Der Provokateur

Der Provokateur

Theo van Gogh war ein Enfant terrible, am 23. Juli 2017 wäre er 60 Jahre alt geworden. Der niederländische Filme- und Meinungsmacher liebte es auszuteilen. Gegen Muslime, Christen, Juden. 2004 kostete ihn diese Haltung bei einem Mordanschlag das Leben.

Theo van Gogh

Theo van Gogh, ein Urenkel von Theo van Gogh, dem Bruder Vincent van Goghs, wurde zeitlebens mit widersprüchlichen Charakterisierungen belegt: "geistesgestört, (…) ein gequälter Mensch", meint Abdelkader Benali, niederländischer Schriftsteller. "Er war ein schwergewichtiges Großmaul, dessen Familienname Erwartungen weckte und Frustrationen hervorrief." Theodor Holman, Zeitungskolumnist und Freund van Goghs aus Amsterdam sagt über ihn: "Theo war ein Sohn der Stadt, aber ein aufmüpfiger Sohn. Er war das schwarze Schaf, der Hofnarr der Stadt." Und: "Eine ganz warme, kreative, autistische Persönlichkeit. Das war er."

Theo van Gogh, ein Urenkel von Theo van Gogh, dem Bruder Vincent van Goghs, wurde zeitlebens mit widersprüchlichen Charakterisierungen belegt: "geistesgestört, (…) ein gequälter Mensch", meint Abdelkader Benali, niederländischer Schriftsteller. "Er war ein schwergewichtiges Großmaul, dessen Familienname Erwartungen weckte und Frustrationen hervorrief." Theodor Holman, Zeitungskolumnist und Freund van Goghs aus Amsterdam sagt über ihn: "Theo war ein Sohn der Stadt, aber ein aufmüpfiger Sohn. Er war das schwarze Schaf, der Hofnarr der Stadt." Und: "Eine ganz warme, kreative, autistische Persönlichkeit. Das war er."

Zusammen mit der liberalen Parlamentsabgeordneten und Frauenrechtlerin Hirsi Ali erstellte Theo van Gogh den islamkritischen Kurzfilm "Submission". Er handelt von vier muslimischen Frauen, die über ihre Missbrauchserfahrungen sprechen. Unter anderem sind ihre mit Koran-Suren beschriebenen und von Peitschenhieben gezeichneten Körper zu sehen. Hirsi Ali erhielt nach der Ausstrahlung des Films mehrfach Morddrohungen.

Bis zu seinem Tod arbeitete Theo van Gogh an einem Film über den niederländischen Politiker und Rechtspopulisten Pim Fortuyn. Van Gogh war mit ihm befreundet. 2002 wird der Tierschutzgegner, Islam- und Kirchenkritiker Fortuyn selbst Opfer eines Mordanschlags. Van Gogh wollte in seinem Film die Hintergründe der Tat beleuchten.

Van Gogh schrieb Zeitungskolumnen. Auch mit ihnen zog er immer wieder den Hass unterschiedlicher Glaubensgemeinden auf sich. Jesus verspottete er als  "vergammelten Fisch von Nazareth". Seine Karikatur "Zwei kopulierende gelbe Sterne in der Gaskammer" brachte ihm eine Klage wegen Antisemitismus ein. Den Propheten Mohammed nannte er "Ziegenficker Allahs". Über van Goghs Motivation sagt sein Freund Theodor Holman: "Wenn er von etwas getrieben wurde, dann von seinem Kampf gegen Heuchelei".

Mit dieser Haltung eckte er an - selbst in der vermeintlich offenen niederländischen Gesellschaft. Van Gogh schätzte sich als Lieferant kalkulierter Geschmacklosigkeiten, im Feuilleton, in TV-Diskussionen. Und doch war es ihm ernst. Im Fernsehen sagte er einmal: "Wenn man sich mal die Konflikte der vergangenen Jahre anschaut, das Verbot von Theaterstücken, die Aggression gegen Frauen, (…) dann hat das mit der islamischen Kultur zu tun. (...) Wir werden immer mehr zu einer Gesellschaft, wo eine immer aggressivere islamische Minderheit unsere Freiheit bedroht."

Am 2. November 2004 erschoss Mohammed Bouyeri, ein radikalisierter Niederländer mit marokkanischen Wurzeln, Theo van Gogh. Im folgenden Prozess gab Bouyeri an, er habe aus religiöser Überzeugung gehandelt. Nach den Schüssen stach der Mörder auf sein Opfer ein und versuchte, ihn mit einer Machete zu enthaupten. Bouyeri hinterließ am Tatort einen Zettel, auf dem unter anderem stand: "Der Islam wird mit dem Blut der Märtyrer die Welt erobern."

Noch am Abend der Ermordung versammelten sich in Amsterdam zehntausende Menschen. Die Meinungen gingen in der Folge stark auseinander. Seit dem Mord am Populisten Pim Fortyun war der Ton in den Niederlanden in der Diskussion um kulturelle und religiöse Toleranz rauer geworden. Nach van Goghs Ermordung flammte diese Debatte noch greller auf.

Autor des Radiobeitrags: Martin Herzog

Stand: 20.07.2017, 10:57 Uhr