Hüftschaden durch Pucken? Das sagt die Wissenschaft

Baby in Pucktuch

Hüftschaden durch Pucken? Das sagt die Wissenschaft

Von Christiane Tovar

Pucken, so nennt man es, wenn Babys so eng eingewickelt werden, dass nur noch der Kopf herausschaut. Hebammen empfehlen das Pucken häufig, wenn Kinder sehr unruhig sind. Doch das Pucken ist umstritten und gerade wieder in der Diskussion.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hat auf ihrem jüngsten Kongress darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder durch das enge Wickeln Hüftschäden bekommen können. Dass Pucken der Hüfte schaden könnte, zeigen Studien schon länger. In den 1950er Jahren haben Wissenschaftler zum Beispiel herausgefunden, dass bei Navajo-Babys viel häufiger Fehlstellungen der Hüfte auftraten als bei anderen Kindern. Die Säuglinge wurden sehr eng eingewickelt und dann auf ein Brett gebunden. Das schnallten sich die Mütter auf den Rücken und hatten so ihre Kinder immer bei sich.

Pucken und das Hüftgelenk

Eine Besonderheit beim Pucken ist die Stellung der Beine. Sie sind komplett ausgestreckt. So entstehen Scherkräfte, die die Gelenkpfanne daran hindern können, zu wachsen, sagt die DEGUM-Expertin und Kinderorthopädin Tamara Seidl. Sie behandelt schon lange Kinder mit Hüftdysplasien. So nennt man die Fehlstellung der Hüfte, die entsteht, wenn die Pfanne des Hüftgelenks nicht richtig ausgebildet ist. Wird die Dysplasie nicht behandelt, können Gehbehinderungen die Folge sein.

Erfahrungen in anderen Ländern

Australische Wissenschaftler konnten belegen, dass es immer mehr Kinder mit Hüftdysplasien gibt. Und viele dieser Kinder wurden gepuckt. Aus der Türkei gibt es ebenfalls Zahlen. Bei gepuckten Babys wurden demnach überdurchschnittlich oft Hüftdysplasien festgestellt. Daraufhin gab es eine Kampagne gegen das Pucken und die Hüftdysplasien gingen zurück. In Japan haben die Forscher Ähnliches beobachtet.

Weitere Forschung wünschenswert

Obwohl es noch nicht hundertprozentig sicher ist, dass Fehlstellungen der Hüfte wirklich vom Pucken kommen, spricht doch einiges dafür, sagt Tamara Seidl. Es gibt aber auch Fachleute, die skeptisch sind. Sie wünschen sich weitere Studien. Was zum Beispiel fehle, seien Untersuchungen, in denen Babys nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt und dann untersucht würden. Ein Verfahren, das sich in der Praxis allerdings schlecht umsetzen lässt.

Pucken aus Sicht der Hebammen

Obwohl das Pucken umstritten ist, möchten viele Hebammen nicht darauf verzichten. Denn gerade Schreibabys ließen sich gut damit beruhigen. Sie fühlten sich dadurch an die Zeit im Mutterleib erinnert, sagen die Geburtshelferinnen. Ob es allerdings unbedingt das klassische Pucken sein muss, bei dem das Baby bis zum Hals eingewickelt wird, wird auch von den Hebammen diskutiert. Die offizielle Meinung des Deutschen Hebammen Verbands ist, dass das Pucken den Kindern gut tut, vorausgesetzt, sie werden nicht zu eng eingepackt.

Kinderärzte skeptisch

Kinderärzte lehnen das klassische enge Pucken dagegen komplett ab, auch wegen der Hüftprobleme, die damit verbunden sein könnten. Aber mit einer gemäßigten Form des Puckens haben die Kinderärzte - und übrigens auch die Kinderorthopäden - gar kein Problem. Das geht sehr gut mit einem Pucksack. Das ist ein Sack mit einem Bündchen. In dem Säckchen können die Babys zwar strampeln, spüren aber trotzdem eine Begrenzung. Und bei dieser Art des Puckens kann man dann wirklich ganz sicher sein, dass die Hüfte keinen Schaden nimmt.

Stand: 09.06.2016, 14:43