Sind Öko-Plastiktüten wirklich umweltfreundlicher?

Plastiktüten

Die Kleine Anfrage - Umweltbilanz

Sind Öko-Plastiktüten wirklich umweltfreundlicher?

Von Mareike Ilsemann

Kunststoffmüll verseucht die Ozeane auf Jahrhunderte - die Haltbarkeit von Plastik ist zum Fluch geworden. Biokunststoffe dagegen sollen biologisch abbaubar sein. Sind diese Biokunststoffe ökologisch unbedenklich?

Meeresvögel, die an Plastikteilchen verenden und riesige Müllstrudel auf den Ozeanen – aufgrund dieser Bilder stehen viele Verbraucher Kunststoffen skeptisch gegenüber. Kunststoffe, die nicht recycelt oder verbrannt werden, belasten die Ökosysteme auf lange Zeit. Ob Einweg-Joghurtbecher, Einweg-Picknick-Geschirr oder Plastiktüten: Manche Unternehmen setzen mittlerweile auf sogenannte Biokunststoffe. Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Kartoffeln oder Holzabfällen hergestellt. Aber wie umweltfreundlich sind diese Biokunststoffe wirklich? 

Was ist "bio" am Biokunststoff?

Die Vorsilbe "bio"  im Begriff "Biokunststoff" bedeutet, dass der entsprechende Kunststoff auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt wurde und/oder biologisch abbaubar ist. Auch Kunststoffe, die aus Erdöl hergestellt worden sind, und biologisch abbaubar sind, dürfen als "Biokunststoff" bezeichnet werden. Der grüne "Sämling" oder "Keimling" zeichnet den Kunststoff als Biokunststoff auf. Der Verbraucher kann nicht bei allen Produkten erkennen, ob für die Herstellung auch Erdöl verwendet wurde.

Kunststoffe auf Pflanzenbasis

Biokunststoffe auf Basis von Biomasse bestehen aus Zellulose und Stärke. Sie werden aus Soja, Zucker, Holz, Kartoffeln oder Mais hergestellt, wie z.B. der Biokunststoff Polylactid (PLA). 

Beurteilung der Umweltbilanz

Um die vermeintliche Umweltfreundlichkeit von Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen zu beurteilen, muss die gesamte Produktionskette vom Anbau der Rohstoffe bis zur Entsorgung betrachtet werden. Anbauflächen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Landwirtschaftsfläche für Industrieprodukte geht als Anbaufläche für Nahrungsmittel verloren. Laut des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundstoffe an der Hochschule Hannover werden aber nur 0,01 Prozent der weltweiten Landwirtschaftsflächen für die Produktion von Biokunststoff genutzt.

Belastung von Böden und Gewässern

Egal, ob Mais als Nahrungsmittel, als Tierfutter oder für die Herstellung von Biokunststoffen angebaut wird - Landwirtschaft belastet aufgrund der Düngemittel immer die Böden und Gewässer. Deshalb ist beim Anbau von Pflanzen für den Biokunststoff möglichst auf nachhaltige Landwirtschaft zu achten. "Bio"-Kunststoff heißt jedoch nicht, dass die Rohstoffe auch biologisch angebaut worden sind.

Klimabelastung durch Transportwege

Beim Transport der Rohstoffe und Kunststoffe entsteht eine Klimabelastung durch Kohlenstoffdioxid und Feinstaub. Aber auch der Transport von herkömmlichem Kunststoff belastet Klima und Umwelt. Welche Kunststoffform klimaschonender ist, kann nur im Einzelfall beurteilt werden.

Sind Biokunststoffe wirklich kompostierbar?

"Entsorgung über die Biotonnen, wenn behördlich zugelassen" steht auf dem Etikett von Bioabfalltüten, die im Supermarkt zu kaufen sind. Sie können nach Aussagen der Hersteller für die Entsorgung des organischen Haushaltsmülls genutzt werden. Das Problem: In den meisten industriellen Kompostierungsanlagen werden Plastikartikel aussortiert und landen in den Verbrennungsanlagen. Die Sortierer können nicht erkennen, ob es sich um abbaubaren Biokunststoff oder Plastikabfall aus herkömmlichem Kunststoff handelt. Zudem zerfällt der Biokunststoff laut Aussagen der Kompostproduzenten in der dafür vorgesehenen Zeit nicht vollständig und bildet keinen Humus.

Fazit

Kunststoffprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen schonen fossile Ressourcen, das ist das Hauptargument der Bioplastikhersteller. Beim Anbau werden Böden und Gewässer unter Umständen ebenso belastet wie bei jeder anderen Form von Landwirtschaft. Wie bei anderen Kunststoffen fällt durch den Transport Kohlendioxid an. Die Biokunststoffe zerfallen schneller als herkömmliche Kunststoffe. Dabei bildet sich CO2 und Wasser. In der Praxis der Abfallwirtschaft in den Kommunen und Gemeinden landen Biokunststoffe aber meist in den Verbrennungsanlagen, weil sie nicht von herkömmlichen Kunststoffen zu unterscheiden sind. Experten halten deshalb Mehrweg-Produkte, möglichst aus langlebigen Materialien, für die ökologischste Alternative.

Redaktion:
Martin Gent

Stand: 18.06.2015, 16:05