Waren Ausführungsfehler die Ursache?

Fünf Jahre nach Stadtarchiv-Einsturz

Waren Ausführungsfehler die Ursache?

Fünf Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs steht die Ursache immer noch nicht fest. Die Stadt Köln teilte am Montag (24.02.2014) mit, dass vermutlich Ausführungsfehler beim U-Bahn-Bau die Katastrophe verursacht haben. Letzte Gewissheit gibt es aber noch nicht.

Ausführungsfehler der am U-Bahn-Bau beteiligten Firmen seien die "wahrscheinlichste Schadensursache", auch wenn der letzte Beweis noch fehle. Das sagte der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen am Montag (24.02.2014) bei einer Pressekonferenz mit dem technischen Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zum fünften Jahrestag des Stadtarchiv-Einsturzes am 3. März. Ende dieses Jahres werde der Einsturz "aller Voraussicht nach" aufgeklärt sein, berichtete Kahlen weiter. Dann sei die mögliche Schadstelle in einer Wand der U-Bahn-Baustelle von Gutachtern untersucht worden.

Tauchgänge sollen Klarheit schaffen

Die Beweise schlummern in 20 bis 30 Metern Tiefe unter dem Grundwasserspiegel. Möglicherweise führte ein großes Loch in einer Wand der U-Bahn-Baustelle dazu, dass der Boden unterhalb des Archivs abrutschte und das Gebäude dadurch einstürzte. Um festzustellen, ob die Wand tatsächlich Löcher hatte, müssen Gutachter nach unten. Klarheit sollen Tauchgänge im Laufe des Jahres bringen. Spezialisten aus den Niederlanden sollen dann unterhalb des Grundwasserspiegels die mögliche Schadstelle ausfindig machen.

Schwierige Aufarbeitung

Warum das alles erst nach fünf Jahren passiert, fragen sich viele Kölner - allen voran die Mitglieder der Bürgerinitiative "Köln kann auch anders". Sie verfolgt die Aufarbeitung der Katastrophe besonders kritisch. Die Stadt erklärte dazu, man habe erst das in der Grube liegende Archivmaterial bergen müssen und danach musste die Unfallstelle so gesichert werden, dass die Beweisspuren nicht durch neue Erdverschiebungen vernichtet werden konnten.

Große Risse schon vor dem Einsturz

Guido Kahlen, Stadtdirektor Köln

Kölns Stadtdirektor Guido Kahlen: Einsturzursache wohl bis Jahresende geklärt

"Wir gehen davon aus, dass wir ein Loch in der Schlitzwand finden werden", sagte am Montag der technische Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), Jörn Schwarze. Weitere Untersuchungen sollen ausschließen, dass der Einsturz durch einen plötzlichen und nicht vorhersehbaren Wassereinbruch ausgelöst wurde. In einem solchen Fall träfe die Bauunternehmen keine Schuld. Laut Stadtdirektor Kahlen habe man "noch keine abschließenden Erkenntnisse" darüber, ob das Unglück hätte verhindert werden können. Schon lange vor dem Einsturz waren in dem Archiv und in vielen anderen Gebäuden an der Strecke große Risse aufgetreten.

106 Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen 106 Beschuldigte benannt - wohl auch, um eine Verjährung am fünften Jahrestag des Einsturzes, dem 3. März, zu verhindern. Ob es auch zu Anklagen gegen Verantwortliche bei den Kölner Verkehrs-Betrieben, Baufirmen, Fachplanern und Subunternehmern kommt, hängt ganz davon ab, ob das Loch in der Wand gefunden wird.

Zwei Tote und ein Milliardenschaden

Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 03.03.2009 waren zwei junge Anwohner ums Leben gekommen. Zudem entstand ein Sachschaden von schätzungsweise einer Milliarde Euro. Die Trümmer begruben 30 Regalkilometer an Dokumenten, darunter alle Protokolle des Stadtrates seit 1320. Zu den wertvollsten Stücken gehörte die Originalhandschrift des "Buchs der Tiere" von Albertus Magnus aus dem 13. Jahrhundert. 95 Prozent des Archivguts wurde aus den Trümmern und dem Grundwasser geborgen. Die restlichen fünf Prozent sind unwiederbringlich verloren.

Die Restaurierung aller Archivalien wird vermutlich 30 bis 40 Jahre dauern. Wollte ein Restaurator allein die Mammutaufgabe bewältigen, wäre er rund 6.300 Jahre damit beschäftigt.

Stand: 24.02.2014, 16:20

Weitere Themen