30. März 1867 - Russland verkauft Alaska an die USA

Stand: 30.03.2017, 00:00 Uhr

Die ersten Europäer, die Alaska erreichen, sind Russen. Sie haben einen weiten Weg hinter sich: In der Mitte des 16. Jahrhunderts beginnen sie unter Iwan dem Schrecklichen, zunächst Sibirien zu erobern. Kosaken und Bauern dringen immer weiter nach Osten vor. Mitte des 17. Jahrhunderts erreichen russische Siedler die Küste des Nord-Pazifiks. 1732 schickt Zarin Anna Iwanowna schließlich eine Expedition los - mit dem Auftrag, einen Seeweg nach Amerika zu finden.

1741 erreichen die Seefahrer Vitus Bering und Alexei Tschirikow die Küste Alaskas und die Aleuten-Insel. Ihnen folgen bald die ersten Pelztierjäger. Robbenfelle und Seeotterpelze bringen hohe Gewinne. Zunächst geht es ums Geschäft, nicht um die koloniale Inbesitznahme Alaskas.

Ureinwohner als Zwangsarbeiter

Ende des 18. Jahrhunderts wächst die Konkurrenz an der Westküste Amerikas. Briten und Spanier beanspruchen Land. Zar Paul I. reagiert 1799 mit der Gründung der Russisch-Amerikanischen Kompagnie, eine halbstaatliche Monopolgesellschaft für den Handel mit Pelzen. Eine systematische Kolonisierung Russisch-Amerikas beginnt.

Das hat einschneidende Folgen für die Ureinwohner: Die Tlingit und die Alutiiq werden zur Jagd gezwungen. Ihre Beute müssen sie gegen einen vorher festgelegten Preis abliefern. Meistens erhalten sie aber kein Geld, sondern Tee, Tabak und Güter, die sie selbst hergestellt haben. "Also ein völlig absurdes System", sagt Professorin Martina Winkler, Osteuropa-Historikerin aus Bremen. Der angebliche Handel sei getarnte Zwangsarbeit gewesen.

Sinkende Profite, militärische Schwäche

Nach wenigen Jahrzehnten ist der Seeotter in Russisch-Alaska fast vollständig ausgerottet. Die Probleme wachsen aus russischer Sicht: Die Versorgung der weit entfernten Kolonie wird schwieriger, die Konkurrenz größer, die Profite immer geringer. Ende der 1850er Jahre denkt man am Zaren Hof in Sankt Petersburg darüber nach, die fernen Besitzungen abzustoßen. Der Krimkrieg war verloren gegangen und hatte die russische Expansion in Südosteuropa gestoppt.

Die militärische Schwäche wirkt sich auf die russischen Überlegungen aus: "Wenn die Briten versuchen, Russisch-Amerika einzunehmen, haben wir gar keine Chance", fasst Historikerin Winkler die Argumentation zusammen. "Dann können wir es auch verkaufen, dann haben wir wenigstens noch etwas davon." Zar Alexander II. bietet deshalb den Vereinigten Staaten Alaska zum Verkauf an: Am 30. März 1867 wechselt das Gebiet für 7,2 Millionen Dollar den Besitzer.

Im Rückblick ein Schnäppchen

Aus damaliger Sicht ist der Deal eine Win-Win-Situation. Die Amerikaner können die Parole "Amerika den Amerikanern" - nach der Monroe-Doktrin von 1823 - bedienen. Die Russen können sich Zentralasien zuwenden, wo es noch riesige Gebiete für das Zarenreich zu erschließen gibt.

Erst Jahrzehnte später wird bekannt, wie reich Alaska an Bodenschätzen ist.

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