Die CIA - wenn Sicherheit über alles geht

Die CIA - wenn Sicherheit über alles geht

Vor 70 Jahren entstand eine der mächtigsten Behörden der Welt: die CIA. Von den Amerikanern gegründet, um dem Kommunismus Einhalt zu gebieten, machte es auch durch Skandale von sich reden. Das ZeitZeichen blickt auf die Geschichte des US-Auslandsgeheimdienstes und seine teils rechtswidrigen Praktiken.

Schwarz-weiß Bild: Vier Menschen stehen im Vordergrund, hinter ihnen Ant-CIA-Demo-Banner

Philipp Agee (r.) gilt als der erste Whistlebower in der Geschichte der CIA. In den 1960er Jahren wird er als ihr Mitarbeiter in Urugay Zeuge von Folterungen. Die CIA mischt damals Spitzel unter die Tupamaros, die linke Guerillabewegung des Landes. Und hilft der uruguayischen Polizei bei der Verfeinerung ihrer Foltertechniken. Agee wird nachdenklich, quittiert seinen Dienst und schreibt 1974 ein Buch über die illegalen Machenschaften der CIA: "Inside the Company".

Philipp Agee (r.) gilt als der erste Whistlebower in der Geschichte der CIA. In den 1960er Jahren wird er als ihr Mitarbeiter in Urugay Zeuge von Folterungen. Die CIA mischt damals Spitzel unter die Tupamaros, die linke Guerillabewegung des Landes. Und hilft der uruguayischen Polizei bei der Verfeinerung ihrer Foltertechniken. Agee wird nachdenklich, quittiert seinen Dienst und schreibt 1974 ein Buch über die illegalen Machenschaften der CIA: "Inside the Company".

Der Insiderbericht Philipp Agees löst ein Erdbeben aus. Auch andere reden. Es kommt ans Licht, dass Richard Nixon (Bild) den Befehl erteilte, Salvador Allende zu stürzen, den vom chilenischen Volk frei gewählten sozialistischen Präsidenten. Und dass die CIA verantwortlich ist für den Putsch, in dessen Verlauf sich Allende 1973 - vermutlich - erschoss, während Augusto Pinochet schon seine Militärdiktatur installierte.

Drei Tage vor Weihnachten 1975 in der "New York Times": eine Titelstory des Investigativreporters Seymour Hersh. Inhalt: Die CIA habe im Auftrag John F. Kennedys zwei Dutzend Komplotts entwickelt, um Fidel Castro zu ermorden. Hersh deckt außerdem auf, dass der Dienst jahrzehntelang die eigene Bevölkerung ausspioniert hat. Auf dem Hauptpostamt des Internationalen Flughafens in New York wurden seit den 1950er Jahren von CIA-Leuten hunderttausende Briefe geöffnet.

Die CIA und Szenarien wie im Film "Einer flog über das Kuckucksnest"? Durch Hersh erfahren die Amerikaner auch von geheimen Drogenexperimenten der CIA. Codename: MK-Ultra. Das Programm wird zum Inbegriff für die menschenverachtenden und rechtswidrigen Praktiken der CIA. Hintergrund: Man will es den Chinesen und Sowjets gleichtun, erklärt der Historiker Bernd Stöver von der Universität Potsdam. Von beiden nehmen die Amerikaner an, dass sie "eine spezielle Art der Gedankenkontrolle haben". Stöver: "'Einer flog über das Kuckucksnest' ist ein Film, der das aufnimmt." Die USA hätten verhindern wollen, dass amerikanische Gefangene im Koreakrieg überlaufen.

Auf dem Höhepunkt der Krise der CIA Mitte der 1970er Jahre richtet der Senat Untersuchungsausschüsse ein. Die geschätzt 17.000 CIA-Mitarbeiter werden in ihrem Handlungsspielraum massiv eingeschränkt, ihre Operationen einer stärkeren parlamentarischen Kontrolle unterworfen - zum ersten Mal in der Geschichte der CIA und fast 30 Jahre nach ihrer Gründung.

Am 26. Juli 1947 unterschrieb US-Präsident Harry Truman das nationale Sicherheitsgesetz. Mit diesem National Security Act wird die Central Intelligence Agency aus der Taufe gehoben. Ganz weit oben stehen Spionage und Sabotage, neben sehr viel Geld. Um jeden Preis wollen die USA als selbsternannter Hüter der freien Welt verhindern, dass Stalin seinen kommunistischen Machtbereich weiter nach Westen ausdehnt.

Den Anfang macht die CIA in Italien. 1947 finden dort Wahlen statt. Linke Politiker und Gewerkschafter werden gekauft, die CIA baut den italienischen Nachrichtendienst mit auf – und sucht Anschluss zur katholischen Kirche. Die droht damit, Wähler der Kommunistischen Partei zu exkommunizieren. Am Ende werden die Christdemokraten stärkste Partei.


1953 Operation Ajax: US-Präsident Eisenhower genehmigt den Sturz des frisch gewählten iranischen Premiers Mossadegh - aus Sorge um die Rohölversorgung der Vereinigten Staaten. Mohammad Mossadegh ist kein Kommunist, unterhält aber enge Kontakte zu Moskau und hat bereits vor Amtsantritt die Ölindustrie verstaatlicht. Die Operation gelingt, der Schah kehrt zurück aus dem italienischen Exil, persisches Öl strömt wieder gen Westen. 20 Jahre lang wird sich Schah Reza Pahlevi auf dem Thron halten, mit Unterstützung seiner berüchtigten Geheimpolizei, aufgebaut durch Agenten der CIA.

Einer der größten Feinde der USA sitzt auf Kuba. Doch der Kampf gegen den Kommunisten Fidel Castro mündet 1961 in das Debakel bei der US-Invasion in der Schweinebucht vor Havanna. Der Versuch des militärischen Angriffs auf Kuba durch von der CIA angeworbene Exil-Kubaner scheitert grandios. Danach haben die USA panische Angst, dass Castro seinen Machtbereich auf Lateinamerika ausdehnt. Die Folge: Bald stehen die Staatschefs von elf mittel- und südamerikanischen Staaten auf der Gehaltsliste der CIA.

Nach der großen Krise der CIA in den 1970er Jahren nehmen verdeckte Operationen unter Präsident Reagan wieder zu. 1979 marschieren die Sowjets in Afghanistan ein. Reagan sucht die Nähe zu fundamentalistischen Widerstandskämpfern. Er lässt sie ausbilden und mit Waffen versorgen – durch die CIA. Einer dieser afghanischen Krieger heißt Osama Bin Laden.

"Mit dem Ende des Kalten Krieges fällt die CIA in ein tiefes Loch. Der Hauptgegner ist weg. Und da kommt der islamistische Terrorismus gerade recht, wenn man so will. Das ist der neue Gegner", sagt der Historiker und Autor einer CIA-Monografie Bernd Stöver. Die Methoden der Bekämpfung bleiben die alten. In einem Papier gehe das Pentagon davon aus, so Stöver, dass der Krieg gegen den Terrorismus eine ähnliche Konstellation haben wird wie der Kalte Krieg. "Und was im Kalten Krieg gelernt worden ist, soll auch jetzt in dieser Auseinandersetzung angewandt werden."

Water Boarding, Schlafentzug oder psychischer Demütigung: US-Präsident George Bush genehmigt das Programm für sogenannte verschärfte Verhöre sechs Tage nach dem 11. September 2001. 2009 wurde es unter Obama offiziell eingestellt. Doch, so Historiker Stöver, "in Syrien beispielsweise, Thailand beispielsweise, auf Schiffen, auf internationalen Gewässern", an geheimen Orten dort, wird weiter gefoltert. "Aus amerikanischer Sicht ist das nicht illegal, sondern gehört zum Gesamtpaket der Operationen."

Autorin des Radiobeitrags: Almut Finck

Stand: 21.07.2017, 15:15 Uhr