein überlegenes PAL-System (Phase Alternating Line) erfolgreich vorführen und als Farbfernsehnorm in der Bundesrepublik durchsetzen. Nach eigenen Worten verzichtet der Erfinder freiwillig darauf, dem neuen System seinen Namen zu geben: "Bruch-Fernsehen, wie klingt denn das?" Bei den deutschen Zuschauern ist Schwarz-Weiß schon fünf Jahre nach Willy Brandts historischem Tastendruck out. Als ARD und ZDF Anfang der 70er-Jahre alle Programme komplett in Farbe ausstrahlen, haben sich bereits 1,5 Millionen Deutsche einen teuren Farbfernseher geleistet.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 25. August 2017 ebenfalls an den Start des Farbfernsehens. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 25.08.2017, 00:00