Service Technik: Flugsimulatoren

Blick aus dem A 320-Cockpit

Service Technik: Flugsimulatoren

Von Melih Serter

Es ist der Traum Vieler: Selbst ein Flugzeug zu fliegen. Aber zum einen wissen die Meisten nicht, wie das funktioniert, und zum anderen kommt man nicht ins Cockpit eines Passagierflugzeugs. Außer man setzt sich in einen professionellen Flugsimulator.

Wer einen originalgetreuen Flugsimulator betritt, findet sich oft im Cockpit eines Airbus 320 oder einer Boeing 737 wieder. Es gibt aber auch Hubschraubersimulatoren. Bis auf den kleinsten Schalter sind alle Elemente aus dem echten Flieger im Nachbau vorhanden. Und jeder Knopf ist auch voll funktionstüchtig. Sogar die Triebwerksgeräusche oder Alarmsignale sind zu hören. Einige Anbieter haben auch das Vibrieren des Fliegers für ein authentischeres Fluggefühl in die Sitze integriert. Leistungsstarke, miteinander vernetzte Computer mit modernsten Prozessoren sorgen für eine vollkommen realistische Flugerfahrung. Ursprünglich waren Flugsimulatoren für angehende Piloten als Übungsgeräte gedacht. Inzwischen aber können auch Privatpersonen problemlos in ganz Deutschland auf dem Pilotensitz Platz nehmen.

3-D Effekt führt das Gehirn in die Irre

Meistens steht ein Flugsimulator in einem abgedunkelten Raum, der deutlich größer ist, als der Bug eines Flugzeuges. Denn neben dem Cockpit mit seiner gesamten Technik, muss auch die Landschaft simuliert werden. Nur so kommt ein Fluggefühl auf, wenn Pilot und Co-Pilot aus dem Fenster schauen. Um die Pilotenkabine herum ist deshalb eine konkave Leinwand in Form einer Halkugel gespannt. Auf diese projizieren mindestens drei aufeinander abgestimmte Beamer die detailgetreue Umgebung. Das Bild passt sich, ohne zu ruckeln, der Geschwindigkeit und der Höhe des Flugzeuges an und erzeugt so einen 3-D Effekt. Der ist sogar so real, dass man, je nach Neigungswinkel des Fliegers, automatisch mit dem Körper mitgeht. Auch wenn man weiß, dass man eigentlich waagerecht auf dem Boden steht bzw. sitzt.

Erfahrener Co-Pilot

Die Hand klebt fest am Sidestick (Joystick im Cockpit), um einen herum sind lauter Knöpfe, Monitore und Messgeräte, das Seitenruder wird mit den Füßen gesteuert und gleichzeitig muss man Flugroute, Höhe und Geschwindigkeit im Auge behalten und den Schub regulieren. Ein Mensch allein wäre völlig überfordert. Erst recht, wenn jemand noch nie ein Cockpit von innen gesehen hat. Deshalb wird, auch im Simulator, der Flugkapitän immer von einem Co-Piloten begleitet. Oft ist der ein erfahrener, echter Pilot mit Lizenz. Er erklärt die wichtigsten Instrumente und hilft den Flieger sicher zu starten, zu fliegen und wieder zu landen. Auch wenn das einzige, was abstürzen kann, der Rechner ist. Ins Schwitzen kommt der Flugkapitän trotzdem. Denn je nach Flugkenntnis kann das System von Anfänger bis Experte programmiert werden. Nicht selten üben erfahrene Piloten in den Simulatoren Triebwerkausfälle, oder Brände im Cockpit. Letzteres sogar mit Hilfe einer Nebelmaschine.

Teurer Spaß

Je nach Betreiber und Flugsimulator kostet die Erfahrung, eine Passagiermaschine zu fliegen, zwischen 100 und 200 Euro pro Stunde bzw. Kurs. Fast immer muss man vorher telefonisch einen Termin mit dem Anbieter vereinbaren. Hin und wieder findet man im Internet aber auch Sonderpreise auf den Seiten diverser Schnäppchenanbieter. Allerdings sollte bei diesen Schnäppchen das Angebot genauestens verglichen werden. Dass der Flug-Spaß nicht gerade günstig ist, liegt an der Technik und den Anschaffungskosten eines professionellen Flugsimulators. Schon die kleinen Simulatoren mit nur einem Flugzeug oder Hubschraubertyp kosten mehr als 200.000 Euro. Im Preis inbegriffen ist, neben der reinen Flugzeit im Simulator auch das Personal, meist ein erfahrener Flugzeugpilot, der für Adrenalin-Schübe und Schweiß-Ausbrüche bei Anfängern aber auch bei Piloten mit Lizenz sorgt.

Es geht auch billiger

Die günstigere Alternative ein Flugzeug zu steuern, ist der Kauf einer Simulationssoftware für den heimischen PC. Zwar hat man dabei nicht wirklich ein Cockpitfeeling, aber um die Grundlagen des Fliegens zu erlernen, reicht der Flugzeugsimulator für den heimischen Computer aus, versichern auch erfahrene Piloten. Viele empfehlen hier das Programm "X-Plane 10" oder den Klassiker "FSX". Sowohl die Eigenschaften der unterschiedlichen Flugzeugtypen, als auch die detailgetreuen Flughäfen und Landschaften seien bei beiden Programmen überaus gelungen. Allerdings empfiehlt sich hierbei auch die passende Flugzeug-Hardware. Ohne Sidestick und Pedale entsteht nur ein halbes Fluggefühl.

Redaktion:
Michael Stein

Service Technik ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Leonardo. Zu hören montags zwischen 15.05 Uhr und 17.00 Uhr.

Stand: 11.01.2016, 16:05