Küchenexperimente - Magnetisches Obst

Küchenexperimente - Magnetisches Obst

Von Sascha Ott

Eisen, Cobalt oder Nickel sind magnetisch, genauer ferromagnetisch. Eine andere Form des Magnetismus ist weitgehend unbekannt: Magnetisches Obst.

Wenn wir im Alltag sagen, etwas sei magnetisch, dann meinen wir meist: Der Gegenstand wird von einem Permanentmagneten angezogen, das heißt er ist ferromagnetisch. Zu den ferromagnetischen Materialien gehören neben Eisen, Cobalt und Nickel auch zahlreiche Legierungen. Hinzu kommen einige weniger verbreitete Elemente, die erst bei niedrigen Temperaturen ferromagnetische werden, wie zum Beispiel Gadolinium oder Terbium. Dieses Experiment präsentiert eine andere Form des Magnetismus, die uns weit weniger vertraut aber eigentlich bei viel mehr Stoffen – im Grunde sogar bei allen – mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden ist.

DER VERSUCH

Dieses Experiment funktioniert mit einer ganzen Reihe von Obst- und Gemüsesorten. Scheiben von Schlangengurken sollten funktionieren und auch eine Version mit Tomaten habe ich schon gesehen. Die Version mit den Weintrauben finde ich aber nicht nur am handlichsten, sondern auch am leckersten. Man braucht dafür im Einzelnen:

  • zwei Weintrauben;
  • ein Schaschlikstäbchen aus Holz;
  • etwa einen Meter dünnen Bindfaden;
  • einen Fixierungspunkt zum Aufhängen frei im Raum, z.B. eine Hängelampe;
  • einen starken Magneten, z.B. aus Neodym.

Ich spieße die Weintrauben auf die Enden des hölzernen Schaschlik-Stäbchens. Dann binde ich den dünnen Faden möglichst genau um die Mitte des Holzstäbchens, sodass die Stäbchen-Trauben-Schaukel in der Waage ist, wenn ich den Faden anhebe. Das andere Ende des Fadens knote ich an die Lampe. Dann hängt der Stab mit den aufgespießten Trauben wie eine kleine Hantel über dem Küchentisch, schwingt frei hin und her und kann sich wie ein Karussell um die Mittelachse drehen. Ich warte einen Moment, bis der Stab mit den Trauben möglichst still hängt. Dann nehme ich den kleinen starken Neodym-Magneten und nähere ihn vorsichtig einer der beiden Trauben, achte aber darauf, dass ich die Traube nicht mit dem Magneten anstoße.

DAS ERGEBNIS

Das Traubenkarussell beginnt sich zu drehen. Die Weintraube wird vom Magneten abgestoßen, nicht besonders stark, aber doch genug, um den aufgehängten Holzstab mit den beiden Trauben in Drehung zu versetzen. Das Traubenkarussell dreht sich in Schwung gebracht von der Kraft des Magneten.

DIE ERKLÄRUNG

Weintrauben bestehen zu etwa 80 Prozent aus Wasser. Und Wasser zeigt eine besondere Form des Magnetismus: Es ist ganz schwach diamagnetisch. Diamagnetische und die eingangs erwähnten ferromagnetischen Stoffe unterscheiden sich in der Art, wie sie auf einen Permanentmagneten reagieren. Ferromagnete werden von einem Magneten in der gleichen Richtung magnetisiert, wie der Permanentmagnet und dadurch angezogen. Ein diamagnetischer Stoff hingegen wird aufgrund seiner atomaren Struktur genau anders herum magnetisiert. Deshalb wird er abgestoßen so wie die Trauben sich von meinem Magneten abstoßen und Karussell fahren.

Alle Stoffe sind mehr oder weniger stark diamagnetisch, zum Beispiel auch Kohlenstoff, Graphit. Mit einer Bleistiftmine hätte das Experiment also auch funktioniert. Da der ferromagnetische Effekt aber wesentlich stärker ist, als der Diamagnetismus werden bei Ferromagneten die diamagnetischen (entgegengesetzt wirkenden) Effekte vom Ferromagnetismus überlagert.

FAZIT

Die Natur ist magnetisch. Nur sind Stärke und Art des Magnetismus ganz unterschiedlich. Zum Glück. Denn es wäre doch sehr mühsam, wenn man den Obstsalat jedes mal von den Kühlschrankmagneten kratzen müsste.

Redaktion:
Peter Ehmer

Stand: 26.04.2016, 15:05